Mittwoch, 18. Mai 2022
Aus dem Gremium (Teil 5): Die Steiermark

„Keine One-Woman-Show”

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 29.11.2021 | |  
Obfrau Christine Korp und Geschäftsführer Hardo-Horst Hrastnik sind sich einig: Der Handel hat Zukunft – die größte Herausforderung bildet dennoch der Nachwuchsbereich. Obfrau Christine Korp und Geschäftsführer Hardo-Horst Hrastnik sind sich einig: Der Handel hat Zukunft – die größte Herausforderung bildet dennoch der Nachwuchsbereich. Das Landesgremium Steiermark des Elektro- und Einrichtungsfachhandels weist allein in personeller Hinsicht einige Besonderheiten auf: Der außergewöhnlich großen Zahl an Mitgliedsbetrieben steht mit Christine Korp eine Vertreterin des Tonträgerhandels als Obfrau vor, als ihr Stellvertreter auf Seiten des Einrichtungsfachhandels fungiert mit dem Orient-Teppichhändler Meicl Wittenhagen ebenfalls kein „klassischer” Möbelhändler. Und das ist noch längst nicht alles, wie die Obfrau und GF Hardo-Horst Hrastnik zu berichten wissen.

Bereits seit 2005 steht Christine Korp an der Spitze des steirischen Landesgremiums des Elektro- und Einrichtungsfachhandels – als damals erste Obfrau in der Wirtschaftskammer Steiermark. Sie sei sozusagen „vorgeprägt”, nachdem schon die Mutter jahrelang als Obmann-Stv. des Gremiums und der Großvater als Landesinnungsmeister gewirkt hatten, scherzt Korp, die gemeinsam mit ihrer Schwester die Geschäfte der Friebe GmbH (Elektroinstallationen und Tonträgerhandel inkl. Musikzubehör) führt.

Insgesamt 1.538 Mitgliedsbetriebe zählt das steirische Landesgremium, davon 869 im Elektro- und 669 im Einrichtungsfachhandel. Diese Unternehmen bilden aktuell 201 Lehrlinge aus – 53 im Elektro- und 148 im Einrichtungsfachhandel. Mit 15 Funktionären ist auch das Gremium selbst personell stark besetzt – darunter die Bundesbeauftragte für die Lehrlinge, Christine Kühr.

Die Landesgeschäftsstelle in Graz wird seit 2013 von Geschäftsführer Hardo-Horst Hrastnik geleitet. Unterstützung erhält er von Nina Hörmann, die ebenfalls seit 2013 als Assistentin tätig ist.

Welche Themen beschäftigen das Landesgremium Steiermark?

Christine Korp will die Leistungen der Wirtschaftskammer für die Mitglieder hervorheben und die Kommunikation mit diesen intensivieren.

Christine Korp: In erster Linie Fachkräfte und Lehrlinge – die richtigen Leute zu finden, die den Job lieben und auch selbst interessiert sind, ist einfach das Hauptthema. Natürlich kann man alles lernen, aber im Handel ist eine gewisse Grundaffinität zu den Produkten erforderlich.

Gibt es Initiativen, um mehr Lehrlinge bzw. sonstige Fachkräfte in die Branche zu bekommen?

Korp: Ausgehend vom Bundesgremium, wo Christine Kühr federführend mit dabei war, haben wir das Thema Lehrlinge in den letzten Jahren wirklich gut aufgestellt. Wir haben außerdem dafür gesorgt, dass in der Landesberufsschule in Hartberg, wo sowohl der Elektro- als auch der Einrichtungsbereich untergebracht ist, das richtige Equipment vorhanden ist. Vor der Neuausstattung mit aktuellen Produkten war die Situation erschütternd. Die Lernunterlagen für den Elektrohandel bilden auch eine gute Grundlage für neue Mitarbeiter, um ein gewisses Basiswissen zu erhalten, und bei den Einrichtern gibts eine App, aus der sich viel rausholen lässt. Gerade in einem Geschäft im ländlichen Raum braucht man Mitarbeiter, die wirklich etwas drauf haben, denn die Kunden – v.a. die älteren – haben oft keinen anderen Ansprechpartner.

Hardo-Horst Hrastnik: Das Wichtigste ist darauf einzugehen, was der Kunde will, sprich die Bedarfsanalyse. Man muss daher auch in der Ausbildung rüberbringen, dass sich die Lehrlinge ein bisschen Zeit für den Kunden nehmen und auf ihn eingehen können.

Wie vermittelt man, dass der Beruf des Verkäufers Zukunft hat?

Hrastnik: Wir setzen hier schon früh an, mit Berufs-Informations-Workshops in den 4. Klassen der Mittelschulen und Polytechnischen Lehrgängen. Da waren schon einige Unternehmer von uns dabei und wenn die ihre Tätigkeit beschreiben und die Möglichkeiten nach der Lehre aufzeigen, dann kann man die Schüler schon begeistern.

Gibt es weitere große Themen?

Korp: Amazon natürlich – ein Kampf gegen Windmühlen. Als ich begonnen habe, wurde eher noch die Großfläche kritisch beäugt. Jetzt sitzt sie mit uns im Boot und hat selbst massiv mit Amazon zu kämpfen.

Wie ermittelt das Landesgremium die dringlichsten Anliegen der Mitglieder?

Korp: Wir absolvieren Betriebsbesuche in den den Regionen, die Corona-bedingt leider ein bisschen nachgelassen haben, aber jetzt wieder forciert werden. Die meisten sind da zwar zunächst ein wenig verhalten, aber so nach und nach kommen im Gespräch dann die tiefergehenden und wirklich interessanten Aussagen – natürlich auch Kritik. So erfährt man, wie man dran ist, und diese Art der Interaktion ist mir zehn Mal lieber als alles andere. Ich bin ja keine One-Woman-Show und wir brauchen den Input.

Wie oft finden diese Besuchstouren statt?

Hrastnik: Drei, vier Mal pro Jahr, wo wir dann ca. fünf bis acht Betriebe in der Region besuchen. Da erlebt man wirklich alles und man spürt auch richtig die Freude, dass jemand persönlich vorbeikommt. In den letzten Jahren wurde vermehrt artikuliert, dass bei vielen Herstellern mittlerweile die Ansprechpartner fehlen und diese statt dem Vertrieb über den Fachhandel vermehrt den direkten Weg zum Kunden gehen – gerade auch im Zuge der Digitalisierungsschritte in der Corona-Pandemie. Dann bekommen Händler gewisse Produkte oft nicht mehr bzw. stehen plötzlich in direkter Konkurrenz zu den Online-Shops der Hersteller – und da schlucken sie natürlich.

Apropos Digitalisierung: Wie ist es um diese bei den Mitgliedern bestellt?

Korp: Durchaus gut, denn die kooperierten Fachhändler haben ohnehin ihre digitale Visitenkarte und die anderen sind recht gut sichtbar auf Google & Co., wenn auch nicht immer mit einem eigenen Webshop. Da hat Corona Anschub geleistet – das war das einzig Positive an diesem Schmarrn.

Hrastnik: Laut unserer Datenbank haben 92-93% der steirischen Elektrofachhändler eine Homepage. Webshops werden nicht statistisch erhoben.

Auf welchen Wegen erfolgt die Mitgliederkommunikation noch?

Hardo-Horst Hrastnik setzt auf Zusammenspiel: „Der Dualismus aus Funktionären und Mitarbeitern macht uns als Interessenvertretung stark.”

Hrastnik: Natürlich via Newsletter, einerseits mit den Infos, die wir von Bundesseite erhalten, andererseits zusätzlich landesspezifische Aspekte wie Förderungen, Aktivitäten, etc. Wobei wir den Newsletter eher spärlich einsetzen, d.h. immer nur dann, wenn wir wirklich etwas zu transportieren haben.

Korp: Daneben gibt es noch die jährliche Branchentagung und unsere Messereisen, die jetzt hoffentlich wieder ins Laufen kommen – budgetiert und beschlossen haben wir‘s jedenfalls.

Klingt spannend – wohin führen diese Messereisen?

Korp: Nach Mailand zum Salone del mobile für die Einrichter und zur IFA nach Berlin für die Elektrohändler. Das haben wir mit Gruppen von 18-20 Teilnehmern begonnen, zuletzt waren es schon 35-40, z.T. auch aus anderen Bundesländern. Dadurch bot sich gerade auch den unkooperierten und kleineren Händlern die Chance, solche Events live zu erleben – wobei wir zusätzlich zB Führungen bei den großen Herstellern organisiert hatten. Und bei solchen Reisen baut man auch untereinander ein Netzwerk auf, daher wollen wir das unbedingt weiter anbieten.

Ist die Kommunikation mit den Mitgliedern grundsätzlich schon so, wie Sie sich das vorstellen?

Korp: Ehrlich gesagt nein, ich hätte ganz gerne mehr Austausch. Dahingehend wurmt mich auch ein bisschen, dass unser Ansatz, regelmäßig Stammtische in den Regionen abzuhalten, nicht funktioniert hat – das wäre eine gute Ergänzung zu den Betriebsbesuchen gewesen, auch als größere Plattform für regionale Spezifika. Das haben wir ein paar Mal probiert, aber die Leute sind offensichtlich schon zu vollgepackt mit Terminen…

Werden auch außergewöhnliche Aktivitäten oder Maßnahmen gesetzt?

Korp: Definitiv exklusiv sind unsere speziellen Beiträge im ORF, in denen sich die gesamte Sparte Handel präsentiert – und mind. einmal jährlich auch ein Vertreter des Elektro- und Einrichtungsfachhandels. Mit Betriebsvorstellung, Kamerateam vor Ort, Interview, und allem drum und dran. Das wird jeweils am Freitag in „Steiermark heute” ausgestrahlt und kommt extrem gut an. Da sind wirklich schon schöne Beiträge entstanden, wie beispielsweise der mit Sandra Ertl aus Feldbach. Darauf bin ich nachher von unglaublich vielen Leuten angesprochen worden.

Was kann das Landesgremium konkret für das einzelne Mitglied leisten?

Korp: Ganz generell die Unterstützung – und diese Serviceleistungen z.B. bei den Betriebsbesuchen aufzuzeigen. Wir haben ein recht gutes Chart, was die Kammer alles inhouse an Hilfe bietet – während beim Steurberater, beim Anwalt etc. die Uhr unerbittlich tickt. Man muss einfach aufzählen und vor Augen führen, was beim WK-Beitrag alles inkludiert ist.

Hrastnik: Viele der Themen, die an uns herangetragen werden, wiederholen sich ja – sehr häufig geht es um die Altgeräteverordnung bzw. die Rücknahmeverpflichtung oder die Speichermedienvergütung, oft wird auch gefragt, ob zB die Austro-Mechana Kontrollen durchführen darf. In solchen Fällen können wird beruhigen und aufklären, was da auf die Händler zukommt – die sind oft froh, einfach nur mit jemandem reden zu können. Wir hören zu und versuchen zu helfen. Das halte ich auch für unseren wichtigsten Part: Ansprechpartner für den Händler zu sein.

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