Samstag, 21. Mai 2022
Weiterer Appell: Deutliche Absenkung der Antragsschwelle beim Verlustersatz

WKÖ-Gewerbe und Handwerk: Zulieferbetriebe fordern Ende des Lockdowns

Hintergrund | Julia Jamy | 06.12.2021 | |  
„Letztlich sitzen alle Unternehmen in ein- und demselben Boot. Es darf nicht passieren, dass Branchen ohne Verschulden in ihrer Existenz gefährdet werden. Der Lockdown muss deshalb für alle wie versprochen am 11. Dezember enden“, betont Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ. „Letztlich sitzen alle Unternehmen in ein- und demselben Boot. Es darf nicht passieren, dass Branchen ohne Verschulden in ihrer Existenz gefährdet werden. Der Lockdown muss deshalb für alle wie versprochen am 11. Dezember enden“, betont Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ. (© WKÖ) Das Auf- und Zusperren von Handel, Gastronomie und Hotellerie in mittlerweile vier Lockdowns sowie das Verbot von Events hat gravierende Folgen für zehntausende Zulieferer. Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster fordert daher ein Ende des Lockdowns am 11. Dezember sowie eine deutliche Absenkung der Antragsschwelle beim Verlustersatz.

Nach 21 Monaten Dauerkrise drohe vielen Gewerbe- und Handwerksbetrieben die Luft auszugehen. Das betrifft etwa Textilreiniger, die auf die Hotellerie und Gastronomie spezialisiert sind und null Aufträge haben, wenn es keine Tisch- oder Bettwäsche zu reinigen gibt. „Wir brauchen die Gastronomie und Hotellerie – und sie brauchen uns. Der Lockdown gefährdet Betriebe und Arbeitsplätze, deshalb muss am 12. Dezember wieder aufgesperrt werden“, sagt Kuno Graßner, Vorsitzender der Berufsgruppe der Textilreiniger.

Das Lebensmittelgewerbe – Bäckereien, Konditoreien, Fleischer, Getränkehersteller – leidet ebenfalls mit. „Das ist ein Geschäftszweig, der für viele Betriebe in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist. Auch das Weihnachtsgeschäft ist in normalen Jahren ein wesentlicher Faktor: das reicht von der Belieferung der Weihnachtsmärkte mit süßen Brezen bis hin zum Catering für Weihnachtsfeiern. Das fiel heuer flach“, sagt Josef Schrott, Innungsmeister der österreichischen Bäcker.

Der Ausfall der Weihnachtsmärkte schmerzt ganz besonders das Kunsthandwerk, das um das wichtigste Jahresgeschäft umfällt. „Die Mehrzahl unserer Betriebe sind Ein-Personen-Unternehmen. Das Geschäft auf den Advent- und Weihnachtsmärkten macht für sie ein Drittel bis zur Hälfte des üblichen Jahresumsatzes aus“, so Wolfgang Hufnagl, der Bundesinnungsmeister der Kunsthandwerke.

Keine Veranstaltung, kein Geschäft

Besonders schlimm betroffen seien auch Berufsfotografen und Veranstaltungstechniker. „Keine Events heißt: keine Aufträge. Für viele Fotografen sind die Geschäftsausfälle nicht nur auf Lockdown-Zeiten beschränkt, sie leiden unter 21 Monaten Dauerkrise. Viele stehen mittlerweile im Eck. Wir brauchen dringend eine nachhaltige Zukunftsperspektive und unbürokratische Finanzhilfe“, sagt Heinz Mitteregger, Bundesinnungsmeister der Berufsfotografen. Ähnlich ergehe es in der Pandemie den rund 2.000 Beschallungs- und Beleuchtungstechnikern: „Ohne Veranstaltungen sind Licht-, Ton- und Bühnentechniker arbeitslos. Die Durststrecke des ständigen Auf- und Zusperrens dauert bereits viel zu lange, wir brauchen Aussicht auf Normalität“, sagt Alexander Kränkl, Vorsitzender der Berufsgruppe der Beleuchtungs- und Beschallungstechniker.

Auch die Kleidermacher bekommen das schmerzlich zu spüren: „Unsere Schneider- und Kürschnerbetriebe, Stricker und Lederhosenerzeuger dürfen in diesem Lockdown zwar Kunden für Änderungen oder zum Maßnehmen für neue Kleidungsstücke empfangen. Das hilft aber leider wenig, weil ohne Ballsaison die Nachfrage bescheiden ist“, erklärt Christine Schnöll, Bundesinnungsmeisterin der Mode und Bekleidungstechnik. Ebenfalls stark abhängig vom Veranstaltungswesen sind weitere Berufsgruppen wie die Bewacher, die Zelt- und Möbelverleiher bis hin zur Film- und Musikwirtschaft, weil es im Lockdown ein Auftragsloch etwa bei Videoclips für Veranstaltungen oder Werbefilme für die Wirtschaft gibt.

Speziell jetzt komme es auf jeden Euro an, denn im Dezember werden Weihnachtsgelder, doppelte Krankenkassenbeiträge, Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft und die Einkommenssteuervorauszahlung fällig. „Letztlich sitzen alle Unternehmen in ein- und demselben Boot. Es darf nicht passieren, dass Branchen ohne Verschulden in ihrer Existenz gefährdet werden. Der Lockdown muss deshalb für alle wie versprochen am 11. Dezember enden“, betont Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ.

Verlustersatz

Ein Instrument, das zwar nicht den Geschäftsausfall kompensieren kann, aber zumindest das Überleben sichern sollte, ist der Verlustersatz. Allerdings drohen viele der am schwersten getroffenen Betriebe bei den Antragskriterien durchzufallen. Besonders für kleinere Unternehmen, die kaum über Eigenmittel verfügen und nach 21 Krisenmonaten extrem angeschlagen sind, könne jedoch schon ein Viertel Umsatzausfall existenzgefährdend sein, sagt Scheichelbauer-Schuster. Sie fordert deshalb eine deutliche Absenkung der Antragsschwelle, so wie das beim Härtefallfonds und Ausfallsbonus III vorgesehen ist. „Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern überlebenswichtig. Viele Betriebe drohen aus dem Hilfsnetz zu fallen, auf das sie dringend angewiesen sind“, so die Spartenobfrau.

„Sie haben aus gesellschaftlicher Verantwortung alle Maßnahmen mitgetragen, sich vorbildlich verhalten und müssen dafür hohe Verluste schultern. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass ihnen zumindest ein Teil der Verluste abgegolten wird.“, so Scheichelbauer-Schuster abschließend.

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