Samstag, 21. Mai 2022
Umfrage: „8 von 10 wurden Opfer von Internetkriminalität“

Bitkom: „Cyberkriminelle sind derzeit so präsent wie nie“

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 14.12.2021 | |  
Acht von zehn Personen wurden bereits Opfer von Internetkriminalität. 77% der deutschen Internet-Nutzer halten ihre Daten nicht für sicher und es herrscht ein hohes Misstrauen gegenüber Netzwerken, Staat und Polizei. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage im Auftrag von Bitkom. (Bild: Pixabay) Acht von zehn Personen wurden bereits Opfer von Internetkriminalität. 77% der deutschen Internet-Nutzer halten ihre Daten nicht für sicher und es herrscht ein hohes Misstrauen gegenüber Netzwerken, Staat und Polizei. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage im Auftrag von Bitkom. (Bild: Pixabay) Das Thema ist heiß - und wurde durch die Pandemie noch stärker befeuert: Die Internetkriminalität (Anm.: mit der wir uns auch in der Coverstory der aktuellen E&W Dezemberausgabe beschäftigen). Der deutsche Digitalverband Bitkom hat sich unter mehr als 1.000 deutschen Bundesbürgern umgehört, wie sie mit dem Thema umgehen und sich schützen.

Gestohlene Passwörter, Computer-Viren, Extremismus: Acht von zehn Personen (79%) waren in den vergangenen 12 Monaten von kriminellen Vorfällen im Netz betroffen. Nur noch eine Minderheit von 21% gibt an, keine solchen Erfahrungen gemacht zu haben. „Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als noch 34% von Angriffen im Internet verschont blieben“, sagt der Digitalverband Bitkom, der eine Umfrage unter mehr als 1.000 deutschen Internet-Nutzern druchführte.

Demnach haben sich 47% mit Schadprogrammen infiziert (2020: 48%) und 39% berichten, dass persönliche Daten ungefragt an Dritte weitergegeben wurden (2020: 33%). Knapp ein Fünftel (19%) gibt an, bei privaten Einkäufen betrogen worden zu sein, 15% berichten von Betrug beim Online-Banking. Besonders stark gewachsen ist im vergangenen Jahr die Betroffenheit durch verbale Angriffe und extremistische Aussagen: 21% (2020: 13%) der Nutzer geben an, in den vergangenen 12 Monaten verbal massiv attackiert worden zu sein, 14% berichten von Konfrontationen mit extremistischen Inhalten – das sind siebenmal mehr als noch im Vorjahr.

Die Verunsicherung der Nutzer sei entsprechend groß: 77% halten ihre Daten im Netz für unsicher. Im Vergleich zum Vorjahr (68%) ist auch dieser Wert deutlich gestiegen. Nur noch ein Fünftel (20%) hält seine Daten im Netz für sicher. „Cyberkriminelle sind derzeit so präsent wie nie“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Angriffe fallen heute gravierender aus als noch vor wenigen Jahren. Statt einfach Viren im Netz zu verbreiten, setzen Kriminelle auf organisierte Attacken – auch auf Privatpersonen. Es war deshalb noch nie so wichtig, die gesamte Bevölkerung für das Thema Internet-Sicherheit zu sensibilisieren.“

In den vergangenen 12 Monaten sei Angst vor fast allen potenziellen Szenarien deutlich gestiegen. Aktuell fürchten sich 85% Prozent vor einer illegalen Nutzung persönlicher Daten durch Unternehmen (2020: 79%), 83% vor Schadprogrammen (2020: 75%). Eine illegale Nutzung von Passwörtern und Konten befürchten 62% der Internet-Nutzer. Besonders stark gestiegen ist die Sorge, mit extremen Inhalten oder Aussagen konfrontiert zu werden. 27% fühlen sich von Hassrede im Netz bedroht (2020: 18%), 26% fürchten Beleidigungen oder Mobbing (2020: 21%) sowie sexuelle Belästigung im Netz (2020: 19%).

„Menschen müssen sich im Internet besser vor Angriffen schützen. Komplexe Passwörter, regelmäßige Updates und Vorsicht beim Öffnen von Mails oder Anhängen gehören zum Pflichtprogramm“, sagt Bitkom-Präsident Berg. Klar sei aber auch: „Wir alle gemeinsam haben eine große Aufgabe: Das Internet muss ein Raum der Möglichkeiten bleiben – kein Raum, in dem man Angst vor Extremismus, Betrug und Beleidigungen haben muss. Das ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier muss der Staat seiner Verantwortung nachkommen und digitale Straftaten konsequent verfolgen.“

„Internet-Nutzer misstrauen Netzwerken, Staat und Polizei“

Ein weiteres Ergebnis der BItkom-Umfrage zeigt: „Beim Umgang mit persönlichen Daten misstrauen die deutschen Verbraucher vielen Institutionen.“ 59% vertrauen der Politik im Allgemeinen weniger stark oder überhaupt nicht. Bei 60% gilt das für die Polizei, bei 61% für die Nachrichtendienste und bei 63% für die Verwaltung. Das Misstrauen gegenüber sozialen Netzwerken ist mit 68% nur unwesentlich höher. Sehr stark oder stark vertrauen indes 47% den Online-Händlern, bei denen sie bestellen. 46% vertrauen ihren E-Mail-Anbietern sehr stark oder stark. Bei vier von zehn Netz-Nutzern gilt das für traditionelle Banken.

Für den Schutz ihrer Daten sehen sich 88% der Internet-Nutzer vorrangig selbst verantwortlich. Nur 8% sehen den Staat in der Pflicht, 2% Internet-Anbieter oder Hersteller von Hard- und Software. Im Jahr 2019 sah insgesamt noch ein Fünftel den Staat (15%) sowie die Wirtschaft (5%) beim Datenschutz in der Pflicht.

Um sich vor Angriffen im Netz zu schützen, setzen Nutzer auf privaten Computern vorrangig Virenschutzprogramme (86%) und Firewalls (71%) ein. Der Einsatz beider Sicherheitsmaßnahmen bleibt im Zwei-Jahres-Vergleich stabil. Stark gestiegen ist hingegen die Nutzung von Cloud-Back-ups. Aktuell sichern 35% ihre PC-Daten im Netz (2019: 22%). Zudem nutzen 28% VPN-Verbindungen (2019: 19%), sowie Passwort-Safes (23%), also zentrale Speichermöglichkeiten für eigene Passwörter (2019: 13%).

Auf privaten Smartphones sind Virenschutzprogramme sehr viel seltener im Einsatz. Hier werden Sie von 43% der Nutzer verwendet – im Zwei-Jahres-Vergleich ebenfalls auf stabilem Niveau. Häufiger wird hier eine Lokalisierungsfunktion genutzt (65%), die ein Smartphone bei Verlust aufspüren kann (2019: 58%). Was Back-ups angeht, so verlassen sich Smartphone-Nutzer zunehmend auf die Cloud: 38% sind es 2021, 2019 waren es erst 24%. Zudem haben 18% der Smartphone-Nutzer einen Passwort-Safe auf ihren Geräten im Einsatz (2019: 8%), 14% decken ihre Handy-Kamera ab (2019: 13%).

Nutzung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen noch ausbaufähig

Die Nutzung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen ist indes noch ausbaufähig: So setzen lediglich 37% der Nutzer von Online-Diensten auf die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Hierbei muss eine Anmeldung oder Transaktion mit einem zweiten Faktor, etwa per PIN oder Fingerabdruck, bestätigt werden. Wer seine Konten entsprechend absichert, setzt in der Regel auf Bestätigungscodes per SMS (35%) oder E-Mail (32%) sowie TAN-Generatoren (31%). Authenticator-Apps haben lediglich 3% im Einsatz. 58% nutzen solche Möglichkeiten grundsätzlich nicht.

Zudem installieren lediglich 64% (2020: 56%) regelmäßig Updates, sobald diese vorgeschlagen werden. Sieben von zehn Nutzern (69%) haben darüber hinaus das Gefühl, sie würden es nicht bemerken, wenn sie von Fremden ausgespäht würden. Und lediglich 41% fühlen sich in der Lage, ihre Geräte vor Angriffen durch Kriminelle zu schützen. Im Vergleich zum Vorjahr (39%) ist dieser Anteil nur minimal gestiegen. „Für eine mündige Internet-Gesellschaft ist es entscheidend, dass sich alle Menschen sicher und selbstbewusst im Netz bewegen können“, so Bitkom-Präsident Berg. „Die aktuellen Vorkommnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, alle Menschen zu digital mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu machen.“

Denn künftig bleibt die Anspannung in der Bevölkerung hoch: 98% der Internet-Nutzer (2020: 94%) erklären, die Bedrohung durch Cyber-Kriminelle werde immer größer. Sie fordern deshalb, dass die Politik darauf reagiert: 92% (2020: 88%) sind der Meinung, sie solle mehr Geld in spezielle Polizeieinheiten investieren, die gezielt gegen Kriminelle im Netz vorgehen. 91% (2020: 87%) wünschen sich mehr Polizeipräsenz im digitalen Raum. Lediglich 6% finden, Internetkriminalität werde in der öffentlichen Debatte übertrieben dargestellt.

Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden