Samstag, 29. Januar 2022
Chip-Nachfrage steigt von 2020 bis 2022 um 17% pro Jahr

Globaler Halbleitermangel besteht noch mehrere Jahre über 2022 hinaus 

Hintergrund | Julia Jamy | 21.12.2021 | |  
Nach Analysen der Roland Berger-Experten steigt die Chip-Nachfrage von 2020 bis 2022 um 17% pro Jahr. Nach Analysen der Roland Berger-Experten steigt die Chip-Nachfrage von 2020 bis 2022 um 17% pro Jahr. (© Roland Berger) Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage von Halbleitern wird immer größer. Während die Chip-Nachfrage von 2020 bis 2022 um 17% pro Jahr steigt, wird die globale Halbleiterknappheit für viele Branchen voraussichtlich über das Jahr 2022 hinausgehen und mehrere Jahre andauern. Der größte Mangel herrscht bei den Chips der älteren Generationen. Das geht aus einer Studie der Strategieberatung Roland Berger hervor.

„Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage von Halbleitern wird immer größer.“, sagt Michael Alexander, Partner bei Roland Berger. „Eine baldige Besserung ist nicht in Sicht. Denn der Engpass hat strukturelle Gründe, die in der aktuellen Ausgestaltung der Lieferketten liegen. Die Knappheit der Chips wird bis in das Jahr 2023 – und wahrscheinlich darüber hinaus – bestehen bleiben. Die angekündigten zusätzlichen Kapazitäten reichen nicht aus, um den Bedarf zu decken.“

Aktuelle Chip-Nachfrage übertrifft Produktionskapazität

Nach Analysen der Roland Berger-Experten steigt die Chip-Nachfrage von 2020 bis 2022 um 17% pro Jahr. Die Produktionskapazität wächst im selben Zeitraum hingegen lediglich um 6% pro Jahr. Da die Halbleiterfabriken aktuell bereits durchschnittlich zu 97% ausgelastet sind, sei eine zügige Ausweitung der Produktion kaum möglich.

Neue Fertigungskapazitäten lösen das Problem nicht

Wie die Studie zeigt, werden neue Fertigungskapazitäten den massiven Versorgungsengpass in der Automobilindustrie nicht lösen, denn die Investitionen konzentrieren sich insbesondere auf Hochleistungschips der neusten Generation. Der größte Mangel bestehe jedoch derzeit bei den Chips der älteren Generationen – mit Fertigungstechnik aus den 1990er und 2000er Jahren. Sie stellen mit rund 95% der verbauten Halbleiter den Löwenanteil in den aktuellen Elektronik-Architekturen von Autos mit Verbrennungsmotoren dar. Chips der neuesten Generation machen hingegen nur 5% Prozent aus.

Strategie anpassen

Unternehmen aus Automobilindustrie und anderen Branchen, die auf Halbleiter angewiesen sind, sollten laut Studie die Krise aktiv adressieren. Hierzu zählen technische Maßnahmen wie ein schnellerer Wechsel auf zentralisierte/zonale E/E-Architekturen. Darüber hinaus stellen direkte, langfristige Lieferverträge mit Halbleiterunternehmen, die wechselseitige Kapazitätszusagen und Abnahmeverpflichtungen über mehrere Jahre enthalten, einen wichtigen Hebel dar. „Langfristig müssen OEMs und Zulieferer ihre Design-Philosophie anpassen, um mit den dynamischen Kapazitätsveränderungen in der Halbleiterindustrie Schritt zu halten. Die Bewältigung der Krise erfordert strategische Maßnahmen.“, so Thomas Kirschstein, Principal bei Roland Berger.

Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden