Samstag, 21. Mai 2022
Hintergrundkommentar E&W 5/2022

Gefährliche Angewohnheit

Hintergrund | Dominik Schebach | 08.05.2022 | Bilder | |  
Bei seinem Grundsatzreferat während der jüngsten Expert-Frühjahrstagung sprach Expert-GF Alfred Kapfer einen meiner Meinung nach wichtigen Punkt an. Er appellierte an die Eigenverantwortung der Mitglieder als Unternehmerinnen und Unternehmer, selbst aktiv zu werden, für gute Stimmung in der Gesellschaft zu sorgen und auch so das wirtschaftliche Umfeld zum eigenen Vorteil zu gestalten, anstatt darauf zu hoffen, dass der Staat wieder alles richtet.

Jetzt mag man sagen, was kann ein einzelner Unternehmer allein schon bewegen? Wenig – das stimmt. Aber wie so oft gilt auch hier der Grundsatz, die Masse machts. Und Wirtschaft ist auch Psychologie. Wenn wir alle wie die Kaninchen vor der Schlange kauern, wird die Wirtschaft den Bach runtergehen. Außerdem sollte uns allen klar sein, dass wir nicht immer auf staatliche Hilfe warten können. Das ist wahrscheinlich eine der versteckten negativen Folgen der Pandemie. Viele Branchen wurden in den vergangenen zwei Jahren geradezu auf staatliche Hilfen getrimmt und in der Bevölkerung ist eine gewisse Erwartungshaltung entstanden – eine gefährliche Angewohnheit.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Herausforderungen, welche die österreichischen Betriebe in den vergangenen zwei Jahren zu meistern hatten, waren enorm. Dass der Elektrofachhandel hier auf der Gewinnerseite stand, eine glückliche Fügung. Anderen Branchen ist es nicht so gut ergangen und diese haben auch zu Recht staatliche Unterstützung erhalten. D.h., es wurde viel Geld aufgebracht, um die Folgen des pandemiebedingten Nachfrageausfalls abzupuffern. Das war in dem Moment notwendig. Ich kann mich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass heute von vornherein nach staatlicher Hilfe geschrien wird, sobald ein neues Problem am Horizont auftaucht. Ob es sich nun um steigende Energiepreise oder Lieferschwierigkeiten handelt, es wird immer öfter ein direkter Eingriff in den Markt gefordert. Das kann auf die Dauer nicht gutgehen.

Zum einen kann nicht jedes Problem langfristig mit Geld zugedeckt werden – irgendwann kommt der Entzug. Zum anderen ist die Politik nicht immer so schnell unterwegs wie bei den COVID-Schutzverordnungen in den vergangenen Jahren. Da hat die Bundesregierung im Vergleich zum sonstigen glazialen Vorgehen unter dem Druck der Krise wahre legistische Sprints hingelegt, welche sich aber nicht immer als juristisch wasserdicht erwiesen haben und deswegen auch kein Dauerzustand sein sollten. Letztlich erstickt das Warten auf staatliche Hilfe aber die Eigeninitiative – und das ist tödlich. Wir wissen zu einem guten Teil, wo die Probleme in Österreich liegen. Die sind mit dem Konflikt in Osteuropa nicht verschwunden, sondern im Gegenteil drängender geworden. Wir wissen, dass die Endkunden sich verändern und vermehrt Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Energieeffizienz einfordern. Und wir wissen, dass die Zeit bei der Energiewende sowie bei der Digitalisierung drängt. In allen diesen Bereichen hat die Branche viel zu bieten und kann den Endkunden bei ihren Problemen helfen und schlussendlich Markt machen. Auf staatliche Hilfe zu warten, erscheint mir da eher kontraproduktiv.

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