Montag, 8. August 2022
Inflationsbremse Telekommunikation

FMK-Jahresbericht: Deutlich mehr SIM-Karten

Telekom | Dominik Schebach | 12.05.2022 | |  
Margit Kropik, GF des FMK und Matthias Baldermann, Vorstand des FMK präsentierten heute die Jahrespressekonferenz der österreichischen Mobilfunkindustrie. Margit Kropik, GF des FMK und Matthias Baldermann, Vorstand des FMK präsentierten heute die Jahrespressekonferenz der österreichischen Mobilfunkindustrie. Wie das Forum Mobilkommunikation in seiner heutigen Jahrespressekonferenz mitteilte, wächst in die Zahl der SIM-Karten weiterhin. Zum Stichtag 31.12.2021 befanden sich in Österreich exakt 20.811.522 aktive SIM-Karten im Umlauf. Das bedeutet, dass die Anzahl der SIM-Karten gegenüber dem Vorjahr um etwa 2,6 Millionen weiter zugelegt hat. Leicht zurück ging dagegen die Sprachnutzung. Im Bereich der Kosten sehen sich die Mobilfunker dagegen als Inflationsbremse. Ein zentrales Thema bleibt derweil der 5G-Ausbau.

Matthias Baldermann, Präsident des FMK und CTO von Hutchison Drei Austria und Margit Kropik, Geschäftsführerin des FMK, haben heute den Jahresbericht der österreichischen Mobilfunkindustrie zum Jahr 2021 vorgestellt. „Die Mobilfunkindustrie befindet sich in einem sehr dynamischen Umfeld. Die Märkte entwickeln sich rasant, wir stehen in einem Technologiesprung und verändernden Rahmenbedingungen. Die Mobilfunkindustrie arbeitet hart daran, die Vorteile dieser Veränderungen auch an die Endkunden zu bringen“, so Baldermann. „In diesem Zusammenhang sehen wir den weiteren 5G-Ausbau auch als Wirtschaftsmotor für Österreich an.“

SIM-Karten

Die Dynamik im Mobilfunksektor drückt sich auch in Zahlen aus: Zum einen bei der Anzahl der SIM-Karten. Da verzeichnete das FMK den oben erwähnten Sprung von 2,6 Millionen SIM-Zahlen. Neben zusätzlichen Tablets und Router für Home Schooling sowie Home Office, geht das Wachstum vor allem auf einen Anstieg der M2M-Anwendungen zurück. Insgesamt werden 8,5 Millionen österreichische SIM-Karten für M2M-Anwendungen genutzt. Baldermann geht davon aus, dass mit der breiten Verfügbarkeit von 5G auch der Einsatz von Remote Sensors zunehmen wird.

Die Sprachminuten sind dagegen nach dem Pandemiejahr 2020 im Vorjahr von 29,1 Milliarden auf 25,2 Milliarden zurückgegangen. „2020 war eine absolute Ausnahme. Vergangenes Jahr haben sich die Unternehmen der Situation angepasst und die Kommunikation hat sich in Richtung IP-gestützte Kollaborationstools verlagert“, so Baldermann. „Sprachtelefonie hat allerdings weiterhin ihre Berechtigung, weil hier die Qualität weit höher ist.“

Datenwachstum

Ungebremst ist weiterhin das Datenwachstum: Das via Mobilfunknetze übertragene Datenvolumen betrug 2021 3,824 Mrd. GB. Das ist nicht nur um eine Milliarde mehr als 2020, sondern rund 90-mal so viel wie vor 10 Jahren, also vor der Einführung von LTE. 2022 wird das übertragene Datenvolumen den Faktor 100 nach allen Prognosen gegenüber 2012 deutlich überschreiten. Damit ist aber auch aus Sicht der Mobilfunker klar, dass die Einführung von 5G nicht nur technisch neue Möglichkeiten bringt, sondern auch aus Kapazitätsgründen eine Notwendigkeit ist.

Das beweist, wie wichtig heute die Datenübertragung via Mobilfunk ist“, erklärte dann auch Baldermann. „Die derzeitige Nutzung katapultiert Österreich unter die Top 5 Staaten, bei der Datenübertragung pro Nutzer. Wir haben den Anspruch dies auch weiter zu unterstützen und werden dementsprechend Investieren.“ Insgesamt wollen die großen österreichischen Mobilfunk-Anbieter 3 Mrd. Euro in den Ausbau der 5G-Netze investieren, womit nicht nur die Kapazität deutlich ausgebaut werde, sondern auch die Abdeckung der ländlichen Gebiete verbessert werde.

Von den 18.430 Mobilfunkstandorten in Österreich seien bereits 6.990 auf 5G umgerüstet. Da der Fokus laut FMK in der ersten 5G-Ausbauphase vor allem auf dicht bebaute Gebiete und auf die Versorgung von Hauptverkehrsrouten gelegt wurde, können heute, Stand Mai 2022, 67 % der Gesamtbevölkerung Österreichs von mindestens einem der drei Mobilfunknetzbetreiber mit 5G versorgt werden. Jetzt gehe es in die Fläche: Schließlich müssen laut der Ausbauverpflichtung, die mit dem Kauf der Mobilfunkfrequenzen verknüpft ist, bis Ende 2025 mindestens 93 % der Bevölkerung und 98 % aller Hauptverkehrswege mit mobilem Internet mit einer Download-Geschwindigkeit von mindestens 30 Mbit/s versorgt sein.

Davon profitieren auch über 1700 österreichische Katastralgemeinden, die heute noch über gar keine – oder zumindest keine mobile – Breitbandanbindung ans Internet verfügen. FMK-GF Margit Kropik betonte in diesem Zusammenhang, dass sich die Verfügbarkeit von 5G und Glasfaser-Förderung nicht ausschließen. „Damit sind wir immer wieder konfrontiert“, so Kropik. „Fakt ist aber, dass die Mobilfunkverfügbarkeit keine Auswirkung keinen Einfluss auf die Erstellung der Förderkarten im Rahmen zukünftiger Ausschreibungen.“

Immissionen

Häufig vorgebrachte Bedenken gegen 5G will das FMK derweil durch umfangreiche Messreihen ausräumen, wie Kropik erklärte. Die aktuelle Messreihe unter Einbeziehung von 5G an 71 Messpunkten an belebten, öffentlichen Plätzen zeigte allerdings keine Zunahme der Strahlenbelastung, vielmehr wurden die Grenzwerte deutlich unterschritten. Selbst die höchste Immission an einem Messpunkt liegt  laut FMK bei weniger als 1 % der Personenschutzgrenzwerte. Die durchschnittliche Gesamtimmission aller 71 Messorte beträgt 0,05 %. Mehr Informationen dazu stellt das FMK auf der Seite 5Ginfo.at zur Verfügung.

Inflationsbremse Telekommunikation

Bei der derzeitig brennenden Inflationsfrage verwiesen Baldermann und Kropik auf die Entwicklung der Tarife. Laut einer Analyse von tarife.at sei bei Flat-Tarifen die Summe der durchschnittlich inkludierten Einheiten um das Vierfache gestiegen. Somit sei der Durchschnittspreis pro Einheit in den letzten fünf Jahren um 72 % gefallen. Die konstant konsumentenfreundliche Entwicklung der Mobilfunktarife wirkt hingegen als kräftige Inflationsbremse im gesamten, von der Statistik Austria mit „Nachrichtenübermittlung“ bezeichneten Bereich, der mit einer Teuerung von 1,0 % auch in diesen Zeiten moderat ausfällt.

Die Frage des Spektrums

Eine wichtige Frage für den Mobilfunk ist natürlich die Frage des nutzbaren Spektrums. Hier besteht ein Konflikt in Nutzung des Spektrums mit den Rundfunk- und Eventveranstaltern.  Nachdem die Allianz der TV-, Radio und Kulturveranstalter im April einen Schutz ihres UHF-Spektrums gefordert hatte, legte sich Baldermann nicht so eindeutig fest: „Das Ziel ist, die Frequenzen dort einzusetzen, wo sie den größten volkswirtschaftlichen Nutzen bringen. Die Entscheidung dazu liegt klar bei den Behörden, der Regierung und den internationalen Abstimmungs-Gremien. Insofern würde ich diese Frage eher an diese Institutionen zurückgeben.“

Angesichts des ständig steigenden Datenvolumens im Mobilfunk und der hohen allgemeinen Nutzung ist Baldermann allerdings persönlich überzeugt, dass sich der Mobilfunk hier sehr wohl mit den anderen Widmungen messen kann: „Persönlich glaube ich, dass der Mobilfunk mehr gesellschaftlichen Nutzen in die Waagschale werfen kann, ohne dass die bestehenden Anwendungen beeinträchtigt werden müssen. Dafür gibt es Konzepte und wir müssen in Zukunft sehen, wie man das gestalten kann.“

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