Donnerstag, 18. August 2022
Multimedia-Kommentar E&W 7-8/2022

Schleichender Übergang

Wolfgang Schalko | 10.07.2022 | Bilder | |  Meinung
Alle Jahre wieder wird in der TV- und Werbebranche der Veröffentlichung der aktuellen Bewegtbildstudie geharrt. Für 2022 war es kürzlich im Rahmen der Screenforce Days soweit – mit Ergebnissen, die Interpretationsspielraum in mehrere Richtungen offen lassen.

Die Ergebnisse der Bewegtbildstudie, die von RTR Medien und AGTT zum siebenten Mal veröffentlicht wurde, sind aus mehreren Gründen auch für den Elektrohandel interessant und relevant – zum einen, weil sie konkrete Nutzungszahlen zu den einzelnen Endgeräten liefert, zum anderen, weil sie die Entwicklung des Konsumverhaltens widerspiegelt und somit aussagekräftige Prognosen für die weitere Marktentwicklung erlaubt.

Was die in den heimischen Haushalten befindliche Hardware angeht, zeigt sich in den letzten Jahren ein tendenzieller Rückgang bei der Nutzung von TV-Geräten: Seit 2015 sank diese von 91% auf nunmehr 86%. Wenig überraschend ist der Anteil der internetfähigen Fernseher sowie jener, die tatsächlich mit dem Internet verbunden ist, im gleichen Zeitraum sukzessive gestiegen – und nähert sich aktuell der 60% Marke. Es dürfte auch nicht sonderlich überraschen, dass die Smartphone-Nutzung seit 2015 regelrecht explodiert ist (von 74% auf 92%) und damit heute höher liegt als TV im gesamten Erscheinungszeitraum der Studie. Noch zwei markante Zahlen: beinahe jeder Zweite nutzt ein Tablet für den Konsum von Bewegtbildinhalten und mittlerweile jeder Vierte einen TV-/Streaming-Stick (Tendenz steigend).

Betrachtet man die Nutzung nach Altersgruppen, ergibt sich folgendes Bild: Das klassische TV (linear und zeitversetzt) bleibt in der Gesamtbevölkerung die mit Abstand meistgenutzte Bewegtbildquelle und kommt auf einen Anteil von 70% am täglichen Konsum – der im Vergleich zum Vorjahr, das in dieser Hinsicht einen Rekord markierte, leicht gesunken ist (261 Minuten macht der gesamte Bewegtbildkonsum heuer pro Tag aus, 2021 waren es 281 Minuten). Parallel dazu ist die Nutzung von Sendermediatheken (Broadcaster Video on Demand) und Live-Streams gestiegen, sodass TV-Inhalte mehr als drei Viertel (77,4%) der Bewegtbildnutzung ausmachen – 2021 waren es 79,9%. Die „Heavy-User” finden sich in der Altersgruppe 50+, wo mit 301 Minuten nicht nur die tägliche Nutzungsdauer am höchsten ist, sondern auch die Nutzung von TV-Inhalten (mit über 92%). Am anderen Ende des Spektrums nutzt die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen TV-Inhalte nur noch zu knapp 47%, während Video- und Streaming-Inhalte mit 49% die Nase vorn haben (bei einer täglichen Nutzung von 232 Minuten). Am wenigsten Bewegtbildinhalte konsumiert die Gruppe der 30- bis 49-Jährigen mit täglich „nur” 221 Minuten.

Dass sich der Online-Bewegtbildkonsum insgesamt eingebremst hat, wird von den Rundfunkveranstaltern ebenso wie von der Werbebranche als Erfolg gefeiert. Wie nachhaltig dieser ist, wird sich spätestens in einem Jahr bei der nächsten Bewegtbildstudie zeigen. Trostpflaster bis dahin: Der Big Screen, also das TV-Gerät, ist auch bei Online-Inhalten das meistgenutzte Endgerät.

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