Freitag, 19. August 2022
Editor's ChoiceDie Alarmglocken schrillen: Handelsumsätze im Juni um -5,5% eingebrochen

52% geben weniger Geld für Elektroprodukte aus

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 03.08.2022 | | 2  
Laut Statistik Austria musste der österreichische Einzelhandel im Juni 2022 einen inflationsbereinigten Umsatzrückgang von -5,5% verkraften. Im Nicht-Lebensmittelhandel liegt das Minus sogar bei -8,3%. 52% der Bevölkerung geben laut einer Befragung weniger Geld für Elektroprodukte aus.

Wie der Handelsverband berichtet, zeigt der preisbereinigte Halbjahresvergleich 2022 (vs. 1. Halbjahr 2021) für den gesamten Einzelhandel ein minimales Umsatzplus von 0,2%. „Allerdings hatten die heimischen (Non-Food-)Handelsbetriebe im ersten Halbjahr 2021 auch bis zu acht Lockdown-Wochen geschlossen. Daher wird hier tatsächlich ein dickes Minus verzeichnet. Auch der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnete in diesem Zeitraum ein deutliches Minus von -4,9%“, so Handelsverband GF Rainer Will.

„Der Handel verzeichnete im ersten Halbjahr 2022 in fast allen Warengruppen deutliche Verluste aufgrund der multiplen Krisen, die eine eklatante Kaufkraftschwächung ausgelöst haben. Im Lebensmitteleinzelhandel zeigt das Minus von -4,9% deutlich, dass sich drei Viertel aller Menschen auf den Kauf günstiger Lebensmittel beschränken müssen. Das dickste Minus verzeichnet der Non-Food Handel, bei dem im Vergleich acht Lockdown-Wochen des Vorjahres herauszurechnen sind. Die neuesten Zahlen der Statistik Austria und die neuste Konsumentenbefragung des Handelsverbandes bestätigen die Situation im Handel, auf die wir seit Monaten hinweisen. Die Verdoppelung der Insolvenzen ist das bisherige Resultat dieser Effekte. Als Ursache sind die Einschränkungen der Wirtschaft rund um die Corona-Pandemie und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges zu nennen, die die Inflation befeuern und bei mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Pessimums und Kaufzurückhaltung auslösen“, bilanziert Will.

Der Handel kämpft mit sinkenden Umsätzen auf der Konsumentenseite, muss aber gleichzeitig massive Steigerungen in der Beschaffung sowie bei den Energiekosten und Mieten finanzieren. Das geht sich alles nicht mehr aus, daher besteht unmittelbarer Handlungsbedarf.

Elektro-, Uhren/Schmuck- & Bekleidungshandel am stärksten betroffen

Laut einer aktuellen Befragung von Mindtake Research im Auftrag des Handelsverbandes geben 54% der Österreicher an, weniger Geld für Uhren und Schmuck auszugeben. Bei Elektro-Produkten sowie bei Bekleidung und Schuhen sind es 52% der Bevölkerung.

„Bereits jetzt ist klar, dass viele Geschäfte des nicht-lebensnotwendigen österreichischen Handels im Herbst 2022 einen Überlebenskampf führen werden. Der Flächenschwund im Non-Food-Handel – minus 500.000 Quadratmeter in 2021 – wird sich inflationsbedingt fortsetzen“, berichtet Will.

Auswirkungen der Inflation auf Konsumausgaben gravierend

Hinzu kommt: Trotz steigender Preise verzeichnet in Österreich mittlerweile jede dritte Person im Erwerbsalter Einkommensverluste.

Zahlen des Handelsverbandes zeigen:

  • 97% der Bevölkerung spüren die Auswirkungen der Teuerung auf den eigenen Haushalt.
  • 77% wollen größere Ausgaben und Investitionen auf das kommende Jahr verschieben.
  • 3/4 kaufen aufgrund der Inflation verstärkt günstige Lebensmittel (Diskont-Eigenmarken).
  • 70% haben ihre Ausgaben in den letzten Wochen eingeschränkt.
  • 2/3 der Konsumenten sehen die nächsten 12 Monate pessimistisch.
  • 23% müssen sich gar auf den Kauf lebensnotwendiger Güter beschränken.

Insolvenzrisiko verdoppelt

Vor diesem Hintergrund habe sich im ersten Halbjahr 2022 auch die Zahl der Insolvenzen in Österreich verdoppelt, wobei KMU besonders stark betroffen seien. „Mehr als die Hälfte der Bevölkerung spart bei Ausgaben im Bereich Uhren/Schmuck-, Elektro- & Bekleidungshandel ein. Das wirkt sich immer stärker auf die Kapitalstruktur und die Überlebensfähigkeit der Firmen aus. Der massive Insolvenz-Anstieg gerade bei kleinen Unternehmen sollte bei der Bundesregierung alle Alarmglocken schrillen lassen und zu Taten verleiten. Eine umfassende Abgaben- und Gebührenreform zur Entlastung der österreichischen Unternehmen ist überfällig. Relikte aus den Zeiten Maria Theresias wie die Mietvertragsgebühr sind nicht mehr zeitgemäß“, appelliert Rainer Will an die Bundesregierung.

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Kommentare (2)

  1. Bei den Umsätzen die der EFH nach dem ersten Lockdown und die Zeit danach gemacht hat kein Wunder, hier wurden viele Käufe vorgezogen um es sich daheim angenehm zu machen. Dieser Effekt rächt sich jetzt ganz einfach und multipliziert sich noch damit dass aufgrund der Preissteigerung bei Energie, Lebensmittel etc einfach weniger Geld in den Taschen der meisten Österreicher ist.

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  2. Zur Erinnerung: Die Inflationsrate liegt bei knapp 10% lt. Statistik. Tatsächlich nähern wir uns 15%. Wer wundert und beschwert sich da ?

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