Mittwoch, 28. September 2022
„Wahrscheinlichkeit für einen Blackout in Österreich laut Bundesheer bei fast 100%

Blackout-Ratgeber für den Handel

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 08.08.2022 | |  Wissen
Der Blackout-Vorsorge-Ratgeber für den Handel Der Blackout-Vorsorge-Ratgeber für den Handel Es ist kaum vorstellbar, wenn nichts mehr geht. Wenn der Strom flächendeckend ausfällt und der von vielen gefürchtete Blackout eintritt. Experten erwarten binnen fünf Jahren ein solches Ereignis, wie der Handelsverband berichtet. Der volkswirtschaftliche Schaden läge bei mind. 1,2 Mrd. Euro pro Tag. Vorbereitungen auf den Blackout seien enorm wichtig, sagt der Verband, der nun einen Leitfaden herausgegeben hat, der Händler bei den Vorbereitungen auf mögliche Energiekrisen unterstützen soll.

Schon länger beschäftigen sich Politik, Medien und Wirtschaft intensiv mit den Folgen eines plötzlichen, überregionalen, länger andauernden Strom-, Infrastruktur- und Versorgungsausfalls – einem sogenannten Blackout. „Zurecht, denn die Folgen eines Blackouts wären für die Gesellschaft, Wirtschaft und den Handel katastrophal“, sagt der Handelsverband, der zwei Großstörungen im europäischen Stromversorgungssystem (im vergangenen Jahr) in Erinnerung ruft. „Das zeigt uns, dass es trotz aller Sorgfalt keine hundertprozentige Sicherheit gibt“, so Handelsverband GF Rainer Will.

Um die Branche auf den Ernstfall vorzubereiten, hat der Handelsverband gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) einen umfassenden Blackout-Ratgeber für den Handel herausgegeben.

„Wahrscheinlichkeit für einen Blackout in Österreich laut Bundesheer bei fast 100%“

„Eine stabile Stromversorgung ist nicht selbstverständlich. Österreich zeichnet sich zwar durch eine überdurchschnittlich hohe Versorgungssicherheit aus, aber verschiedenste Einflüsse wie der Ukraine-Krieg, die Gas- und Energiekrise sowie das Wachstum im Cybercrime-Bereich lassen auch die Blackout-Gefahr rasant ansteigen. Würde der Strom hierzulande für 24 Stunden ausfallen, läge der volkswirtschaftliche Schaden laut Berechnungen der JKU Linz bei mindestens 1,2 Milliarden Euro„, berichtet Rainer Will.

„Laut Bundesheer liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es in den nächsten fünf Jahren zu einem größeren, überregionalen Stromausfall in Österreich kommen wird, bei fast 100%. Es braucht Präventionsmaßnahmen und länderübergreifende Strategien, um die Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleisten zu können. Daher steht der Handelsverband im engen, laufenden Austausch mit dem Innenministerium, dem Verteidigungsministerium und dem Bundeskriminalamt“, so Will.

„Es ist essenziell, dass wir uns als Gesellschaft gezielt auf ein solches Szenario vorbereiten. Mit dem Blackout-Vorsorge-Ratgeber möchten wir die heimischen Händler mit Hintergrundinformation, Präventionsmaßnahmen, praxisnahen Tipps und Checklisten unterstützen. Denn eines ist klar: Je besser der österreichische Handel auf ein Blackout vorbereitet ist, desto besser werden wir die kaum fassbaren Folgen einer möglichen schweren Versorgungskrise bewältigen können“, ergänzt Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch.

„Wenn der Staat nicht mehr kann, schlägt die Stunde von Eigenverantwortung & Zivilgesellschaft“

Ein Blackout würde nicht nur zu einem großflächigen Stromausfall führen, sondern fast alle Infrastruktur- und Versorgungsleistungen betreffen, es würde schlagartig nichts mehr funktionieren, führt Will weiter aus. „Daher ist ein solches Ereignis auch nicht mit Stromausfällen, wie wir sie auch in Österreich nach heftigen Unwettern kennen, vergleichbar. Während nach lokalen oder regionalen Stromausfällen ziemlich rasch wieder alles wie gewohnt funktioniert, würde die Wiederherstellung der gewohnten Versorgung nach einem überregionalen Ereignis oder auch in Folge einer Gas- und Strommangellage wesentlich länger dauern, was häufig unterschätzt wird.“

Mehr als vielen Menschen bewusst ist, hängt unser Alltag völlig von einer intakten Stromversorgung ab – im städtischen Bereich sogar noch stärker als am Land. Daher sollte sich jede und jeder Einzelne von uns mit entsprechenden Vorsorgemaßnahmen befassen. Denn bei einem solchen überregionalen Ereignis geraten auch die gewohnten und sehr verlässlichen Strukturen der organisierten Hilfe rasch an ihre Grenzen. Niemand kann bei einer gleichzeitigen eigenen Betroffenheit Millionen Menschen helfen. Wir können eine solche Krise nur gemeinsam und durch Vorbereitung bewältigen„, ist Herbert Saurugg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge und Blackout-Vorsorge-Experte des Handelsverbandes, überzeugt. Gemeinsam soll in den nächsten Monaten auch die Dachmarke „Mach mit! Österreich wird krisenfit!“ (www.krisenfit.jetzt) mit konkreten Angeboten für die Vorsorge in den Handel gebracht werden.

Pandemie als Weckruf

Mit einer Versorgungssicherheit von 99,99% zähle die österreichische Stromversorgung zu den verlässlichsten der Welt. Daher sei für viele Menschen nur schwer nachvollziehbar, warum das eines Tages anders sein sollte. „Doch es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Nirgends. Daher sollten wir als Gesellschaft in der Lage sein, sowohl mit absehbaren als auch mit unerwarteten Krisen umzugehen. So ist die Politik gerade jetzt in der Gas-Krise gefordert, die Risiken in unserer Energieversorgung zu minieren“, sagt Rainer Will.

„Bei einem Blackout spielt der Lebensmittelhandel als Kritische Infrastruktur und Nahversorger eine zentrale Rolle. Daher ist die Vorbereitung auf ein Blackout Teil der Krisen- und Notfallpläne der Händler. Die Corona-Pandemie hat die Dringlichkeit nochmal verstärkt. Die Vorbereitung auf ein Blackout geht Hand in Hand mit dem Ausbau autarker grüner Stromquellen aus Photovoltaik und Windenergie. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Bundeseinrichtungen und den Länderorganisationen muss das Ziel sein, um eine geordnete Verteilung der Lebensmittel im Krisenfall sicherzustellen“, sagt Robert Spevak, Leiter des Handelsverband-Ressorts „Sicherheit im Handel“ und Abteilungsleiter Revison und Sicherheit bei Metro Österreich.

Ein hoher Stellenwert kommt hier auch der Schulung der eigenen Mitarbeiter zu, damit diese privat wie beruflich bestmöglich auf den Ernstfall vorbereitet sind. Wenn wir die Grundversorgung schaffen, dann schaffen wir alles andere auch“, so Spevak.

Ebenfalls Im Fokus: EU-Plan mit Maßnahmen zur Energiereduktion

Aufgrund des Ukraine-Kriegs sowie einer möglichen Gaslieferunterbrechung entstehen für die kommenden Monate große Unsicherheiten. Der Rat der Europäischen Union habe in diesem Kontext am 26. Juli eine politische Einigung über eine freiwillige Senkung des Erdgasverbrauchs um 15% für den kommenden Winter abgeschlossen, wie Will berichtet. „Der Zweck besteht darin, vor dem Winter entsprechende Einsparungen zu erzielen, um einen Puffer für mögliche Unterbrechungen der Gaslieferungen aus Russland zu schaffen.“

Details zu den vorgeschlagenen Maßnahmen werden im HV Blackout-Vorsorge-Ratgeber ebenso beschrieben wie der 3-Säulen-Plan der EU-Kommission zur Senkung der Gasnachfrage. Dazu zählen:

  • Umstieg weg vom Gas auf alternative Energieformen, um die Einschnitte für Industrie & Handel möglichst gering zu halten;
  • Anreize für die Verringerung des Verbrauchs durch Marktinstrumente;
  • Einsparungen bei Heizung und Klimatisierung.

Handelsverband-Mitglieder & Partner können den Blackout-Vorsorge-Ratgeber hier kostenfrei downloaden: https://www.handelsverband.at/publikationen/blackout-ratgeber

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