Mittwoch, 28. September 2022
Ceconomy Bilanz Q3 2021/22

Schwere Zeiten für MediaMarkt (Saturn)

Die Branche | Stefanie Bruckbauer | 12.08.2022 | | 7  Unternehmen
Media-Saturn-Mutter Ceconomy veröffentlichte die Zahlen von Q3 des laufenden Geschäftsjahres 2021/ 22 und es scheint, als wäre die Pandemie nicht der größte Belastungstest für MediaMarkt (und Saturn) gewesen. Die Probleme werden jetzt, nach dem Quasi-Ende der Pandemie, noch größer: Die deutlich gestiegene Inflation, höhere Warenbezugskosten, hohe Wettbewerbsintensität, drastisch steigende Energiekosten und eine mögliche Gaskrise sowie zurückhaltende Kunden bzw ein trübes Konsumklima lassen Ceconomy wenig optimistisch in die Zukunft blicken. „Wir stellen uns darauf ein, dass das Umfeld so schnell nicht besser wird“, sagt Ceconomy CEO Dr. Karsten Wildberger.

Ceconomy habe im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um +6,3% auf rund 4,7 Mrd. Euro erhöht (Q3 2020/21: 4,4 Mrd. €), schreibt das Unternehmen in einer Aussendung. „Im Zuge der zunehmend gedämpften Konsumstimmung ließ die Umsatzdynamik jedoch im Quartalsverlauf spürbar nach. Das bereinigte operative Ergebnis (EBIT2) lag im Berichtszeitraum bei minus 109 Mio. Euro und damit um 16 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert (Q3 2020/21: -93 Mio. €). Die Ergebnisentwicklung wurde durch die deutlich gestiegene Inflation negativ beeinflusst, die auch zu höheren Warenbezugskosten geführt hat. Durch die hohe Wettbewerbsintensität waren und sind zudem zusätzliche Investitionen in Kampagnen und Sonderaktionen erforderlich.“ Beim Vorjahresvergleich sei zu berücksichtigen, dass das Ergebnis des Vorjahres durch staatliche COVID-19-Hilfen in Höhe von 45 Mio. Euro gestützt worden war. Auf Neun-Monats-Sicht habe Ceconomy einen Umsatz von 16,5 Mrd. Euro erzielt. Dies entspricht einem Plus von 3,2% im Vergleich zum Vorjahr (9M 2020/21: 16,2 Mrd. €). Das EBIT2 liegt mit 102 Mio. Euro in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (9M 2020/21: 106 Mio. €)

Dr. Karsten Wildberger, CEO von Ceconomy erklärt: „Seit Juni hat sich das Konsumklima weiter spürbar eingetrübt. Wir müssen deutlich investieren, um auf unsere Umsätze zu kommen. In Deutschland sehen wir eine schwächere Nachfrage. Unsere Kunden sind mit Blick auf die anhaltend hohe Inflation, drastisch steigende Energiekosten und eine mögliche Gaskrise vorsichtig. Wir stellen uns darauf ein, dass das Umfeld so schnell nicht besser wird. Doch auch in dieser Gemengelage wollen wir unsere Wettbewerbsposition stärken. Wir optimieren unsere Kostenstrukturen und setzen unsere Omnichannel-Strategie weiterhin konsequent um, um das Einkaufserlebnis für unsere Kunden auf allen Kanälen weiter zu verbessern.“

Unterschiedliche Entwicklung in den einzelnen Segmenten

Die Geschäftsentwicklung in den einzelnen Segmenten zeige ein gemischtes Bild, wie Ceconomy ausführt: „Im Segment DACH ist der Umsatz im dritten Quartal mit der Erholung des stationären Geschäfts im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 5 % gewachsen. Allerdings war hier im Laufe des Quartals ein spürbarer Nachfragerückgang zu verzeichnen, allen voran in Deutschland. Im Segment West-/Südeuropa erreichte Ceconomy im Berichtszeitraum nicht ganz das Umsatzniveau des Vorjahres. Hier wurde die Entwicklung durch einen schwächeren Geschäftsverlauf in den Niederlanden und in Belgien gebremst. Insbesondere in Italien hat das Unternehmen hingegen den positiven Trend der vergangenen Quartale weiter fortgesetzt. Im Segment Osteuropa ist CECONOMY mit einem währungs- und portfoliobereinigten Umsatzplus von annähernd 65 % erneut am stärksten gewachsen. Dazu hat vor allem die anhaltend gute Kundennachfrage in der Türkei beigetragen. Zugleich ist hier der Einfluss der extrem hohen Inflation zu berücksichtigen.“

Online-Anteil am Gesamtumsatz über Vor-Pandemie-Niveau

Wie in den vergangenen Quartalen habe das Online-Geschäft auch im Berichtszeitraum einen
wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Unternehmens geleistet, wie Ceconomy sagt. Vor dem Hintergrund der Erholung des stationären Geschäfts nach dem Wegfall der COVID-19-Restriktionen erreichte der Online-Umsatz im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres rund 1,1 Mrd. Euro (Q3 2020/21: 1,5 Mrd. €). Dies entspricht einem Anteil am Gesamtumsatz von 22,9 %. Zur besseren Einordnung: Gegenüber dem dritten Quartal 2018/19, dem letzten direkten Vergleichszeitraum vor der COVID-19-Pandemie, hat sich der Online-Anteil damit nahezu verdoppelt (Q3 2018/19: 13,0 %). Als mittelfristige Zielgröße gilt unverändert ein Anteil am Gesamtumsatz von rund 30 %.“

Geschäft mit Services & Solutions weiter ausgebaut

Der Umsatz im Bereich Geschäftsfeld Services & Solutions ist im dritten Quartal um +23,1 % auf 299 Mio. Euro gewachsen (Q3 2020/21: 243 Mio. €). Der Anteil am Gesamtumsatz hat sich damit von 5,5 % auf 6,4 % erhöht. Ceconomy erklärt: „Diese Entwicklung wurde unter anderem durch das im Vergleich zum Vorjahr stärkere stationäre Geschäft unterstützt. In den Märkten war beispielsweise bei Smartbar-Dienstleistungen, Garantieverlängerungen oder Mobilfunkverträgen eine gute Nachfrage zu verzeichnen. Auch die verbesserten Online-Services haben zur weiteren Stärkung des Geschäftsfelds beigetragen. Hier haben sich unter anderem verbesserte Webshop-Funktionalitäten ausgezahlt.“

Ausblick

In Anbetracht deutlich veränderter Rahmenbedingungen und des zuletzt stark eingetrübten
Konsumklimas musste Ceconomy Mitte Juli die Prognose für das Gesamtjahr anpassen. Das
Unternehmen rechnet aus heutiger Sicht mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres
(2020/21: 21,4 Mrd. €). Beim EBIT2 erwartet CECONOMY einen Wert zwischen 150 Mio. Euro und 210 Mio. Euro zu erzielen (2020/21: 237 Mio. €). „Unsere ursprünglichen Annahmen für die weitere
Entwicklung wurden von der Wirtschafts- und Energiekrise überholt.
Wir haben es aktuell mit
äußerst widrigen Rahmenbedingungen zu tun und müssen davon ausgehen, dass sich die
Verbraucherstimmung in den kommenden Monaten auf niedrigem Niveau bewegen wird.
Insbesondere im Segment DACH wird die anhaltend hohe Inflation einschließlich stark steigender
Energiekosten die Nachfrage beeinträchtigen
“, sagte Florian Wieser, CFO von Ceconomy und
MediaMarktSaturn. „Wir sind darauf eingestellt und so solide finanziert, dass wir uns auch in diesem
äußerst herausfordernden Umfeld behaupten können.“

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Kommentare (7)

    1. Das teure Modell der autonomen GF: logisch dass die teuren alten autonomen ex-GF den Zeiten nachtrauern. Sehr viele davon waren betrunken von ‚Macht‘. Die Umstände im Handel haben sich geändert. Teuer ist leider nicht gleichbedeutend mit gut, oder besser: den heutigen Rahmenbedingungen entsprechend. Wettbewerb ist kaum noch lokal sondern national. Und Media Saturn nimmt immer mehr Schlagseite auf, intern zerrissen, träge, schwach. Es reicht halt nicht alles auf Ingolstadt, die Zentralisierung – oder wen auch immer – zu schieben.

  1. Möglicherweise sind das aber auch die ersten Auswirkungen der Zentralisierung, allem voran des Zentraleinkaufs
    und dem Abbau autonomer Geschäftsführer mitsamt einer kompetenten (somit auch teureren) Führungsmannschaft in den jeweiligen Märkten.
    Diese Erwähnung, aus konzerninternen Kreisen, käme allerdings einen Selbstmord gleich.

    5
  2. Kabarettreif: ‚Ferialpraktikum von Wieser vorbei‘. Einen Bericht scheint dies nicht wert, vllt weil es dazu noch keine PR Meldung gibt die man kopieren könnte?

    1
    1. Sehr geehrter „Wen interessierts noch“,

      Wenn Sie ein Beitrag nicht interessiert, lesen Sie ihn ganz einfach nicht. Falls Sie tiefergreifende Informationen haben, die Sie gerne mit den Branchenkollegen teilen wollen, können Sie diese gerne jederzeit telefonisch oder via E-Mail an die Redaktion herantragen – wir lassen diese dann selbstverständlich in unsere Berichterstattung einfließen.

      Ich freue mich schon auf Ihre Kontaktaufnahme!

      Mit freundlichen Grüßen
      S. Bruckbauer

      7
      1. Super Stefanie B., „Wenn Sie ein Beitrag nicht interessiert, lesen Sie ihn ganz einfach nicht.!“
        Sehr schlagfertig und auch wahr!

        1

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