Mittwoch, 28. September 2022
HV-Befragung zur aktuellen Energiesituation

Stromkosten für Händler +219%

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 16.09.2022 | |  
Die Energieversorgung im kommenden Winter ist auch in Österreich alles andere als gesichert. „Daher unterstützt der heimische Handel die Energie-Sparmaßnahmen der Bundesregierung nach besten Kräften“, sagt der Handelsverband, der österreichische Händler zu ihren geplanten Energiesparmaßnahmen befragt hat. Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen u.a.: Zwei Drittel der Händler planen den Verzicht auf Weihnachtsbeleuchtung und drei Viertel werden die Raumtemperaturen auf 18 bis 19° C senken.

„Der heimische Handel unterstützt die Energie-Sparmaßnahmen der Bundesregierung nach besten Kräften“, sagt Handelsverband GF Rainer Will. Dass die österreichischen Geschäfte in vielen Bereichen längst Vorreiter seien, belege eine aktuelle, bundesweite Umfrage des Handelsverbandes. „Viele Geschäfte leisten damit einen wertvollen Beitrag, um eine potenzielle Gas- und Strommangellage in Österreich zu verhindern“, so Will und: „Der Handel hat umfassende Schritte zum Energiesparen gesetzt, um einen Beitrag zur Bewältigung der Energiekrise zu leisten. Damit wird der umsatzstärkste Wirtschaftsbereich und zweitgrößte Arbeitgeber des Landes seiner großen Verantwortung und Vorbildwirkung gerecht. Zusätzlich zu den bisherigen Bemühungen werden zwei Drittel der österreichischen Händler dieses Jahr auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichten, drei Viertel der Geschäfte planen, die Raumtemperaturen auf 18-19° zu senken.“

Die Ergebnisse der Befragung präsentieren sich im Detail wie folgt:

Energie-Sparmaßnahmen im Bereich Beleuchtung:

  • 3/4 aller österreichischen Handelsbetriebe haben bereits flächendeckend auf LED-Beleuchtung umgerüstet, bei weiteren 11% ist dies geplant.
  • 36% setzen auf Bewegungsmelder/Lichtsensoren, um Strom zu sparen, 1/10 hat das geplant.
  • 39% haben die Intensität ihrer Beleuchtung reduziert, 16% planen dies in absehbarer Zeit.
  • 1/2 schaltet Leuchtreklamen spätestens 30min nach Geschäftsschluss ab, 1/5 hat dies geplant.
  • 64% der Geschäfte planen heuer einen Verzicht auf die Weihnachtsbeleuchtung.

Energie-Sparmaßnahmen im Bereich Heizung

  • 74% werden im Herbst/Winter die Raumtemperatur in den Verkaufsflächen auf 18-19 Grad senken, 63% die Temperatur in den Büros auf 19 Grad und ganze 80% ihre Lagertemperaturen auf 17-18 Grad reduzieren.
  • Eine regelmäßige Wartung der Heizung führen 92% der Händler durch – das spart bis zu 20% an Energie.
  • Im Lebensmittelhandel haben bereits 75% die Kühltemperaturen auf den höchstmöglichen Wert eingestellt (in Übereinstimmung mit den geltenden Hygienevorgaben), 13% haben dies noch geplant.

Energie-Sparmaßnahmen im Bereich Elektrogeräte & Belüftung

  • 45% der Geschäfte fahren ihre Belüftungsanlagen außerhalb der Öffnungszeiten auf ein Minimum herunter, bei 16% ist dies geplant.
  • 2/5 haben ihre Belüftung von Dauerlauf auf Intervall-Schaltung umgestellt, weitere 11% werden dies im Herbst/Winter implementieren.
  • 40% haben bereits alle elektrischen Geräte auf Energieklasse A umgestellt, 24% haben dies geplant.
  • Mehr als 1/2 der Betriebe setzt auf Zeitschaltuhren für Elektrogeräte, 15% wollen in Kürze umstellen.
  • 2/3 der Betriebe schalten PCs, Drucker, Kassen, Screens, Kaffeemaschinen etc. nach Geschäftsschluss aus (statt Standby-Modus), 21% haben dies geplant.
  • 1/3 der Shops hat sonnenreflektierende Fensterfolien eingebaut, 11% werden das noch umsetzen.
  • 1/4 setzt auf Solarpaneele/Photovoltaik auf dem Dach, 1/4 hat dies zeitnah eingeplant.

„Wir tun unser Möglichstes, um die Energie-Einsparungsziele der EU-Kommission zu erreichen. Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen, dass viele österreichische Händler bereits Vorreiter sind, wenn es ums Energiesparen geht. Wir werden diesen Weg konsequent weitergehen – selbst wenn das heißt, dass heuer viele Schaufenster zu Weihnachten unbeleuchtet bleiben“, so Will.

Stromkosten für die Händler im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich +219% verteuert

Wie der Handelsverband berichtet, haben sich bereits jetzt die Stromkosten für die heimischen Händler im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich +219% verteuert. „Bei manchen Betrieben übersteigen die Energiekosten mittlerweile sogar den Gesamtumsatz, daher wird massiv gegengesteuert. Auf EU-Ebene muss das Merit Order-System – die Regelung, wonach das teuerste Kraftwerk den Strompreis bestimmt – reformiert werden, es erweist sich in der aktuellen Krise als gescheitert. Ebenso braucht es seitens der Bundesregierung Anpassungen beim Energiekostenzuschuss“, sagt Will.

„Keinesfalls akzeptabel“

Keinesfalls ist es akzeptabel, dass der Energiekostenzuschuss ganze Branchen – wie den Handel – defacto ausschließt, indem im Wesentlichen eine Anspruchsberechtigung nur dann besteht, wenn man eine Produktion unterhält. Kommt ein Energiekostenzuschuss zur Auszahlung, dann muss dieser auch für die Handelsbetriebe gelten. Bereits jetzt droht 6.000 Geschäften bis Jahresende die Schließung. Das ist nicht hinzunehmen, auch im Sinne der negativen Wirkung auf die Stadt- und Ortskerne Österreichs“, so Rainer Wills Appell an die Bundesregierung.

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