Montag, 28. November 2022
Wunderlich

Nur Fliegen ist schöner?

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 25.09.2022 | Bilder | | 1  Meinung
„Flugscham“ ist aktuell DAS Ding. Ich schiebe ja eher „Flugfrust“, aber das Ergebnis ist dasselbe und was das alles mit unzuverlässigen Taxiunternehmen sowie mit dem Metaversum zu tun hat, erkläre ich Ihnen jetzt.

Es gab eine Zeit, da war Fliegen noch etwas Besonderes, Aufregendes, Tolles. Man fuhr mit dem Taxi zum Flughafen und schon beim Betreten des Flughafengebäudes schnupperte man die Luft der großen, weiten Welt. Zwischen den zahlreichen Reisenden aus aller Herren Länder, sah man viele kleine Grüppchen von perfekt gestylten Stewardessen. In ihren ländertypisch bunten Uniformen wuselten sie lachend und plaudernd in kleinen Grüppchen um einen meist sehr feschen Piloten herum durch die Flughafenhalle. Oft fragte ich mich, wo die wohl hinfliegen würden, und dachte: Was für ein Leben! Von einem wundervollen Ort zum nächsten und bezahlt wird man auch noch dafür.

An den vielen offenen Schaltern wurde man stets mit einem Lächeln empfangen. Es wurde bei jedem Problem geholfen, ob beim Einchecken, der Gepäckabgabe, der Suche nach den Gates. Man hatte das Gefühl: Egal wen man von den Flughafenangestellten etwas fragte: Man bekam eine freundliche, zufriedenstellende Antwort. Fliegen war etwas Tolles! … die Betonung liegt auf „war“. Wann sind Sie das letzte Mal geflogen? Ich vor gar nicht langer Zeit und es war … hmmmmmmm … sehr speziell, würde ich sagen.

Es beginnt beim Taxi, das man Wochen vor dem Abreisetag bestellt hat. Nein, eigentlich beginnt es nicht beim Taxi, denn dieses kommt gar nicht erst zum vereinbarten Zeit- und Treffpunkt. Ja, sie haben richtig gehört. Es gibt in meiner Nähe ein Taxiunternehmen, das jedes dritte Mal (also eigentlich immer, wenn es sich um Abholzeiten vor 6 Uhr früh handelt) NICHT da ist, wenn es da sein sollte. Ruft man den Fahrer dann an, erklärt er, dass er entweder noch am Rückweg – oder gar erst am Hinweg – einer anderen Kundenfahrt ist. Oder, dass er „eh gleich da“ ist, was sich auf Nachfrage als „in 20 bis 30 Minuten“ herausstellt. Auf ein „Entschuldigung“ des Fahrers wartet man vergeblich, der erklärt einem stattdessen, dass man als Fluggast „eh zwei Stunden vor Abflug am Flughafen sein muss“ und sich das „alles locker ausgeht“. Dass ich, wenn es ums Fliegen geht, ein anderes Timing habe, als andere, interessiert ihn ganz wenig bis gar nicht. Ich habe nämlich keine Lust, zwei Stunden vor Abheben der Maschine durch die Sicherheitskontrolle zu gehen, um dann eine Stunde und fünfzig Minuten am Gate sitzen und warten zu müssen. Deshalb läuft das bei mir alles etwas knapper, in etwa so, dass ich 15 Minuten bevor das Boarding beginnt, das Flughafengebäude betrete, und sich dennoch alles entspannt ausgeht. Das funktioniert im Normalfall natürlich nur dann, wenn ich entweder kein großes Gepäck mit dabei oder das Gepäck bereits am Vortag eingecheckt habe, was übrigens auch nicht mehr so abläuft wie früher. Sie erinnern sich? Die freundlichen Damen und Herren an den Schaltern, die zunächst nach Pass und Boardingpass fragten, dann darum baten, das Gepäckstück auf das Förderband zu stellen, um dieses zu wiegen, mit einem langen Patch zu bekleben und auf die weitere Reise zu schicken? Diese freundlichen Damen und Herren an den Schaltern gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es Computer-Terminals, an denen man seinen Boardingpass selbst scannt (was voraussetzt, dass man vorher online eingecheckt hat), um dann das lange Klebepatch ausgedruckt zu bekommen. Dieses befestigt man an seinem Koffer, schleppt diesen zum nächsten (sinnvollerweise an anderer Stelle befindlichen) Förderband, hievt ihn darauf und schickt ihn selbst auf die Reise.

Dafür, dass man fast alles selber machen darf, zahlt man für einen Flug ins benachbarte Deutschland – zumindest bei der Austrian Arlines – saftige 800 Euro. Ich frage mich: Was unterscheidet die AUA – jetzt mal abgesehen vom völlig überteuerten Preis – noch von einer Billigairline, die von vornherein keinen Hehl daraus macht, dass es keinerlei Service gibt? Ich weiß nur was sie ganz sicher NICHT unterscheidet – und zwar das Personal.

Früher wurde man oben in der Luft noch hofiert, bedient, verwöhnt und das alles begleitet von einem netten Lächeln. Erinnern Sie sich an die Zeiten, als man noch ein kleines Menü serviert bekam im Flieger? Auf den mit Folie abgedeckten Alutassen? Etwas später gab es „nur“ mehr Sandwiches, gefolgt von: „Möchten Sie etwas Salziges?“ (Anm.: eine Probepackung Soletti Zoo-Tierchen mit fünf Stück Mini-Knabbergebäck) oder „Möchten Sie etwas Süßes?“ (Anm.: eine Manner-Kostprobenpackung mit 2 Stück (!!!) Schnitten). Das waren noch Zeiten! Heute gibt es (um wohlfeile 800 Euro wohlgemerkt!) nämlich gar nichts! Wobei, nein. Das stimmt so nicht! Weil: Während es für die Gäste in der Business ein „kleines Frühstück“ gibt, heißt es für alle anderen Fluggäste: „Wir freuen uns, unsere Gäste in der Economy auf einen Becher Wasser einladen zu dürfen.“ Tatsache!

Aber zurück zum Personal: Beobachtet man Bewegung, Gestik, Mimik, einfach das gesamte Gehabe und vor allem den Spruch der an Bord arbeitenden Leute, stellt man recht schnell fest, dass nicht mehr nur am Boden, sondern mittlerweile auch hoch in der Luft ein gravierender Fachkräftemangel herrscht. Zumindest in jener AUA-Maschine, von der ich spreche, ging mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein einziger des (geschätzt rund fünfzig-plus-jährigen) Personals durch die jahrelange, einst harte Schule der Stewardessen, sondern sammelte sein „Wissen“ und seine Erfahrung stattdessen in jahrzehntelanger Kellner-Praxis in irgendeiner T’schums’n im 10. Wiener Gemeindebezirk (ist dementsprechend freundlich und motiviert) und wurde erst vor kurzem im Schnellverfahren zum Flugpersonal umgeschult.

Ich weiß ja mittlerweile, dass wirklich an allen Ecken und Enden Personal fehlt. Das ist in jeder Branche so. Aber nur weil die Personaldecke zu dünn ist, muss man die Kundenzufriedenheit doch nicht im gleichen Maße ausdünnen – oder? All das hat mich auf jeden Fall dazu veranlasst, keine Lust mehr aufs Fliegen zu haben und soweit möglich darauf zu verzichten. Ist im Sinne der Umwelt sowieso viel besser.

Alles kommt aus Schweden

Auf den Malediven am Strand liegen, ohne das Wohnzimmer dabei verlassen zu müssen? In ein paar Jahren soll das möglich sein.

Apropos „auf‘s Fliegen verzichten“: Das ist im Moment ja total in, hipp und trendy. Und in diesem Zusammenhang ist die „Flugscham“ jetzt DAS neue Ding. Die „Flugscham“ hat bereits einen Eintrag im Duden und auf Wikipedia, kommt ursprünglich – wie Greta Thunberg – auch aus Schweden und heißt dort „Flygskam“ (der Schwedische Sprachenrat übrigens hat diesen Neologismus bereits 2018 als neues Wort registriert). Es geht darum, aus Klimaschutzgründen aufs Fliegen zu verzichten, sich schlecht zu fühlen, wenn man es dennoch tut, und stattdessen in den Zug zu steigen oder überhaupt zuhause zu bleiben. Anfangs wusste man nicht, ob das Thema nur gehypt wurde oder ob es tatsächlich eine Verhaltensänderung gab. Mittlerweile ist aber klar: Da passiert wirklich etwas. Und zwar etwas, das aus Sicht der Nachrichtenagentur Bloomberg die Flugscham „zu einer wachsenden Bedrohung für Fluglinien in Europa“ macht.

Eine viel größere Bedrohung für die Fluglinien ist da meines Erachtens ja das Metaversum. Sie wissen? Das Metaversum als ein virtueller Raum, der das heutige Internet erweitert und in dem man sich als Avatar (also durch ein digitales Abbild seiner selbst) bewegt und interagiert. Auf jeden Fall glaubt bereits ein Fünftel der Deutschen Bundesbürger (bei den unter 30ig-Jährigen ist es sogar ein Viertel), dass wir bereits im Jahr 2030 im Metaversum reisen werden. Statt klassisch in fremde Länder zu fahren, fliegen oder gehen, sollen wir diese in sieben Jahren also mittels Metaversum besuchen können. Das bedeutet, wir können den Eifelsturm oder den Mount Everest besteigen, ein Museum in New York besuchen, die chinesische Mauer begehen und in die Tiefsee tauchen, ohne unser Wohnzimmer dabei verlassen zu müssen. Wir können Urlaub im Metaversum sogar mit Freunden machen. Deren Avatare liegen dann gemeinsam mit unseren auf dem virtuellen Maledivenstrand und zwar ohne störende Sandkörner zwischen den Zehen und am Popo. Man kann zwar keinen Sundowner mit frischem Ananassaft trinken, geschweige denn, die herrlich frische Meeresluft einatmen und der Entspannungseffekt ist wahrscheinlich auch nicht derselbe, als wäre man leibhaftig dort. Aber hey, dafür kann man die Freundin, die permanent nur quasselt, einfach stumm schalten. Stellen Sie sich DAS Mal vor. Toll – oder?

Und apropos „toll“: Im Metaversum soll es bald auch schon möglich sein, virtuelle Zeitreisen zu machen. Man soll dann in das Leben von früheren Epochen eintauchen können. Das ist dann glaube ich MEIN Ding! Dann lasse ich mich nämlich in eine Zeit zurückbringen, in der der ganze Wahnsinn rundherum noch nicht derart außer Kontrolle geraten ist 😉

Nachtrag

Ich wollte noch etwas über oben erwähntes Taxiunternehmen erzählen. Das, das in jedem dritten Fall nicht kommt. Dieses Taxiunternehmen ist nämlich jedes (zumindest jedes zweite) Mal für eine Überraschung gut. Entweder teilt man sich (ohne vorher darüber informiert zu werden) die Fahrt mit einem anderen (fremden) Fahrgast und macht dann auf der Fahrt zum Ziel auch gleich Mal einen Umweg von bis zu 10 Kilometer. (Es ist lustig mit einem Fremden bei laufendem Motor zwischen (seiner Haus-)Tür und Angel ausdiskutieren zu müssen, wer wieviel zahlt.) Oder man holt die Freundin des Fahrers am Weg ab (sie hatte Dienstschluss und ihr Arbeitsort lag am Weg, so die Erklärung). Oder man sitzt eingeklemmt zwischen unzähligen Salamiwürsten, Knoblauchzöpfen und Strohkörben, da der Fahrer zuvor hinter der ungarischen Grenze einkaufen war und noch keine Zeit hatte das Auto auszuräumen. Oder das „Taxi“ mit dem man abgeholt wird ist derart schrottreif, dass man als lebensfroher Mensch drei Mal überlegt, ob man wirklich einsteigen soll. All das habe ich tatsächlich erlebt. Dafür ist dieses Unternehmen preislich unschlagbar wenn es um Fahrten zum Flughafen geht. Und außerdem wird einem auch nicht langweilig, weil kein einziger der Fahrer (von denen übrigens keiner älter als 25 Jahre ist) auch nur einen Hauch von Kenntnis des österreichischen Straßennetzes aufweist, sodass man einen Großteil der Strecke konzentriert verfolgen und ansagen muss, wenn man nicht drei Mal mit der Kirche ums Kreuz fahren will – Google Maps weiß nämlich nicht immer den optimalsten Weg.

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