Montag, 28. November 2022
Multimedia-Kommentar E&W 10/2022

Eine Hand wäscht die andere

Wolfgang Schalko | 09.10.2022 | Bilder | |  Meinung
Die allgemeine Wiedersehensfreude auf den Elektrofachhandelstagen war sichtlich groß, das thematische Spektrum für angeragte Unterhaltungen nach dem pandemiebedingten Intermezzo ebenso. Ein besonders brisantes Thema machte schon im Vorfeld der Messe gerüchteweise die Runde, wurde dann in Linz hochoffiziell geklärt und sollte genau daher nun erst recht für Gesprächsstoff sorgen: Panasonics Verwerfungen mit Media Markt.

Was war bzw. ist passiert? Die Antwort auf diese Frage lieferten DACH-Chef Philipp Maurer und Österreich-VL Georg Kink ebenso kurz wie klar: Mit 1. Oktober hat das Unternehmen die Zusammenarbeit mit MediaMarkt Österreich auf Eis gelegt. Begründung: „Wir haben ein klares Konzept und das ziehen wir durch. Wir machen nicht alles mit. Wir sind Panasonic und wir verbiegen uns nicht. Wem das nicht passt, dem passt es halt nicht.“ Bemerkenswerter Nachsatz: „Panasonic wird für den Fachhandel noch interessanter werden. Der Fachhandel weiß, was er an uns hat. Wir sind da relativ entspannt.“ Ein Blick auf die Marktzahlen untermauert, warum Panasonic hier tatsächlich relativ entspannt bleiben kann: Im Jahr 2021 hatte Panasonic wertmäßig 8,2% Anteil am gesamten TV-Markt in Österreich. In der Großfläche lag dieser Wert bei lediglich 4,8%, im Fachhandel hingegen bei stolzen 20,7%.

Noch ist es ein „Einzelschicksal”, mit dem sich Panasonic hier konfrontiert sieht, aber wie sich in zahlreichen Gesprächen auf und nach den EFHT zeigte, glauben nur die Wenigsten daran, dass dies dauerhaft so bleiben wird. Vor allem der (zu) hohe Umsatzdruck und mangelnde Courage würden momentan andere Unternehmen davon abhalten, dem Beispiel Panasonics zu folgen, wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Unsere Leser auf elektro.at zollten diesem Schritt jedenfalls überwiegend großen Respekt – und richteten sich mitunter sogar direkt an die anderen Hersteller: „Ich würde Panasonic wünschen, dass das in Österreich erfolgreich ist, dann Pana in weiteren Ländern nachlegt, andere Marken auch auf die Idee kommen und es damit mehr und mehr A Marken gibt , die auf die Medianer pfeifen”, lautete eine sehr markante Aussage. Ob das Einfrieren der Geschäftsbeziehungen womöglich nicht ganz so freiwillig von statten gegangen sein könnte wie von Panasonic skizziert, wurde ebenfalls in den Raum gestellt – allerdings tut das meines Erachtens nur wenig bis gar nichts zur Sache. Denn Fakt ist, dass hier ein in dieser Form ziemlich einmaliges Exempel statuiert wurde.

Völlig zurecht machten daher gleich nach Bekanntwerden dieses Schritts auch Solidaritätsbekundungen – u.a. seitens der Kooperationen – die Runde. Mehr denn je gelte es jetzt, Panasonic – als eine seit jeher sehr fachhandelsaffine und berechenbar agierende Marke – zu unterstützen. Ich denke, nach den gesamtgesellschaftlich äußerst schwierigen Zeiten seit Ausbruch der Covid-Pandemie, wo gerade ein sukzessive sinkendes Maß an Solidarität und Zusammenhalt feststellbar war, ist dies genau das richtige Signal zur richtigen Zeit. Von beiden Seiten.

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