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Freitag, 23. Februar 2024
Produzieren für die Mülltonne

Greenpeace warnt vor Wegwerf-Wahnsinn

Hintergrund | Julia Jamy | 19.10.2022 | |  
(© Pixabay) Die Umweltorganisation Greenpeace hat zehn große Handelsunternehmen in Österreich zu ihrem Umgang mit unverkaufter Ware befragt, darunter H&M, Amazon und Mediamarkt. Dabei zeigt sich, dass auch noch im Jahr 2022 die systematische Zerstörung von Neuwaren nach wie vor üblich ist. Die Umweltschutzorganisation fordert daher von Unternehmen das Ende der Zerstörung neuer Waren und Transparenz darüber, was mit überschüssiger Ware passiert sowie neue Geschäftsmodelle, die den Wegwerfkonsum beenden.

Mit dem Start der jährlichen Shopping-Hochsaison hat Greenpeace zehn große Handelsunternehmen in Österreich zu ihrem Umgang mit unverkaufter Ware befragt. „Jährlich werden Massen an neuwertiger Kleidung und Elektronik von Konzernen zerstört. Dieser Wegwerf-Wahnsinn, der unserer Umwelt massiv schadet, muss gestoppt werden. Doch viele Konzerne versuchen bislang nur zu beschwichtigen, statt tatsächlich zu handeln. Die Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen, transparent sein und die Verschwendung stoppen”, fordert Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace.

Von den zehn angefragten Unternehmen übermittelte laut Greenpeace nur C&A einige Zahlen. So gab das Unternehmen an, dass 2021 rund 160.000 überschüssige Kleidungsstücke an Großhändler verkauft und 560.000 Stücke von Kunden an C&A retourniert wurden – genaue Zahlen, wie viel davon entsorgt und wie viele erneut verkauft werden, wurden jedoch nicht genannt. Mediamarkt verweist auf Reparaturservice-Angebote und unterstützt nach eigenen Angaben Gesetzesinitiativen, die die Vernichtung von Waren verbieten. H&M, Peek und Cloppenburg, Amazon und Hartlauer beantworteten die Anfrage mit allgemeinen Phrasen zu Nachhaltigkeitsinitiativen. Von den Unternehmen Kleiderbauer, Zara, Zalando und Conrad erhielt Greenpeace keine Antwort.

Für die Mülltonne produziert

„Wir wissen aus aktuellen Recherchen, dass die Zerstörung von Neuwaren auch im Jahr 2022 nach wie vor üblich ist – ob direkt in Europa oder über Umwege im Globalen Süden”, so Panhuber. „Dass Firmen inmitten der Energie- und Klimakrise weiterhin für die Mülltonne produzieren, ist ein Skandal”. Experten schätzen, dass in Industriestaaten bis zu 30 Prozent der produzierten Kleidung nicht verkauft wird. Während der Pandemie seien die Modehändler in Österreich auf 50 Millionen Kleidungsstücken sitzen geblieben. „Unser Überfluss basiert auf der Ausbeutung des Planeten und von Millionen Menschen im Globalen Süden. Wir brauchen jetzt das angekündigte Lieferkettengesetz, das endlich Umwelt- und Sozialstandards in der ganzen Lieferkette gesetzlich vorschreibt. Konzerne müssen ihr Geschäftsmodell ändern und statt Wegwerfware mehr Second Hand-, Miet-und Reparaturservices anbieten”, fordert Panhuber.

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