Montag, 30. Januar 2023
Um 3,4 % gesunken

Nationalbank: Geldvermögen der Haushalte gesunken

Hintergrund | Julia Jamy | 21.10.2022 | |  
Das Geldvermögen privater Haushalte ist vor dem Hintergrund des anhaltend herausfordernden Wirtschaftsumfelds erstmals seit der Finanzkrise 2008 gesunken. Das Geldvermögen privater Haushalte ist vor dem Hintergrund des anhaltend herausfordernden Wirtschaftsumfelds erstmals seit der Finanzkrise 2008 gesunken. Wie die Nationalbank (OeNB) mitteilte, ist das Geldvermögen privater Haushalte vor dem Hintergrund des anhaltend herausfordernden Wirtschaftsumfelds erstmals seit der Finanzkrise 2008 gesunken. „Die Erholung der globalen Wirtschaft nach der Pandemie wurde abrupt durch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine unterbrochen“, sagte Vizegouverneur Gottfried Haber.

„Hohe Energiepreise, die die Inflation befeuern, und das Auslaufen der Pandemieeffekte führen dazu, dass nun mit einer weitaus geringeren Sparquote gerechnet werden muss als noch in den letzten zwei Jahren“, erläuterte Haber. Österreichs Haushalte veranlagten demnach 2021 mit 24,2 Mrd EUR etwas weniger als im Vorjahr (28,3 Mrd EUR). Im ersten Halbjahr 2022 erreichten die Finanzinvestitionen mit 7,2 Mrd EUR etwa das Niveau des Vergleichszeitraums 2019. Das Geldvermögen des heimischen Haushaltssektors lag Ende des ersten Halbjahres 2022 mit 799 Mrd EUR um 3,4 % unter jenem am Jahresende 2021.

„Dieser erstmals seit der Finanzkrise 2008 verzeichnete Rückgang ist insbesondere auf Kursverluste aus Aktien und Investmentzertifikaten zurückzuführen“, erklärte Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik in der OeNB. Seit Pandemiebeginn war diese Anlageform deutlich stärker gefragt als zuvor. Zwischen 2020 und dem ersten Halbjahr 2022 flossen knapp 40 % der Finanzinvestitionen des Haushaltssektors in Aktien und Investmentzertifikate (2015–2019: 25 %), wobei diese zunächst auch hohe Kursgewinne einbrachten (2020–2021: 16 Mrd EUR).

Seit Pandemiebeginn habe sich auch die Struktur der Finanzinvestitionen deutlich verändert: Seit 2020 fließt laut Berechnungen der Nationalbank nur noch jeder zweite Euro in Einlagen (51 %), zwischen 2015 und 2019 waren es 3 von 4 Euro (73 %). Österreichische Haushalte würden weiterhin täglich fällige Einlagen bevorzugen zulasten gebundener Einlagen. Dies wirke sich auch auf die langfristige Zusammensetzung des Geldvermögens aus, das derzeit von täglich fälligen Einlagen mit einem Anteil von 27 % dominiert wird. Vor der Finanzkrise entfielen nur 10 % auf diese Anlageform. Gegenläufig zeigte sich im selben Zeitraum die Nachfrage nach gebundenen Einlagen: Sie verloren massiv an Gewicht und stehen derzeit für 11 % des Vermögens (28 % vor der Finanzkrise).

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