Montag, 28. November 2022
Handel am pessimistischsten

Creditreform: Stimmung bei den KMU verschlechtert sich

Hintergrund | Julia Jamy | 18.11.2022 | |  
Inflation, steigende Zinsen und der Ukraine-Krieg drücken auf die Stimmung bei den KMU. Inflation, steigende Zinsen und der Ukraine-Krieg drücken auf die Stimmung bei den KMU. (© Creditreform) Creditreform hat im Herbst 2022 an die 1.400 österreichische Klein- und Mittelunternehmen (KMU) nach der aktuellen Wirtschaftslage und den Ausblicken für die nächsten sechs Monate befragt. Die österreichischen KMU beurteilten in den letzten sechs Monaten ihre Geschäftslage aufgrund des Postcorona-Aufschwungs noch positiv. Die Geschäftserwartungen seien aber bei weitem pessimistischer als noch im Herbst 2021 oder im Frühling 2022.

Der Verlauf des Klimabarometers zeigt einen massiven Abschwung vor allem bei den Erwartungen. Inflation, steigende Zinsen und die Unsicherheiten, die der Ukraine-Krieg noch mit sich bringen kann, drücken auf die Stimmung der Unternehmen. Die Zeichen stehen auf den Beginn einer Rezession mit stark steigenden Insolvenzzahlen. Das zeigt die Befragung von Creditreform.

Handel am pessimistischsten

In drei von vier Hauptwirtschaftsbereichen (Verarbeitendes Gewerbe/Industrie, Bau und Dienstleistungen) ist der Index noch leicht positiv. Im Handel hat sich der Erwartungsindex aber bereits in den negativen Bereich (-5,5 Indexpunkte) gedreht. Überall zeigt sich ein Abwärtstrend, sodass der Erwartungsindex mit 1,2 Punkten nur mehr knapp positiv ist.

Auftragserwartungen sinken

Die Auftragslage der mittelständischen Unternehmen habe sich nach der starken Erholung im Zuge der V-förmigen Konjunkturentwicklung 2020/2021 wieder stark in den negativen Bereich gedreht. „Die Auftragsbücher sind aktuell bei manchen Unternehmen noch gut gefüllt, aber die Erwartungen fürs nächste Jahr sind düster. Der Saldo aus steigenden und sinkenden Auftragserwartungen notiert mit minus 29,0 Punkten erstmals seit zwei Jahren wieder im negativen Bereich und erreicht das Niveau des Corona-Höhepunkts. Die mittelständischen Unternehmen erwarten aber angesichts der zahlreichen Konjunkturunsicherheiten in den nächsten Monaten keine Belebung ihrer Auftragsentwicklung“, heißt es.

Alle Wirtschaftssektoren sind pessimistisch beim Blick auf die nächsten Monate. „Von einem rückläufigen Auftragsgeschehen gehen beispielsweise im Baugewerbe 43,1 Prozent der Befragten aus, im Handel sind es sogar 44,5 Prozent, die eine Verschlechterung erwarten“, so Creditreform. „In beiden Fällen hat sich der Anteil der Pessimisten damit deutlich erhöht. Gleichzeitig rechnen nur wenige Unternehmen mit steigenden Aufträgen. „Auch das Verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungssektor äußerten sich mehrheitlich pessimistisch zur Auftragslage in den nächsten Monaten. So stieg hier der Anteil der Unternehmen, die Auftragseinbußen befürchten, binnen Jahresfrist von 14,3 auf 37,4 Prozent (Dienstleistungsgewerbe) bzw. von 21,3 auf 37,6 Prozent (Verarbeitendes Gewerbe)“, heißt es weiter.

Ertragslage angespannt

Die Auf-und-Ab-Bewegung erfolgt auch bei den Erträgen der Unternehmen. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte sich die Ertragslage im Mittelstand in den nächsten Monaten weiter verschlechtern“, weiß Weinhofer. „Darauf deuten jedenfalls die Ertragserwartungen der Unternehmen hin. Negativ dürften sich die steigenden Kostenbelastungen bei der Energie auswirken sowie auch eine abnehmende Konsumnachfrage.

So rechnen auch nur 18,5 Prozent der Befragten mit Gewinnsteigerungen. Im Vorjahr zeigten sich noch 36,1 Prozent der befragten Unternehmen optimistisch. Ertragsrückgänge erwarten 41,3 Prozent der Befragten (Vorjahr: 14,6 Prozent). Pessimistisch seien die Ertragswartungen vor allem im Handel. 51,6% der Unternehmen rechnen hier mit sinkenden Erträgen. Im Vorjahr äußerten sich nur 16,8% der Händler so pessimistisch.

Weitere Explosion der Preise

Der Mittelstand dürfte die Angebotspreise auf breiter Front erhöhen. Überdurchschnittlich häufig wurden Preissteigerungen von den Unternehmen aus dem Dienstleistungsgewerbe angekündigt (63,9%), gefolgt vom Handel (59,4%). Gleichzeitig hat fast jedes zehnte Handelsunternehmen (9,4%) Preissenkungen geplant, um die Kunden nicht vollends zu verprellen. Angesichts der steigenden Kosten verdeutlicht das die schwierige Situation der Branche.

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