Montag, 28. November 2022
Arbeitgeber vermissen „konstruktiven Stil“ – Gewerkschaft bereitet Warnstreiks vor

KV-Verhandlungen abgebrochen

Hintergrund | Dominik Schebach | 23.11.2022 | |  
„Wir haben versucht, Brücken zu bauen und wären bereit gewesen, noch an einigen Stellschrauben zu drehen. Doch in einer funktionierenden Sozialpartnerschaft braucht es zwei, die sich bewegen“, erklärte Handelsobmann Rainer Trefelik, nach der vierten Runde der KV-Verhandlungen im Handel. „Wir haben versucht, Brücken zu bauen und wären bereit gewesen, noch an einigen Stellschrauben zu drehen. Doch in einer funktionierenden Sozialpartnerschaft braucht es zwei, die sich bewegen“, erklärte Handelsobmann Rainer Trefelik, nach der vierten Runde der KV-Verhandlungen im Handel. Die letzte Runde der KV-Verhandlungen für die Angestellten im Handel ist ergebnislos zu Ende gegangen. Während die Arbeitgeberseite einen „konstruktiven Stil“ bei der Gewerkschaft vermisst, werfen die Arbeitnehmer-Vertreter der Gegenseite eine „Geringschätzung“ der Angestellten vor und drohen mit Betriebsversammlungen sowie Warnstreiks im Handel.

Elf Stunden wurde am Dienstag, den 22. November, verhandelt. Schlussendlich wurden die Verhandlungen allerdings ergebnislos abgebrochen. Zu weit lagen die Positionen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auseinander. Während die Arbeitnehmer auf ein Plus von 10% bestanden, boten die Vertreter des Handels 5% sowie eine einmalige Prämie. „Wir haben versucht, Brücken zu bauen und wären bereit gewesen, noch an einigen Stellschrauben zu drehen. Doch in einer funktionierenden Sozialpartnerschaft braucht es zwei, die sich bewegen“, erklärte Handelsobmann Rainer Trefelik, nach der vierten Runde der KV-Verhandlungen im Handel.

Trefelik wirft den Gewerkschaftsvertretern in diesem Zusammenhang unverständliche eine Blockadehaltung vor. Immerhin hätten die Arbeitgeber ihr Angebot zuletzt mehrmals nachgebessert, wie der Obmann der Bundessparte Handel betonte: „Wir sind bereit, das Einstiegsgehalt von derzeit 1800 Euro brutto auf 1930 Euro anzuheben und das Lehrlingseinkommen im ersten Lehrjahr auf 800 Euro plus 200 Euro abgabenfreie Prämie zu erhöhen. Unterm Strich haben wir eine Steigerung der Gehälter um 8% geboten. Dieses Paket beinhaltet eine Erhöhung der KV-Tafel um 5% sowie eine Prämienzahlung von 3%, die auf die außergewöhnliche Situation derzeit Rücksicht nimmt und die vor allem für die Mitarbeiter einen immensen Netto-Vorteil bringt.“

Damit liegt das Paket nicht nur deutlich über der rollierenden Inflationsrate von 6,9%, sondern entspreche mit dem erhöhten Einstiegsgehalt von 1930 Euro sogar einer Bruttogehaltserhöhung von 13,58%. Außerdem hätten sich laut Trefelik zahlreiche Unternehmen bereit erklärt, die vorgeschlagene Prämie noch heuer auszuzahlen. Dies hätte – so Trefelik – hätte für mehr als 165.000 Mitarbeiter im Handel eine Sofortprämie noch vor Weihnachten von durchschnittlich rund 1000 Euro brutto für netto gebracht. Er verstehe daher nicht, warum die Arbeitnehmer-Verhandler bei diesem Modell „nicht zugreifen oder zumindest ernsthaft verhandeln, wie es einem guten, sozialpartnerschaftlichen Stil entspricht, sondern offenbar lieber die Eskalation suchen und Streiks vorbereiten“, so Trefelik.

Warnstreiks vorbereiten

Naturgemäß sehen das die Vertreter der Arbeitnehmer vollkommen anders. Sie bestehen auf einer dauerhaften Lohnerhöhung statt einer einmaligen Prämie. „Diese starre Haltung ist für unverständlich und stellt eine enorme Geringschätzung der Leistungen der Beschäftigten im Handel dar“, so die Chefverhandlerin der Gewerkschaft GPA Helga Fichtinger. „Wir sind sehr enttäuscht, dass es von Seiten der Arbeitgeber auch heute praktisch keine Bewegung in unsere Richtung gegeben hat, obwohl wir konkrete Gestaltungsoptionen mit unterschiedlichen Auswirkungen angeboten haben. Die aktuelle Forderung bewirkt eine Erhöhung der niedrigeren Gehälter im zweistelligen Bereich. Nämlich eine Erhöhung der Gehälter um 8,5 % mit einem Mindestbetrag von 200 Euro.“

An der Einberufung von Betriebsversammlungen führe nun kein Weg vorbei. Dort wolle man die Angestellten über den Stand der Verhandlungen informieren und die Beschlüsse für Warnstreiks einholen. „Die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen ist sehr aufgeheizt und es wird erwartet, dass wir nun weitere Maßnahmen ergreifen. Nachdem sie in der Pandemie als Heldinnen gefeiert wurden, sollen sie jetzt mit einer Gehaltserhöhung unter der Inflationsrate abgespeist werden “, so der Vorsitzende des GPA Wirtschaftsbereichs Handel, Martin Müllauer.

Gibt es  aus Sicht der Gewerkschaft weiterhin kein „faires Angebot“ seitens der Arbeitgeber, so finden laut Gewerkschaft am 2. und 3. Dezember in ganz Österreich erste Warnstreiks im Handel statt.

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