Samstag, 28. Januar 2023
Ein zynisches Ausnützen der Krise

Weihnachtsputz im Silicon-Valley

Über den Rand | Dominik Schebach | 27.11.2022 | Bilder | |  Meinung
Dem Weihnachtsputz im Silicon Valley fallen derzeit viele Nischenprojekte zum Opfer - auf der Kippe stehen auch ALEXA von Amazon. Dem Weihnachtsputz im Silicon Valley fallen derzeit viele Nischenprojekte zum Opfer - auf der Kippe stehen auch ALEXA von Amazon. Seit Wochen trommelt es in den Medien: Die großen Internet-Konzerne bauen Mitarbeiter ab. Amazon allein will weltweit rund 10.000 Mitarbeiter kündigen. Wer jetzt frohlockend auf das Ende der Online-Ökonomie hofft, sollte sich allerdings auf eine Enttäuschung gefasst machen. Die großen Internet-Konzerne sind eher beim Aussortieren erfolgloser Projekte, denn in einer wirklichen Schieflage.

Die Kündigungswelle bei Twitter, ausgelöst durch Neo-Chef Ellon Musk, ist gefundenes Fressen für die Medien. Etwas leiser geht der Stellenabbau bei Microsoft, Meta und Google von statten.  Allerdings sollte man da die Perspektive nicht verlieren. Wenn Amazon 10.000 Mitarbeiter kündigt, dann klingt das nach viel. Bei 1,6 Millionen Mitarbeitern weltweit relativiert sich die Zahl allerdings wieder.

Nach Jahren ungebremsten Wachstums stutzen die Konzerne ihren Mitarbeiterstand zurück. Zynisch könnte man sagen: Die Unternehmen nutzen die allgemeine Krisenstimmung, um bisher aufgeschobene Korrekturen medial schonend umzusetzen. Denn selbst bei stagnierender Online-Werbumsätzen beherrschen Konzerne wie Google, Meta/Facebook und Amazon noch immer den Großteil des internationalen Marktes. Dementsprechend sehen sich diese Konzerne keinen Verlusten gegenüber, ihre Gewinne wachsen nur langsamer als in Zeiten der Pandemie.

Die Reaktion ist ein Aussortieren von Nischenprojekten, welche nie den Durchbruch geschafft haben bzw. sich nicht monetarisieren lassen. Bestes Beispiel ist ALEXA bzw. die dazugehörigen „intelligenten“ Lautsprecher von Amazon. Der intelligente Sprachassistent verzeichnet zwar täglich unzählige Sprachbefehle, und hat eine ganze Geräte-Sparte definiert. Gleichzeitig lässt sich die Präsenz in den Wohnzimmern der User nicht in harte Dollar umsetzen. Die Kunden kaufen nicht per Sprachbefehl ein, sie wollen die Produkte zumindest am PC sehen. Die Sprachbefehle werden stattdessen für die Haussteuerung oder Abfragen zum Wetter verwendet. Damit verschlingt die Server-Infrastruktur im Hintergrund Milliarden an Dollar. Die Folge ist, dass die ALEXA-Sparte bei der Restrukturierung des Konzerns wohl kräftig Federn lassen wird.

Die Technologie von ALEXA wird in anderen Produkten weiterleben. Aber das Geschäftsmodell rund um die smarten Speaker steht auf der Kippe. Anders betrachtet: Amazon trimmt sich ein wenig, um die freiwerdenden Kapazitäten woanders gewinnbringend einzusetzen. Genauso läuft es bei den anderen Konzernen. Die jetzige Kündigungswelle im Silicon Valley ist damit eher ein großer Weihnachtsputz, der Platz für etwas Neues machen soll. Gleichzeitig ergibt sich damit die Möglichkeit einer Korrektur, bei den Gehältern oder der Zusammensetzung der Work-Force.

Wir können davon ausgehen, dass diese Konzerne in den kommenden Jahren wieder auf die große Einkaufstour gehen und vielversprechende Start-ups sowie deren Technologien im Akkord aufzusaugen, um dann mit neuen Talenten auch neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Denn diese Internet-Konzerne definieren sich dadurch, dass sie sich immer größere Anteile an der Online-Economy einverleiben und potenzielle Konkurrenten frühzeitig aufkaufen. Und derzeit sieht es nicht danach aus, als ob sie in naher Zukunft von diesem Kurs abgehen werden.

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Dem Weihnachtsputz im Silicon Valley fallen derzeit viele Nischenprojekte zum Opfer - auf der Kippe stehen auch ALEXA von Amazon.
Dem Weihnachtsputz im Silicon Valley fallen derzeit viele Nischenprojekte zum Opfer - auf der Kippe stehen auch ALEXA von Amazon.
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