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Samstag, 15. Juni 2024
Aus dem Gremium (Teil 13): Frischer Wind in Kärnten

„Den Fachhandel wieder sexy machen”

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 01.12.2022 | |  Wissen
Den EFH wieder sexy zu machen für Mitarbeiter, die Nachfolge zu sichern und die Fachhändler ins nächste (digitale) Zeitalter zu führen, lauten die drei thematischen Schwerpunkte von Obmann Walter Sabitzer, der die Kärntner Gremialarbeit zur Benchmark in Österreich machen will. Den EFH wieder sexy zu machen für Mitarbeiter, die Nachfolge zu sichern und die Fachhändler ins nächste (digitale) Zeitalter zu führen, lauten die drei thematischen Schwerpunkte von Obmann Walter Sabitzer, der die Kärntner Gremialarbeit zur Benchmark in Österreich machen will. In Kärnten vertritt das Landesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels rund 620 aktive Mitglieder, die zu annähernd gleichen Teilen den beiden Bereichen angehören. Das seit dieser Periode neu zusammengesetzte Team der Interessenvertretung hat sich jedenfalls viel vorgenommen und will mit seiner Arbeit neue Maßstäbe setzen.

Der Begriff „Generationswechsel” trifft in Österreichs südlichstem Bundesland nicht nur auf die Unternehmer im Elektro- und Einrichtungsfachhandel zu, sondern auch auf deren Interessenvertreung: An der Spitze des Landesgremiums stehen der Elektrofachhändler Walter Sabitzer und sein Stellvertreter Einrichtungsexperte Christian Huainigg. Unterstützung bekommt das Duo von GF Philipp Schasché. Die drei verbindet ihr Tatendrang, ihre Dynamik und der gemeinsame Anspruch, als Interessenvertreter „die Benchmark in Österreich” zu sein. Was natürlich entsprechendes Engagement – nach innen ebenso wie nach außen – erfordert, wie Obmann Walter Sabitzer zu berichten weiß.

Walter Sabitzer: Die Kunst besteht darin, die Interessen des Elektro- und des Einrichtungsfachhandels unter einen Hut zu bekommen. Aus diesem Grund haben wir mit Christian Huainigg noch einen starken Stellvertreter im Team – auch wenn mein persönlicher Wunsch wäre, dass es irgendwann wieder ein eigenständiges Gremium für den EFH gibt, weil man dadurch die Interessen der Elektrofachhändler einfach viel besser vertreten kann. Doch das ist eine Kosten-Nutzen-Frage und die Anzahl der Mitglieder ist leider nicht unbedingt steigend. Wir befinden uns insgesamt in einer schwierigen Phase, alleine wenn man das Personalthema hernimmt: Es gibt bereits Industrie 4.0 und wer weiß, ob wir nicht einmal den Handel 4.0 umsetzen müssen, weil uns die Fachkräfte ausgehen. Wir sind da gerade mitten drin in der Evolution – ohne wirkliche Vorbereitungszeit, und das ist das Spannende daran.

Welche Besonderheiten bzw. speziellen Herausforderungen gibt es in Kärnten?

Sabitzer: Das zuvor angesprochene Personalthema betrifft praktische den gesamten Elektrofachhandel, daher lautet ein wichtiges Ziel unserer Arbeit, den EFH wieder sexy zu machen. Wir sind eine technikaffine Branche, in der es immer Neuentwicklungen gibt und die stets am Puls der Zeit ist – die muss einfach ihre Qualitäten gegenüber dem Arbeitnehmer ausspielen. Man kann hier selbstverständlich über Arbeitszeit- und Entlohnmodelle sprechen, aber im Großen und Ganzen bedarf es sicher einer großen gemeinsamen Anstrengung.
Ein zweiter wichtiger Punkt betrifft das Thema Nachfolge: Wir wollen die Nachfolgebörse der WK Kärnten näher an unsere Mitglieder bringen, denn viele Fachhändler gehen ja in den nächsten Jahren in Pension und wir müssen versuchen, das irgendwie aufzufangen – etwa indem man schaut, Mitarbeiter zu motivieren und diesen wirtschaftliches Know-how mitzugeben, damit diese in der Lage sind selbst einen Betrieb zu führen. Das Wichtigste aber ist – jedoch eine Sache der Politik –, dass man diesen Jungunternehmern Perspektiven gibt.
Und der dritte wesentliche Punkt ist natürlich die Digitalisierung. Diesbezüglich haben wir in Kärnten in der Sparte Handel ein tolles Projekt, die sog. Onlinehelden, wo wir jedem Händler wirklich das passende Rüstzeug mitgeben.

Gibt es zu den genannten Punkten auch konkrete Maßnahmen?

Sabitzer: Wenn man die Seite www.wko-onlinehelden.at aufruft, sieht man dort ein konkretes Rüstzeug, wie es online funktioniert. D.h. wir haben bewusst darauf gesetzt, dass sich jeder Händler in dem Bereich informieren kann, wo er stark sein möchte – mit einer entsprechenden Sammlung von Tipps, Professionisten als Ansprechpartner sowie ergänzenden Schulungen, Workshops, etc. Heuer hat auch der erste „WKO Onlinehelden Tag” stattgefunden. Um den Fachhandel wieder sexy werden zu lassen, launchen wir jetzt im Herbst eine große Kampagne in Kärnten, die das Landesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels präsentieren und ins Rampenlicht rücken soll. Bei der Unternehmensnachfolge arbeiten wir an konkreten Ideen, wie wir die Nachfolgebörse, die es ja von der Wirtschaftskammer schon gibt, so adaptieren und in unserem Gremium implementieren können, damit wir z.B. den Verkäufer, der sich in die Selbständigkeit wagen will, bestmöglich unterstützen.

Gerade mit der Personalproblematik kämpfen derzeit ja viele Betriebe…

Philipp Schasché leitet als Geschäftsführer die Geschäftsstelle des Landesgremiums Kärnten.

Sabitzer: Dieses Thema zieht sich quer durch alle Branchen und ich warte auf die Arbeitsmarktreform von Minister Kocher, die im März angekündigt wurde. Es kann nämlich nicht sein, dass sich jemand von seinem Arbeitsplatz verabschiedet, in die soziale Händematte begibt und Unternehmen daran leiden bzw. sogar zugrunde gehen, dass sie kein Personal mehr haben. Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit aufrecht erhalten und eigentlich müsste es auch jedem Mitarbeiter einleuchten, dass mit weniger Leistung nicht mehr Ertrag möglich ist. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und ich verwende das Wort hier gerne noch einmal: Auch Leistung muss wieder sexy werden, d.h. diese muss sich lohnen und der Mitarbeiter muss wieder mehr verdienen. Ich würde mir wünschen, dass man sich auch wieder über eine gewisse Leistung identifiziert und dass Leistung in der Gesellschaft wieder entsprechendes Ansehen genießt. Neben dem vonstatten gehenden Generationenwandel hat hier die Corona-Krise leider das ihrige zur Misere beigetragen: Der Staat hat‘s gut gemeint und alle massiv unterstützt, aber irgendwann muss der Zeitpunkt kommen, wo man die Unterstützungen stoppt und es wieder um die Leistung geht.

Welche Schritte setzt man speziell für den lokalen Elektrohandel?

Sabitzer: Wir werden wie zuvor erwähnt eine groß angelegte Imagekampagne starten, um den Konsumenten zu sensibilisieren, dass es jemanden vor Ort gibt, der ihm seine Sorgen abnimmt – und das ist der Kärntner Elektrofachhändler. Bei diesem kann man bestellen, der liefert, der montiert, der macht alles, d.h. der bietet das „Susi-Sorglos-Paket”, und das ist auch der große Vorteil gegenüber diversen Onlinegiganten. Und man darf eines nicht vergessen: Der Kärntner Elektrofachhändler vor Ort zahlt auch die Steuern in Österreich und sorgt damit für eine soziale Infrastruktur. Diese Themen gehören unterstrichen und dem Konsumenten vermittelt – das wollen wir in Angriff nehmen und aus dem Kärntner Elektrofachhandel wieder eine Marke machen.

Wie funktioniert der Informationsfluss zu den Mitgliedern?

Sabitzer: Unsere Hauptmedien sind der Newsletter und die Landing Page auf der WKO-Seite. Im zweiten Teil der Legislatur wollen wir auch den persönlichen Austausch wieder forcieren – ich bin mit den Kärntner Fachhändlern zwar grundsätzlich sehr gut vernetzt, aber möchte trotzdem mit Start 2023 jeden aktiven Elektrofachhändler im Land besuchen. Ich versuche als Obmann frischen Wind in dieses Gremium zu bringen und bin permanent bemüht, Mitstreiter zu gewinnen und junge Elektro- und Einrichtungsfachhändler für diese Tätigkeit zu begeistern.

Was kann das Gremium für den einzelnen Händler machen?

Sabitzer: Wir sind eine Anlaufstation für sämtliche Serviceleistungen – wenn das Mitglied Informationen braucht, verfügt die WKÖ über einen riesigen Fundus an Wissen und ein Netz von Experten in allen Bereichen. Aber es liegt an jedem Händler selbst, das zu nutzen – ich kann nur jedes Mitglied dazu einladen. 

Erster Onlinehelden-Tag

Heuer fand der erste ONLINEHELDEN TAG statt.

Das diesjährige Highlight der Onlinehelden war der ONLINEHELDEN TAG 2022. Die Premiere der E-Commerce-Konferenz bot mit Top-Speakern und Expertenberatungen viel Input für die Kärntner Betriebe zu verschiedenen Aspekten der Online-Vertriebskanäle. „Es gab einerseits Erfolgsstorys und andererseits Vorträge zu Themen Logistik, interne Abwicklung, Versicherung, Cyberschutz, etc. Beim Projekt der Onlinehelden geht es nicht nur um Webshops, sondern um das große Ganze”, erklärt Philipp Schaschè. „Während manche Händler das Online-Thema sehr umfassend aufsetzen, reicht es anderen bereits, im Internet gefunden zu werden. Der Onlinehelden-Tag wie auch unser ganzjähriges Service (Webniare, Webshop- und Website-Checks uvm.) bieten da einen riesi­gen Fundus und jeder kann sich genau das herauspicken, was er benötigt.”

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