Montag, 30. Januar 2023
Handelsverband Neujahrs-Pressekonferenz

Kostenlawine, Reformstau und Planungsunsicherheit

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 19.01.2023 | |  
Wie der Handelsverband in seiner Neujahrspressekonferenz berichtet, ist der Jahresumsatz 2022 im österreichischen Handel real um -1% gesunken. 35% der Betriebe haben das Gesamtjahr 2022 mit einem Verlust abgeschlossen, 45% der heimischen Händler klagen zudem über einen gravierenden Personalmangel. Der Liste der aktuellen Herausforderungen lässt sich noch lange fortsetzen, die Branche bleibe dennoch zuversichtlich für 2023.

Laut KMU Forschung Austria ist die heimische Handelsbranche (Einzelhandel, Großhandel, Kfz) mit mehr als 77.600 Unternehmen und 598.600 unselbstständig Beschäftigten für die österreichische Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Gemeinsam wird einen Umsatz von 266 Milliarden Euro erwirtschaftet. „Die letzten drei Jahre waren jedoch für alle Betriebe eine massive Herausforderung“, sagt Handelsverband GF Rainer Will. „Nach den Pandemie-Jahren 2020 und 2021 hat eine Teuerungskrise das Jahr 2022 dominiert. Die österreichischen Händler mussten im Vorjahr zwar keine Lockdowns, allerdings Energiekosten in schwindelerregender Höhe, zweistellige Inflationsraten und einen breitflächigen Arbeitskräftemangel verkraften. All das hat im Handel deutliche Spuren hinterlassen.“

Jahresumsatz 2022 real um -1% auf 72,5 Mrd. Euro gesunken

Im Gesamtjahr 2022 konnten die heimischen Einzelhändler laut WIFO-Prognose einen Umsatz von 72,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Eine nominelle Steigerung von +6,3% gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt man die Daten allerdings um die durchschnittlichen Preissteigerungen, musste der österreichische Einzelhandel real ein Umsatzminus von -1% verkraften – „und dies im Vergleich zum ebenfalls holprigen Pandemiejahr 2021“, so Will. „Die nominellen Zuwächse 2022 wurden also komplett von der Teuerung aufgezehrt, insgesamt bleiben die Handelsumsätze weiterhin deutlich hinter dem Vorkrisenniveau 2019. Und: Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt hat sogar der Onlinehandel ein reales Umsatzminus von -3% eingefahren. Die einzelhandelsrelevanten Online-Ausgaben lagen 2022 laut Kreutzer, Fischer & Partner bei rund 8,5 Milliarden Euro.“

Insolvenzwelle: Handel im Branchenvergleich am stärksten

Der Handelsverband hat auch einen Blick auf die Firmenpleiten geworfen. Demnach ist die Zahl der Insolvenzen erstmals seit Beginn der Corona-Krise wieder an das Vorkrisenniveau herangekommen. Pro Tag gab es im Vorjahr laut KSV1870 im Schnitt 13 Pleiten, in Summe waren 4.775 Unternehmen (+57,4%) von einer Insolvenz betroffen. Die meisten Insolvenzen aller Branchen verzeichnet der Handel, der rund 900 Firmenpleiten und 6.000 Geschäftsschließungen zu Buche stehen hat.

„Der Handel ist der Beschäftigungs- und Wirtschaftsmotor der Republik Österreich. Unsere Händler stellen ein Viertel aller Betriebe, wir sind zweitgrößter Arbeitgeber und umsatzstärkster Wirtschaftsbereich des Landes. Leider wird das von der Politik mit ihrem Tunnelblick auf Industrie und Exportwirtschaft übersehen“, sagt Rainer Will. „900 Firmenpleiten und tausende Schließungen innerhalb eines Jahres sprechen Bände. Viele Händler, kleine Einzelkämpfer aber auch große Traditionshäuser, bleiben auf den Krisenkosten sitzen. Um Arbeitsplätze, Diversität der Handelslandschaft sowie Stadt- und Ortskerne zu erhalten, muss die Bundesregierung eine Entlastungsoffensive für den heimischen Handel umsetzen.“

Händlerbefragung Nur ein Drittel konnte 2022 mit Gewinn abschließen, 45% haben Personalmangel

Die jüngste Blitzumfrage des Handelsverbandes (n=203) bestätigt die herausfordernde Lage. So haben 35% der Betriebe das Gesamtjahr 2022 mit einem Verlust abgeschlossen, 33% mit einem ausgeglichenen Ergebnis und nur 32% mit einem Gewinn. Die Pandemie und die Bürden, welche, wie Rainer Will sagt, auf die Angestellten übertragen wurden, haben zu einem gravierenden Personalmangel geführt. 45% der heimischen Händler klagen über viel zu wenige verfügbare Arbeitskräfte und einen starken Rückgang an Bewerbungen. „Bundesweit gibt es derzeit fast 35.000 offene Stellen, die nicht zeitnah besetzt werden können. Bei 18% aller Handelsunternehmen ist daher zurzeit oftmals nur ein eingeschränkter Betrieb möglich“, berichtet der HV GF.

Welche Forderungen der Handelsverband im Namen des Handels nun an die Politik stellt, lesen Sie in der kommenden E&W.

 

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