Besuchen Sie uns auf LinkedIn
Donnerstag, 25. Juli 2024
Schwerpunkt Arbeitskräftemangel in der Branche

Das große Suchen

Die Branche | Dominik Schebach | 18.03.2023 | | 1  
Die Branche klagt über Mit- arbeitermangel: Im Handel, aber noch mehr im Installations- gewerbe sind derzeit viele Stel- len unbesetzt und die Betriebe suchen immer länger nach passenden Mitarbeitern. Die Branche klagt über Mit- arbeitermangel: Im Handel, aber noch mehr im Installations- gewerbe sind derzeit viele Stel- len unbesetzt und die Betriebe suchen immer länger nach passenden Mitarbeitern. Der Mangel an Arbeitskräften ist zu einem brennenden Problem geworden. Wie aus einer Untersuchung der Statistik Austria hervorgeht, sind der Handel und das Gewerbe – und damit der Elektrohandel und die -Installation – von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Ein Blick auf den IST-Stand und die Maßnahmen der Kooperationen.

Kaum ein Betrieb in der Elektro-Branche, der nicht nach zusätzlichen, qualifizierten Mitarbeitern sucht. Das Problem betrifft die gesamte Wirtschaft. So gab es laut Statistik Austria im vergangenen Jahr im Durchschnitt 206.500 offene Stellen in Österreich. Im Q3 / 2022 lag dann der Höchststand überhaupt bei 218.100 Vakanzen – das waren die höchsten Werte seit Beginn der Erhebung im Jahr 2009. „Die Zahl der offenen Stellen lag damit 2022 nicht nur um 41,4 % über dem Vorjahr und um 61,1 % über dem Vor-Pandemie-Niveau des Jahres 2019, sondern erreichte den höchsten bisher aufgezeichneten Wert. Auch die auf 4,8% gestiegene Offene-Stellen-Quote – also der Anteil der offenen an allen verfügbaren Stellen – weist auf Engpässe beim Arbeitskräfteangebot hin. Die meisten Jobangebote gab es dabei im Dienstleistungsbereich. Aber auch in der Produktion war der Personalbedarf im Vorjahr hoch“, erläuterte Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas Mitte Februar bei einer Präsentation.

Besonders häufig wurden Personen für Dienstleistungsberufe und Verkäufer sowie Personen für Handwerks- und damit verwandte Berufe gesucht. Durchschnittlich waren diese beiden Bereiche 2022 für 21,8 % bzw. 19,5 % aller offenen Stellen verantwortlich. Oder anders ausgedrückt: Im vergangenen Jahr gab es durchschnittlich 45.000 freie Stellen im Dienstleistungssektor, einschließlich dem Handel, gleichzeitig wurden im Handwerk 2022 zu jedem Zeitpunkt rund 40.000 Mitarbeiter gesucht. Das schlägt sich auch in der Suchdauer nieder. 2019 waren im Jahresdurchschnitt noch 21,6 % der offenen Stellen weniger als ein Monat ausgeschrieben. 2021 wurde nur noch ein Fünftel der offenen Stellen (20,6 %)  innerhalb eines Monats besetzt. Im Vorjahr traf dies nur noch auf 11,9 % der Stellen zu. Dagegen betrug die Suchdauer bei einem Sechstel (16,7 %) der offenen Stellen laut Statistik Austria mehr als sechs Monate.

Im kritischen Bereich

Sehr kritisch ist die Situation in der Elektroinstallation. Wie aus dem WKÖ-Fachkräfteradar hervorgeht, kommen in diesem Bereich bundesweit im Schnitt drei Stellen auf einen Arbeitssuchenden. Noch extremer präsentiert sich die Situation in einigen Bundesländern: So waren im Jänner 2023 in Salzburg 35 Elektroinstallateure arbeitslos gemeldet, bei 214 offenen Stellen. In Oberösterreich kamen im Jänner auf 120 arbeitslos gemeldete Elektroinstallateure gar 1031 offene Stellen. Da viele Stellen gar nicht gemeldet werden, kann man davon ausgehen, dass der Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften noch höher liegt.

Bei der Beschäftigungsentwicklung im gesamten Handel seit 2019 sticht der Online-Handel ins Auge: In diesem Bereich ist die Anzahl der Beschäftigten um 54,6% gestiegen. Im EFH ist die Anzahl der Beschäftigten im selben Zeitraum um 2,7 % gesunken. (Grafik: Bundessparte Handel)

Nicht ganz so extrem stellt sich auf den ersten Blick die Situation im Verkauf dar: Demnach standen – offiziell wohlgemerkt – 22 offenen Stellen für Verkäufer im Elektro-Handel 74 Arbeitssuchende gegenüber. Dies verdanken wir vor allem den östlichen Bundesländern – ganz besonders Wien, wo auf drei offenen Stellen 41 arbeitssuchende Verkäufer kommen. Das Verhältnis dreht sich allerdings im Süden und im Westen, wo das
WKÖ-Fachkräfteradar ebenfalls auf Rot steht.

Höhere Belastung

Damit ist klar, der Arbeitsmarkt begünstigt derzeit die Arbeitnehmer. Bundesweit haben sie die Wahl zwischen verschiedenen Arbeitgebern und unterschiedlichen Handelssparten. Damit sind die Auswirkungen des erhöhten Arbeitskräftebedarfs allgegenwärtig und für jeden Unternehmer nur allzu vertraut: So ergibt sich aus dem Mangel an Arbeitskräften eine Zusatzbelastung sowohl für die bestehenden Mitarbeiter als auch die Firmenleitungen. Die Ausgaben für die Personalsuche steigen und schließlich erleiden viele Unternehmen deutliche Umsatzeinbußen, weil sie wegen fehlenden Personals Aufträge nicht mehr annehmen können.

„Der aktuelle Fachkräftemangel macht sich in der Elektrobranche stark bemerkbar und stellt eine große Herausforderung für die Betriebe dar. Insbesondere, da wir als Teil der Elektrobranche die Energiewende durch unsere zukunftsweisenden Technologien und Produkte wie etwa im Bereich Smart Home maßgeblich mitgestalten, besteht aktuell und sicherlich auch in den kommenden Jahren eine große Nachfrage nach unseren Produkten und Lösungen“, erklärt Bianca Dvorak, Geschäftsführerin des Bundesgremiums für den Elektro- und Möbelfachhandel. „Jetzt benötigen wir natürlich dringend genügend kompetente Mitarbeiter im Handel, die Kunden hier beraten, aber natürlich auch genügend gut ausgebildete Personen im Installationsbereich, um diese Lösungen zu installieren. Die Elektrobranche bietet somit zukunftsfitte Jobs, in welchen aktiv an der Energiewende mitgearbeitet wird – das gilt es nun zu kommunizieren.“ (Mehr zur Position des Bundesgremiums finden Sie hier)

Dazu passend gibt es zumindest einen kleinen Lichtblick im Handel: Dort hat sich die Anzahl der Lehranfänger zuletzt wieder erhöht – im EFH stieg 2022 die Zahl der Lehranfänger von 251 auf 300. Im Telekom-FH erhöhte sich die Anzahl der Lehrlinge im ersten Jahr von 273 auf 287.

Augen auf

Auch bei den Kooperationen ist der Arbeitskräftemangel ein zentraler Punkt der Agenda – und das oft schon seit Jahren. „Der Fachkräftemangel verfolgt unsere Mitgliedsbetriebe inzwischen schon lange Zeit, hat sich aber in den letzten Jahren nochmals deutlich verschärft. Dabei ist, sowohl der Bereich Handel, aber in vielen Fällen noch stärker der Bereich der gewerblichen Elektroinstallation betroffen. Denn dieser Bereich boomt nach wie vor enorm und die Nachfrage wird nicht zuletzt aufgrund des Hypes im Bereich der Photovoltaikanlagen noch länger anhalten“, ist Expert-GF Alfred Kapfer überzeugt. „Flexibilität des Arbeitgebers (z.B. bei Arbeitszeiten oder Akquisitionsbemühungen über verschiedenste Kanäle …) und Ausdauer bei der Suche, inkl. laufend geöffneter Augen im Hinblick auf sich mitunter kurzfristig auftuende Möglichkeiten, Mitarbeiter zu gewinnen, sind daher das Gebot der Stunde.“

Expert selbst unterstützt seine Mitglieder schon seit Jahren bei der Suche nach neuen Mitarbeitern, wie auch ML Matthias Sandtner ausführt: „Bereits vor einigen Jahren haben wir auf der Website www.expert.at/jobs eine Jobbörse eingerichtet. Diese kann von den Mitgliedern kostenlos genutzt werden. Die offenen Stellen von einem Mitglied werden automatisch auch auf der Website vom Mitglied angezeigt. Gleichzeitig wird diese Jobbörse auch Online angezeigt.“

Andere Unterstützungsmaßnahmen umfassen z.B. die Erstellung und Gestaltung von Stellenausschreibungen. Auch berät die Expert-Zentrale gemeinsam mit dem Mitglied, welche Möglichkeiten in dessen Region gegeben sind, um Mitarbeiter zu finden bzw. potenzielle Mitarbeiter ansprechen zu können. Dabei geht Expert laut Sandtner auch auf die regionalen Besonderheiten ein. Diese Dienstleistungen erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Expert-Mitgliedern und werden auch in verschiedenster Form gerne angenommen.

Neue Dienstleistung

Als sehr herausfordernd schätzt auch Red Zac-Vorstand Brendan Lenane die Situation ein: „Statistisch gesehen ist Österreich zwar unter dem Schnitt der Euro-Zone, allerdings hilft das im Alltag nichts. Das geht auch nicht am österreichischen Elektrofachhandel vorbei. Selbstverständlich auch nicht an unseren Mitgliedern. Es bleibt kein Bereich verschont.“

Um die Mitglieder bei der Suche nach neuen Mitarbeitern zu unterstützen, hat man sich in der Kooperationszentrale einiges einfallen lassen. „Tatsächlich haben wir eine neue Dienstleistung für unsere Mitglieder erschaffen! Unter dem Projekt-Motto „Zacis finden. Zacis binden.“ können RED ZAC Händler künftig ganz bequem ihre Mitarbeitersorgen an die RED ZAC Zentrale übergeben. Die neu entworfene Employer Kampagne „Echte Zacis
gesucht.“ ermöglicht künftig attraktiv und einheitlich am „Bewerbermarkt“ aufzutreten“, erklärt Lenane gegenüber E&W. „Das neue Karriereportal konsolidiert nicht nur alle Jobs unserer Organisation, sondern stellt uns als regionale und eigentümergeführte Fachhandelsorganisation attraktiv dar, zeigt die Vorteile eines Dienstverhältnisses auf und macht den Fachhandel ‚sexy‘.“

Mit Sujet-Texten wie „Wir sind keine Regalschlichter, sondern Glücklichmacher“ oder „Wir verkaufen keine E-Geräte, sondern Lösungen um das Leben unserer Kunden:innen zu verbessern“ wirbt die Kooperation aktiv um Mitarbeiter für ihre Mitglieder. Neben dem beschriebenen Karriereportal, setzt Red Zac auf individuelle Maßnahmen, wie den eigenen „Social Media Händlerservice“, um die Jobangebote in den Social Media-Kanälen der eigenen Händler zu platzieren. Außerdem kooperiert Red Zac mit der Regional Media Austria, um auch im Print-Bereich eine entsprechende Abdeckung in den Regionen der einzelnen Red Zac-Händler zu generieren. Weitere Maßnahmen umfassen z.B. die Platzierung der offenen Stellen in Google-Jobs und die Erstellung von Werbe-Sujets für die Anwendung am POS bzw. Videowalls oder Plakatwände.

„Wir kooperieren zudem mit den Fachmedien wie E&W, um auch in „Insider- bzw. Brachen-Communities“ die Jobs unserer Mitglieder zu platzieren. Alles in allem sehr umfangreich und dahingehend ausgerichtet, dass unsere Mitglieder für deren Kerngeschäft freigespielt werden“, so Lenane abschließend. „Unsere Händler müssen lediglich selbst die Bewerbungs-gespräche führen und im Idealfall den / die richtige / n Kandidat:in – nämlich den echten Zaci – auswählen! Dieser Service wird unglaublich gut angenommen. Wir werden aktuell regelrecht mit Anforderungen unserer Mitglieder „überrannt“ und das, obwohl wir uns aktuell in der Startphase befinden.“

Im Wettbewerb

Wie ElectronicPartner-Geschäftsführer Michael Hofer erklärt, habe man seitens der Kooperation zwar keine exakten Zahlen zum Ausmaß der Arbeits- und Fachkräfteproblematik, aufgrund des laufenden regionalen Austausches sowie Veranstaltungen wie die österreichweiten Infotage jedoch einen sehr guten Überblick. „Es gibt momentan praktisch kein Mitglied bei uns, das von einem beruhigenden Personalstand berichten und aktuell nicht nach personeller Verstärkung Ausschau halten würde. Das gilt für alle Bereiche querbeet – von der Elektroinstallation im boomenden Photovoltaik-Sektor bis hin zum Filialleiter oder dem klassischen Fachberater. Der Tenor draußen lautet: Wir könnten viel mehr Umsatz machen, aber das Verkaufspersonal fehlt – ebenso wie für die Montage und Serviceleistungen wie Lieferung und Inbetriebnahme.”

Dementsprechend ortet Hofer die Aufgabe der Kooperation insbesondere darin, den potenziellen Mitarbeitern zu verdeutlichen, dass der Elektrofachhandel eine krisen- und zukunftssichere Branche ist und bei Themen wie Vernetzung, Energiewende, etc. eine zentrale Rolle spielt. „Auf die Frage, wie man diese Botschaft rüberbringt bzw. wie man sich als Unternehmen zukunftsgerichtet aufstellt, haben wir Antworten – und mit den „Leading Tools” sogar ein eigenes Seminar für Personalmanagement im Rahmen des EP:Campus. Denn im ersten Schritt müssen sich die Unternehmen mit sich selbst beschäftigen. Im zweiten Schritt geht es um die Umsetzung, sprich Personalsuche – hier arbeiten wir gerade an einem herausragenden Tool, das wir unseren Mitgliedern im Lauf des Jahres zur Verfügung stellen werden.”

Bei der Ursachenforschung für den Fachkräftemangel will der ElectronicPartner-GF gar nicht allzu tief greifen: „Das wäre über weite Strecken nur Spekulation. Fakt ist, dass wir die Situation haben. Und diese Situation wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, da geburtenstarke Jahrgänge mit vielen Leistungsträgern in Pension gehen. Die Branchen werden also untereinander vermehrt um die Mitarbeiter der Zukunft rittern.”

Dafür, dass es gelingen könne, Menschen für den Elektrohandel zu begeistern, gebe es in den Reihen der Mitglieder zahlreiche Beispiele – gefragt seien v.a. Freude am Umgang mit Menschen und verkäuferisches Geschick, die Produkte könne man lernen, so Hofer weiter. „Aber wir stehen natürlich vor großen Herausforderungen, nicht zuletzt weil viele – auch junge – Menschen heute schon alles haben. Das erfordert neue Modelle bei der Entlohnung ebenso wie bei der Arbeitszeit, Stichwort 30-Stunden- oder 4-Tage-Woche. Klar kann man versuchen, sich gegen diese Entwicklungen zu stemmen, oder aber man stellt sich gleich darauf ein und holt gleich das Optimum heraus – und genau dafür bieten wir unseren Partnern die passenden Lösungen. Wir wollen unsere Mitglieder dazu motivieren, sich selbst weiterzuentwickeln.”

Diesen Beitrag teilen

Kommentare (1)

  1. Auch als Arbeitgeber muss man sich weiterbilden. Das merke ich jeden Tag inmitten einer Vielzahl an Mitarbeitern. So sind Themen um Buchhaltung und Steuern zu klären, strategische Entscheidungen zu treffen oder aber es geht auch um spezifische Themen, die wir zuletzt in den Seminaren zur Mitarbeiterentsendung kennengelernt haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden