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Donnerstag, 30. Mai 2024
Thema Fachkräftemangel: Elektro Wrann „Etwas tun, statt nur jammern“

„Es ist dramatisch!“

Die Branche | Stefanie Bruckbauer | 22.03.2023 | | 7  Unternehmen
Elektro Wrann ist ein alteingesessenes Unternehmen, das aus Velden nicht mehr wegzudenken ist. Bisher waren die Wranns sechs Tage die Woche von früh bis spät für ihre Kunden da. Die aktuelle Personalsituation hat die Elektrohändler nun allerdings dazu gezwungen radikal umzudenken: Bei Elektro Wrann ist seit Beginn des Jahres nur mehr vier Tage pro Woche für Kunden geöffnet und das war nicht die einzige Umstellung: „Da kommt noch etwas“, erzählt Sabine Wrann in der E&W März-Ausgabe.

Es ist dramatisch!“, sagt Sabine Wrann. „Es gibt keine Fachkräfte mehr. Und das sagen nicht nur wir, sondern alle Unternehmer in Velden: Es ist ein Ding der Unmöglichkeit Personal zu bekommen!“

Bei Red Zac Wrann arbeiteten früher immer – je nach Saison – zwischen acht und 12 Mitarbeiter. Aktuell ist das Elektrohandels-Team zu dritt. Angefangen habe die Misere schon kurz vor Corona, berichtet Sabine Wrann: „Da kamen Umschulungen in Mode. Das Arbeitsmarktservice hat stark dafür geworben, dass den Leuten alles gezahlt wird und zwei unserer Mitarbeiter nahmen die Gelegenheit war. Das waren gute Arbeitskräfte und ihnen gefiel es bei uns, doch sie meinten, wenn sie schon die Chance hätten beruflich etwas zu verändern, neu durchzustarten und das würde auch noch bezahlt – ja warum nicht. Da haben wir das erste Mal bemerkt: Hoppla, da passiert was.“

Dann ist da noch Infineon, der Halbleiter-Hersteller, der in Villach eine gigantische Chipfabrik eröffnet hat. „Das ist jetzt eine riesen Firma, die sicher rund 1.000 Leute beschäftigt, und auch ungelernte Fachkräfte aufnimmt, weil die dann vor Ort ausgebildet werden“, schildert Wrann. Infineon scheint ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, der seine Mitarbeiter sehr gut zahlt und darüber hinaus zahlreiche Benefits bietet, eben von der kostenlosen Umschulung bis zum Betriebskindergarten. Zwei Mitarbeiter von Red Zac Wrann haben zu Infineon gewechselt – „obwohl auch sie sich laut eigener Aussage bei uns sehr wohl gefühlt haben“, erzählt die Elektrohändlerin.

Sabine Wrann beschreibt die aktuelle Arbeitskräftesituation als dramatisch. Deshalb haben sie und ihr Mann Philipp auf eine 4-Tage-Woche umgestellt. Ob die Öffnungszeiten im Sommer (der Hochsaison in Velden) dann kurzfristig wieder ausgeweitet werden, steht noch nicht fest. „Das wird sich erst weisen“, sagt die Elektrohändlerin.

Dann kam die Pandemie und die Situation verschlechterte sich weiter, nicht nur was ausgebildetes Fachpersonal betrifft, sondern auch Lehrlinge. „Wir haben immer schon gerne und gut Lehrlinge ausgebildet“, erzählt Wrann, die selbst Lehrlingssprecherin der Kärntner WK Sparte Handel war. „Doch die Lehrlinge sind verschwunden. Keine Bewerbungen – nix! Auch die Lehrer in den Berufsschulen sprechen von einer Katastrophe, da es keine Schüler mehr gibt.“

Verkauf im Homeoffice?

Das Denken habe sich stark verändert durch Corona, sagt die gebürtige Tirolerin. Die Leute wollen nicht mehr weit in die Arbeit fahren, sich ihre Aufgaben selbst einteilen und den Job am liebsten von Zuhause aus machen – „auch den Verkauf, wie ein Bewerber unlängst forderte. Aber das geht halt schwer“, so Wrann mit einem Zwinkern. Die Unternehmerin würde ihren künftigen Angestellten auch ein höheres Gehalt zahlen, als üblich wäre – „das ist überhaupt nicht das Thema“, sagt sie. Doch das interessiert die Leute nicht mehr. „Denen ist ihre Freizeit und Bequemlichkeit wichtiger.“ Vor allem bei den Jungen sieht Wrann diese Entwicklung: „Die Jungen wollen schon etwas arbeiten, aber nur so viel, dass es zum Leben reicht. Und nachdem sie (von den Eltern und Großeltern) schon alles bekommen haben, was sie zum Leben brauchen, sehen sie auch keine Notwendigkeit Vollzeit arbeiten zu gehen.“ Die Händlerin ist durch diese Einstellung irritiert, wie sie sagt: „Weil, wie stellen sich die Leute vor, dass das auf Dauer funktionieren soll? Das System kann so nicht funktionieren. Wir müssen alle umdenken, irgendetwas tun – auch die Politik! Irgendetwas muss hier passieren.“

Aktuell arbeiten wie gesagt drei Leute im Elektrohandel Red Zac Wrann. Sabine Wrann, ihr Mann Philipp und eine Mitarbeiterin. Wenn viel zu tun ist, hilft Sabines Sohn Patrick mit. Mindestens zwei – lieber drei – Verkäufer würden die Wranns sofort aufnehmen. Und nicht nur im Verkauf ist die Situation prekär, auch auf der Liefer- und Montage-Seite fehlen Leute. Um sich zu helfen, arbeiten die Wranns hier aktuell mit Fremdfirmen zusammen, die liefern und montieren.

„So geht’s nicht weiter“

Vergangenes Jahr kam dann der Punkt, an dem die Wranns feststellten: „So kann es nicht weitergehen! Wir müssen etwas tun. In der Gesellschaft findet scheinbar ein Umdenken statt, also müssen auch wir umdenken. Es hat überhaupt keinen Sinn Tag für Tag weiter darüber zu jammern, dass wir keine Leute bekommen. Wir sind Unternehmer, also müssen wir auch etwas unternehmen!“ – und nach einer dreitägigen Auszeit auf dem Großglockner (mit dem Ziel den Kopf frei zu bekommen und in sich zu gehen) stand der Plan fest: „Wir stellen auf eine 4-Tage-Woche um“, berichtet Wrann.

Elektro Wrann ist ein alteingesessenes Unternehmen, das aus Velden nicht mehr wegzudenken ist.

Seit Anfang Jänner hat das Geschäft also nur mehr vier Tage in der Woche für Kunden geöffnet: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag. Am Mittwoch ist geschlossen, was allerdings nicht bedeutet, dass die Wranns nicht arbeiten. „Wir nutzen den Mittwoch für Büroarbeiten, für die Reinigung und allgemein für Dinge, die sonst immer nur zwischendurch erledigt werden konnten. Ich liebe das Arbeiten am Mittwoch, da habe ich meine heilige Ruhe und kann die Dinge entspannt und ungestört abarbeiten“, berichtet die Händlerin, die nun auch am Samstag geschlossen hat. „Uns geht es so gut damit“, betont sie. Natürlich sei nun an den geöffneten Tagen mehr los, aber das störe die Wranns überhaupt nicht.

Vor ein paar Jahren wäre dieser Schritt undenkbar gewesen. „Die Leute hätten uns gefragt ob wir noch normal ticken“, so Wrann. „Aber jetzt? Die Pandemie hat uns gelernt, dass wir die Öffnungszeiten verändern können. Und wir sind nicht die einzigen in Velden, die das getan haben. Wir haben seit Corona beispielsweise über Mittag geschlossen, was es früher bei Elektro Wrann nie gegeben hat. Zusätzlich haben wir nun eben die 4-Tage-Woche eingeführt und unsere Kunden zeigen Verständnis. Wir haben alle im Vorfeld informiert und es wird wirklich sehr gut angenommen.“

Pilotprojekt

Die Wranns sehen die 4-Tage-Woche vorerst als Pilotprojekt. „Wir haben Anfang des Jahres einmal damit gestartet und werden sehen wie es sich entwickelt. Bis jetzt funktioniert es wirklich gut, der Umsatz ist nicht zurückgegangen und nicht ein Kunde hat sich beschwert, weil er zB. vor verschlossener Türe gestanden ist.“ Wenn es wirklich dringend ist, machen die Wranns natürlich eine Ausnahme. Soll heißen, wenn ein Kunde am Mittwoch ganz dringend etwas braucht, dann kümmern sich Sabine und Philipp natürlich darum.

Noch nicht alles

Die Wranns sind noch nicht fertig mit dem Umdenken und Umstrukturieren. „Da kommt noch etwas“, verrät die Unternehmerin. „Wir wollen unser Geschäft noch attraktiver machen. Und nachdem unsere Kunden ja auch immer weniger Zeit haben, wollen wir diese Zeit, wenn sie bei uns mit einkaufen verbracht wird, noch mehr wertschätzen. Unsere Kunden sollen sehen: Beim Wrann geht was weiter!“

„Ich habe einen tollen Beruf“

Sabine Wrann macht das Business mit ihrem Mann Philipp ja nun doch schon viele Jahre. Dennoch brennt die Wahl-Kärntnerin noch immer für ihren Beruf: „Es macht noch immer riesen Spaß! Und ich finde man kann ruhig einmal sagen: Ich habe einen tollen Beruf! Kein Tag gleicht dem anderen, es kommt nie Langeweile auf. Und zum Glück habe ich so liebe Kunden – es macht richtig Freude.“

Sabine Wrann bleibt trotz der schwierigen Zeiten optimistisch: „Im Moment kommt halt alles zusammen: Die Pandemie, der Krieg, ein Umdenken in der Gesellschaft, geburtenschwache Jahrgänge usw. Alle haben derzeit irgendwie zu kämpfen. Alle müssen sich umstellen und umdenken. Ich glaube trotzdem daran, dass sich alles irgendwann wieder zum Guten wenden wird.“

Die Wranns ziehen ihr Ding jetzt auf jeden Fall einmal durch. „Wenn’s nix wird, dann halt nicht. Dann probieren wir etwas Neues. Aber ich denke doch, dass es für uns der richtige Weg ist.“

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Kommentare (7)

  1. An „Auch Insider“: wieviel Rechtschreib- und Grammatikfehler haben sie gezählt? 🤣 Bei mir waren es sieben. Und dann hat er auch noch 9x selbst auf den „Daumen hoch“ geklickt, damit es noch dramatischer aussieht. So ein Kofer [sic!]

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  2. Wir haben genau die gleiche Thematik! Wir waren insgesamt 8 in unserer Firma – hat sich reduziert jetzt sind wir nur noch Familie – also zu viert! Öffnungszeiten angepasst – und es funktioniert perfekt. Weniger Druck um die Lohnkosten zu erwirtschaften, keine Ärgern mehr über unmotivierter Mitarbeiter. Kann ich jeden Firmeninhaber empfehlen.

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  3. Ich kenne weder die Familie Vrann, noch die Firma, noch lebe ich in Kärnten. Außerdem möchte ich sachlich bleiben. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt, der Gesellschaft und die „neue“ Arbeitsmoral, die Frau Vrann beschrieben hat, kann ich als Salzburger jedenfalls bestätigen.

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  4. Vrann hat NIE auf seine Mitarbeiter geschaut, nur Hirachie !! Frau Vrann war die schlimmste, Madam Pompadur !! die Vrann sind nicht umsonst allein und nur mehr zu 3, jeder der die Vrann kennt, bestättigt diese Zeilen, Warum gehen Mitarbeiter ?! Da die Chefetage NICHT stimmt !!!

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    1. Also ich kenne die Wranns nur als herzliche, liebe und umgängliche Menschen, die auf ihre Mitarbeiter schauen. Ich weiß nicht wo SIE waren, aber sicher nicht in Velden!
      … vielleicht in Welden? 😉

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