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Samstag, 15. Juni 2024
Vielleicht wär’s wirklich g‘scheiter, wenn künftig Ampeln für uns denken

Sind wir wirklich reif dafür?

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 26.03.2023 | Bilder | | 2  Meinung
Sie isst nicht und sie schläft nicht. Sie arbeitet 24/7 und bekommt kein Geld dafür. Sie trägt den Namen Tang Yu und ist eine künstliche Intelligenz – die allererste, die als CEO an der Spitze eines Unternehmens steht. Sie macht offenbar einen guten Job, an der Börse wird gejubelt. Es scheint alles toll – doch bei mir wirft das einige existenzielle Fragen auf.

Letzten Herbst engagierte das Gaming-Unternehmen NetDragon Websoft aus Hongkong eine neue CEO. Ihr Name ist Mrs. Tang Yu, sie hat keine persönlichen Befindlichkeiten, die ihre Leistungen negativ beeinflussen könnten, im Gegenteil: Sie erledigt die klassischen Aufgaben eines Firmenchefs anstandslos. Soll heißen, sie wertet Top-Level-Analysen aus, trifft Führungsentscheidungen, bewertet Risiken und steigert die Effizienz im Unternehmen. Dabei ist sie nicht nur rund um die Uhr im Einsatz – weil sie nämlich nicht schläft – sondern bekommt dafür auch kein Gehalt (was bei einem CEO-Posten ein enormes Einsparungspotential birgt). Der Grund: Tang Yu ist kein Mensch, sondern ein KI-gesteuerter virtueller humanoider Roboter. Und Tang Yu scheint ihren Job bereits seit Monaten wirklich außerordentlich gut zu erledigen, denn das börsennotierte Unternehmen hat am Wertpapiermarkt seitdem eine hervorragende Performance hingelegt: Wie die US-Plattform The Hustle berichtet, verzeichnete die Aktie im letzten halben Jahr ein Plus von über 18% an der Hongkonger Börse.

Das ist Tang Yu, seit einem halben CEO bei dem Gaming-Unternehmen NetDragon Websoft aus Hongkong.

Mensch gegen Maschine

Ich muss ja unweigerlich an Terminator denken. Sie wissen schon, der Film mit Arnold Schwarzenegger, in dem es um den Kampf Mensch gegen Maschine geht, und der, um es kurz zu machen, nicht unbedingt gut für uns Menschen ausgeht. Und dann sehe ich vor meinem geistigen Auge auch noch den verrückten Professor (anderer Film), der Zeit seines Lebens, nahe der Selbstaufgabe an seiner „Schöpfung“ arbeitete – einer intelligenten, menschähnlichen Maschine. Und als sie schlussendlich besser als vermutet funktionierte, endete der Professor eingeklemmt im tödlichen Schwitzkasten seiner selbstgeschaffenen Kreatur und röchelte mit seinem allerletzten Atemzug: „Ich konnte es doch nicht ahnen …“

Ich glaube ja, dass unter den Buch- und Filmautoren der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte einige Propheten waren. Weil – denken Sie mal nach: Wieviele ursprünglich als Fiction gedachte Romane und Filme haben sich schlussendlich in irgendeiner Hinsicht bewahrheitet? Beispielsweise Jules Verne. Er nahm mit der Nautilus einiges von dem vorweg, was erst U-Boot-Versionen des 20. Jahrhunderts kennzeichnen sollte. Selbst über Kabel in der Tiefsee schrieb Jules Verne damals schon, genauso wie über Abschussrampen für Raketen, Brennstoffzellen, Hubschrauber, Elektromotoren, Faxgeräte und Bremsraketen. George Orwell mahnte uns in seinem bereits 1947 geschriebenen Buch „1984“ vor der totalen Überwachung. „Big Brother is watching you“ – und er hatte so recht damit. Und da war da noch Mary Shelley. In ihrem Roman Frankenstein ging es darum künstliches Leben zu erschaffen und sie war ihrer Zeit damit voraus. Denn heute ist es, wie wir wissen, eine realistische Möglichkeit. Die Entwicklung von menschenähnlichen Robotern schreitet voran. Einiges von dem was diese drei damals als reine Fiction geschrieben haben, ist heute gelebte Realität. Meine Befürchtung ist, dass es sich mit dem Film Terminator ganz ähnlich verhalten wird …

Ich verstehe ja nicht warum der Mensch immer noch intelligentere Maschinen und Computer baut und damit am besten Weg ist, die Menschheit zu entmündigen und letztlich vielleicht sogar überflüssig zu machen. Es gibt übrigens jetzt schon KIs, die Problemstellungen lösen, und die Menschen (die diese KIs wohlgemerkt gebaut und programmiert haben) wissen nicht, wie sie dabei vorgehen. Es gibt KIs, die Dinge lernen, und ihre Schöpfer wissen nicht, wie sie das machen.

Wir stecken in den Kinderschuhen in Sachen KI. Wenn uns das Ganze aber jetzt schon entgleitet, und zwar in der Hinsicht, dass wir Vorgänge nicht verstehen und daher logischerweise auch nicht eingreifen und damit umgehen können – was wird dann erst sein, wenn KIs wirklich in der Lage sind selbsttätig zu lernen und ihre „Schöpfer“ ja dann eigentlich nicht mehr brauchen?

Katastrophe nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich

Genau davor (also vor der Gefahr, dass die intelligenten Systeme eines Tages schlauer werden als wir selbst – und sich gegen uns wenden) warnt übrigens eine Studie der Oxford University in Zusammenarbeit mit der Australian National University in Canberra (an der – als pikantes Detail – auch der leitende Google Deepmind-Forscher Marcus Hutter mitwirkte). Die Ergebnisse zeichnen ein sehr unerfreuliches Bild oder um es mit den Worten von Michael K. Cohen, Hauptautor der Studie und Doktorand an der Oxford University, zu sagen: „Eine existenzielle Katastrophe ist nicht nur möglich, sondern auch wahrscheinlich.“ Er meint damit, dass eine hoch entwickelte Künstliche Intelligenz sehr wahrscheinlich die Menschen auslöschen würde.

Und es geht noch unerfreulicher, denn laut US-Informatiker Richard Sutton, einem der Pioniere des Reinforcement Learning, ist das Erreichen dieses Levels von KI keine ferne Zukunftsmusik. Im September 2022 meinte er: „Noch zu unseren Lebzeiten werden KI-Forscher die Prinzipien der Intelligenz – was sie ist und wie sie funktioniert – so gut verstehen, dass sie Wesen erschaffen können, die weit intelligenter sind als die heutigen Menschen. Es wird die größte intellektuelle Leistung aller Zeiten sein, deren Bedeutung über die Menschheit hinausgeht, über das Leben hinaus, jenseits von Gut und Böse.“

SO! Nun aber weg von diesen (hoffentlich!) utopischen Horrorszenarien …

Eine viel realere Gefahr, als die immer intelligenter werdende KI an sich, besteht ja meiner Meinung nach eher darin, dass KI als Werkzeug in die Hände der falschen (kriminellen) Leute gelangt. Einen Vorgeschmack auf das, was man damit alles machen kann, gibt ein aktueller Vorfall. Ein US-Journalist hat mit einer KI die Bilder von der Festnahme Donald Trumps erstellt und ins Netz gestellt, auf die bekannten Plattformen TikTok, Facebook und Twitter. In seinen ursprünglichen Posts hat der Journalist sogar dazugeschrieben, dass die Bilder Fake sind und mittels KI erstellt wurden, doch man weiß ja wie das läuft. Solche Nachrichten werden weitergeleitet und immer weitergeleitet und nachdem die allermeisten Menschen ja gar nichts mehr hinterfragen und Posts unreflektiert ohne Hirn einfach verbreiten, hieß es irgendwann „Trumpf wurde festgenommen“.

Eines der Fake-Fotos von Donald Trumps angeblicher Festnahme. Dem Ex-US-Präsidenten fehlt die rechte Hand, aber das fiel den wenigsten in der Social-Media-Community auf. Sie dachten die Bilder seien echt, und das obwohl ihr Macher, E. Higgins, darunter geschrieben hat, dass sie mittels KI erstellt wurden. (Bild: Twitter)

Fast keiner kam auf die Idee genauer hinzusehen, dann wäre nämlich sofort klar gewesen, dass die Bilder nicht echt sind. Auf einem Bild fehlt Trump eine Hand, auf einem anderen ein Arm und auf dem dritten trägt er selbst eine Polizeiuniform. Aber nein, die Leute sind so sensationsgeil und dumm, dass sie es großteils glaubten. So gesehen, sind gar nicht die KIs an sich so gefährlich (zumindest noch nicht), sondern die Leute, die mittels KI alle anderen täuschen. Der Trump-Vorfall ist ja noch harmlos aber ich glaube, es dauert nicht mehr lange, bis sich die Bösen perfidere Dinge ausdenken, um anderen Menschen zu schaden.

Eine Frage der Zeit

So oder so – ich denke, dass wir Menschen nicht reif sind für so eine Entwicklung. Der Großteil von uns würde eine KI niemals mit böser Absicht einsetzen, sondern nur um Gutes zu bewirken – das weiß ich schon. Aber leider besteht die Menschheit halt nicht ausschließlich aus guten Menschen, noch dazu wird die Menschheit (wie schon an anderer Stelle festgestellt) immer dümmer, und deshalb ist es wie ich glaube nur eine Frage der Zeit, bis es im Zusammenhang mit KI einmal richtig scheppert.

Bis es soweit ist, werden wir Menschen halt noch ein bissal herumspielen mit dieser Technologie. Da fällt mir ein: In Linz wird jetzt ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Verkehrsampeln künftig via KI gesteuert werden. Damit soll Autobussen und Fußgängern der Vorrang gegeben werden. Das heißt: nähert sich einer der beiden einer Ampel, wird diese schneller grün. Und jetzt kommts: Diese „intelligenten“ Ampeln sollen künftig auch mit den modernen „intelligenten“ Autos kommunizieren bzw. interagieren können, um diese zum Stillstand zu zwingen, wenn die KI meint, dass sich das Auto zu schnell auf eine Ampel zubewegt.

Das ist meines Erachtens ein weiterer Schritt in Richtung komplette Entmündigung der Menschheit. Aber nachdem die Leute ohnehin immer deppater werden (wie ich in diesem Beitrag nun wirklich schon oft festgestellt habe), ist es wahrscheinlich sogar g‘scheiter, wenn künftig Ampeln für uns denken 🙂

 

 

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Kommentare (2)

  1. … in Portugal schalten Ampeln schon seit Langem auf Rot, wenn man sich mit dem Auto zu schnell nähert. Hab ich auch nie verstanden. Dass Fussgänger so sicherer die Strasse überqueren können klingt aber logisch.

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