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Montag, 22. April 2024
PwC-Studie: 39% Plus im Jahr 2023

E-Mobility: Österreich unter Europas Top-5-Wachstumsmärkten

Elektromobilität | Wolfgang Schalko | 05.02.2024 | |  Markt, Wissen
Johannes Schneider, Partner bei Strategy& Österreich, rechnet bei E-Fahrzeugen mit zunehmendem Preisdruck. Johannes Schneider, Partner bei Strategy& Österreich, rechnet bei E-Fahrzeugen mit zunehmendem Preisdruck. (© Strategy& Österreich) Die E-Mobilität setzt ihren Wachstumskurs fort und hat 2023 wichtige Wegmarken geknackt, gegen Jahresende allerdings weltweit an Dynamik eingebüßt. Das zeigt der „Electric Vehicle Sales Review“ von PwC Autofact und Strategy&, der Strategieberatung von PwC, in dem die Neuzulassungszahlen in weltweit 20 ausgewählten Märkten ausgewertet werden.

Gemäß der Erhebung überstiegen in China allein im vierten Quartal 2023 die Verkäufe batteriebetriebener Fahrzeuge (Battery Electric Vehicle, BEV) erstmals die Zwei-Millionen-Marke – eine noch nie dagewesene Verkaufsleistung in diesem Land in einem Quartal. In den USA kletterten die BEV-Absatzzahlen im gesamten Jahr 2023 erstmals auf über 1 Million. Trotz dieser Rekorde schwächte sich das Wachstum insgesamt leicht ab. So legte der weltweite BEV-Absatz 2023 um 28% zu, 2022 waren die Verkäufe noch um 60% gestiegen. Im Vergleich dazu lagen die Verkäufe von Verbrennern 2023 mit einem Anstieg von 5% weit zurück. Das meistverkaufte batteriebetriebene E-Auto war 2023 das Model Y von Tesla. Davon wurden in Europa (Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien) rund 98.000, in den USA rund 394.000 und in China rund 456.000 Exemplare verkauft. Zu den Top 3 der beliebtesten BEVs am europäischen Markt zählen weiters das Tesla Model 3 mit rund 54.000 Fahrzeugen sowie der FIAT 500 electric mit knapp 52.000 Exemplaren.

„Obwohl der weltweite Markt für E-Mobilität auch 2024 groß sein wird, gibt es Gründe zur Vorsicht. Geringere staatliche Subventionen, Lieferkettenprobleme aufgrund geopolitischer Konflikte und Unsicherheiten hinsichtlich des Engagements zukünftiger Regierungen beispielsweise in den USA, was die Elektrifizierung von Fahrzeugen betrifft, könnten den Erfolg der E-Mobilität bremsen“, erklärt Johannes Schneider, Partner bei Strategy& Österreich.

Österreich ist fünftgrößter Wachstumsmarkt unter den analysierten europäischen Märkten

In Österreich werden batteriebetriebene E-Fahrzeuge immer stärker nachgefragt. Sie verzeichneten 2023 mit rund 48.000 verkauften Fahrzeugen erneut das stärkste Wachstum am Markt für E-Fahrzeuge (BEVs, Plug-in-Hybride und Hybride). Mit einem erzielten Marktanteil von rund 20% könnten BEVs den Vollhybrid (21% Marktanteil) als bisher beliebtesten Antrieb in Österreich bald ablösen. Im Europa-Vergleich verzeichnete Österreich 2023 den fünftgrößten Zuwachs an BEV-Neuzulassungen mit einem Plus von rund 39% im Vergleich zum Vorjahr – und liegt somit deutlich über dem EU-Schnitt. Das größte Wachstum bei BEV-Verkäufen wurde im Nachzügler-Land Spanien (66%) und in den Niederlanden (59%) verzeichnet. Mit Abstand wichtigster Markt für BEVs innerhalb der europäischen Top-5-Märkte (Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien) bleibt dennoch Deutschland. Aufgrund des abrupten Endes der staatlichen Förderung fiel das Wachstum von BEV-Neuzulassungen hier auf 11% im Jahr 2023 zurück – und liegt damit weit hinter dem EU-Schnitt zurück.

„Wir beobachten derzeit, dass E-Fahrzeuge endgültig am Massenmarkt angekommen sind. Das beeindruckende BEV-Marktwachstum in Österreich zeigt, wie wichtig die staatliche E-Mobilitätsoffensive mit starken Anreizen und Förderungen hier ist“, so Schneider. „Während die staatliche Förderung auch 2024 in Österreich fortgesetzt wird, streichen andere Regierungen – wie beispielsweise Deutschland – ihre Subventionen aufgrund von Sparmaßnahmen. Dadurch müssen europäische Hersteller 2024 mit einem noch stärkeren Preisdruck rechnen. Sie müssen sich auf wettbewerbsfähigere Modelle im Bereich zwischen 20.000 und 30.000 Euro konzentrieren, da chinesische Hersteller mit innovativen und günstigen Modellen zunehmend nach Europa drängen. Eine Preisschlacht ist die Folge.“

Gebrauchtwagenmarkt für BEVs gewinnt an Relevanz

Für potenzielle Käufer lohnt es sich, gebrauchte E-Fahrzeuge ins Auge zu fassen. Denn diese bieten deutliche Preisvorteile. Ein Blick nach Deutschland zeigt: Dort werden zurzeit BEVs drei Jahre nach Erstkauf im Schnitt um 10% günstiger angeboten als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Da allein in Österreich inzwischen rund 155.500 BEVs (Stand: Dezember 2023) im Verkehr sind, steigt auch das Angebot gebrauchter BEVs. Diese werden für Kunden auch zunehmend interessanter: Laut eReadiness-Studie 2023 von Strategy& können sich weltweit 60% von ihnen vorstellen, ein gebrauchtes E-Auto zu kaufen. In Europa sind es sogar 71%.

„Gebrauchte BEVs sind angesichts der bisweilen langen Lieferzeiten viel schneller verfügbar als Verbrenner. Für das Sorgenkind Batterie, das viele vom Kauf eines gebrauchten BEV abhält, geben inzwischen fast alle Hersteller eine achtjährige Garantie“, sagt Günther Reiter, Automotive Leader bei PwC Österreich. „Für die kommenden Jahre erwarten wir daher europaweit ein starkes Wachstum im Gebrauchtwagenmarkt. Das schafft einerseits großes Potenzial für neue Geschäftsmodelle und verleiht andererseits auch dem Bereich Recycling enormen Schwung. Wenn jetzt ausreichend und an den richtigen Stellen investiert wird, kann Europa in der Batteriezellenproduktion bereits 2035 ein knappes Drittel seines Bedarfs an Lithium, Nickel und Kobalt mit recyceltem Material decken, bis 2040 sogar mehr als zwei Drittel. Das stärkt nicht nur die wirtschaftliche Souveränität, sondern lohnt sich auch für Unternehmen, die mit dem Recycling von Akkus in Europa bereits vor 2035 ein rentables und nachhaltiges Geschäft machen möchten.“

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