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Samstag, 15. Juni 2024

Zu viel des Guten?

Wolfgang Schalko | 09.06.2024 | Bilder | | 1  Meinung
Lange Zeit galt die erneuerbare Energieerzeugung als zu teuer und damit nur bedingt konkurrenzfähig gegenüber den etablierten fossilen Erzeugungsformen. Das begann sich mit dem sukzessiven Ausbau von Sonne, Wind & Co. langsam zu ändern und bei der Energiekrise infolge der russischen Ukraine-Invasion schlug das Pendel dann völlig in die andere Richtung aus. Nun hat sich das Blatt abermals gewendet, diesmal jedoch nicht im Sinne der Erneuerbaren – die zugleich sinnbildlich für das Gelingen der Energiewende und das Eindämmen der globalen Klimakrise steht.

Die im Überfluss produzierte Energie hat den Strom so billig werden lassen, dass die Investitionsbereitschaft in Erneuerbaren-Projekte in den Keller gerasselt ist. Parallel dazu haben ungeahnte Einbrüche bei den Anlagenpreisen (eine Folge der seit Monaten nicht und nicht abzubauenden Lagerüberkapazitäten auf allen Handelsstufen) die hiesige PV-Industrie wie auch Großhändler und Installateure in ein Dilemma gestürzt: Man will und muss den PV-Ausbau vorantreiben, aber es rechnet sich einfach nicht.

Ist die Erneuerbaren-Branche also – zumindest für den Moment – gar übers Ziel hinausgeschossen? Einige ebenso aktuelle wie unerfreuliche Beispiele aus dem Photovoltaik-Bereich legen diesen Schluss nahe. Mit Suntastic.Solar ist kürzlich einer der prominentesten heimischen PV-Großhändler in die rund 40 Millionen schwere Insolvenz geschlittert. Als fatal erwies sich die Kombination aus unerwartetem Einbruch des PV-Marktes und massivem Preisverfall von bis zu 70%.

Anfang Juni wurde bekannt, dass beim österreichischen PV-Paradeunternehmen Fronius 350 Mitarbeiter gehen müssen – nachdem bereits seit Monaten Kurzarbeit für 1.300 Beschäftigte gefahren wurde. Konnte der Wechselrichter-Hersteller zunächst über einen längeren Zeitraum die Nachfrage nicht bedienen, so führten die geschaffenen Produktionskapazitäten nun zu Überlägern. Kampfpreise chinesischer Mitbewerber taten das Übrige.

Für Schlagzeilen sorgte auch die Energie AG Oberösterreich mit der Kündigung von rund 20.000 PV-Einspeiseverträgen mit hohen Fixkonditionen von mind. 15,73 Cent/kWh (Details siehe Seite 40). Gegenüber E&W sah eine Unternehmenssprecherin den weiteren PV-Ausbau durchdie niegrigen Strompreise zwar nicht gefährdet, erklärte jedoch: „Derzeit wird mehr Strom aus Photovoltaik erzeugt, als verbraucht werden kann. Der Überschuss muss am Markt zu stark schwankenden Marktpreisen verkauft werden. Dieses Thema der Negativpreise beschäftigt die gesamte Branche massiv. (…) Mit der Angleichung der Einspeisevergütungen an die Marktpreisentwicklung bleiben die PV-Anlagen weiterhin sehr attraktiv, allerdings werden zugunsten der Haushalte ohne PV-Anlagen keine ungerechtfertigt hohen Zusatzeinkommen dadurch erzielt.”

Schlechte Nachrichten also für jene, die mit Investitionen in Erneuerbaren-Projekte Geld machen wollen. Gute Nachrichten hingegen für Konsumenten und gewerbliche Bezieher des nun billigen Stroms. Und vielleicht ein Denkanstoß für alle, dass genauso wie die Erneuerbaren-Erzeugung nicht den klassischen Regeln der fossilen folgt, auch das neue Energiesystem nicht nach den althergebrachten Regeln von Angebot und Nachfrage funktioniert und vielmehr erst fertig gedacht werden muss.

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Kommentare (1)

  1. Ich würde auch gerne „Bezieher des nun billigen Stroms“ sein. Bei uns steigt der Rechnungsbetrag trotz fixem Tarif und stetig sinkenden Verbrauch ins Uferlose.

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