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Donnerstag, 25. Juli 2024
Erneuerbare Energien-Kommentar E&W 7-8/2024

Anschub gesucht

Wolfgang Schalko | 07.07.2024 | Bilder | | 2  Meinung
Vor ein paar Wochen habe ich in einem Vortrag das schöne Wort „Erstverschlimmerung” gehört. Genannt wurde es vom Zukunftsforscher Matthias Horx in Bezug auf die aktuelle Flaute im Bereich E-Mobilität. Gemeint ist damit ein Rückschlag bei neuen Technologien, der auch in anderen Bereichen häufig zu beobachten ist bzw. war. Bei meinem Messebesuch auf der Intersolar war davon zwar nicht viel zu bemerken – allerdings vor allem deshalb, weil die E-Mobility-Branche durch die Bank weit genug nach vorne blickt, um die derzeitige Delle als temporäre Erscheinung einzuordnen.

Es ist auch kein Geheimnis, dass die positive Entwicklung des E-Mobility-Sektors bis dato Hand in Hand mit entsprechenden staatlichen Förderungen ging und auf Seiten der Käufer die Unternehmen – Stichwort Firmenflotten – den mit Abstand größten Teil des Kuchens ausmachten. Dass man dabei politisch auch übers Ziel hinausschießen kann, stellten unsere deutschen Nachbarn mit der überbordenden Förderung von Home Charging-Wallboxen leider auf Kosten des Marktgefüges unter Beweis. Und dass es auch wirtschaftliche bzw. finanzielle Aspekte gibt, die mit Zahlen und Fakten alleine nicht begründbar sind, zeigt die aktuelle Entwicklung am Leasing-Sektor mit – zu Ungunsten der E-Autos – deutlich geänderten Bewertungen beim Restwert und entsprechend gestiegenen Leasingraten.

Aus Sicht der Hersteller von Ladelösungen (und damit natürlich auch der Elektriker und Installateure) ist es zwar gut und wichtig, so etwas zu wissen – es ändert jedoch nichts an der Situation und auch die Einflussmöglichkeiten auf die politisch Verantwortlichen sind bekanntermaßen nur bedingt gegeben. Ergo scheint es nur logisch, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen – und den Blick auf die Kunden zu richten. Schließlich können deren Wünsche und Anforderungen mit den passenden Produkten erfüllt werden, und das unabhängig von den Rahmenbedingungen. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint die im April 2024 durchgeführten Wallbox-Pricing-Studie des Stuttgarter Instituts UScale besonders interessant (aus österreichischer Perspektive auch deshalb, weil der Kärntner Hersteller go-e als Marktführer ausgewiesen wurde). Darin wird festgehalten, dass die E-Mobilität ein wesentlicher Treiber für die Erreichung der europäischen Klimaziele ist und es für eine nachhaltige Energiewende insbesondere smarte Ladelösungen brauche, damit die Kunden ihre E-Fahrzeuge möglichst günstig laden und gleichzeitig einen Beitrag zur Stabilität der Stromnetze leisten. Das Bild des Wallbox-Nutzers wird dabei wiefolgt skizziert: „Die Möglichkeit zum Laden mit PV-Überschuss weist einen besonders hohen Produktnutzen auf. Natürlich spielt auch der Preis eine Rolle. Doch je nach Produktnutzen sind auch höhere Preise akzeptabel.“ Demnach fährt fast die Hälfte der Befragten elektrisch mehr als 15.000 km im Jahr. Fast ein Drittel lädt annähernd täglich. Deutlich mehr als die Hälfte bevorzugt den Kauf der Wallbox inklusive Installation. Zu den beliebtesten Features gehört die Bedienung einer Ladestation per App.

Um noch einmal zum Anfang zurückzukommen: Horx ortete aktuell auch eine „E-Phobie” – d.h. eine gewisse Angst vor Elektrik bei Automobilen. 2025 – mit einer neuen E-Auto Generation – werde jedoch zumindest die „Erstverschlimmerung” überwunden sein und der nächste große Boom folgen.

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Kommentare (2)

  1. E- Mobilität, speziell bei Autos hat dann einen Sinn, wenn die Akkus die doppelte Kapazität, die doppelte Lebensdauer und die Hälfte kosten.

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    1. Warum? die Kapazität ist für Hr, und Frau Österreicher bestens ausreichend. die Lebensdauer erst recht. Ich bin jetzt geraume Zeit beruflich in ganz Ö elektrisch unterwegs, auch Urlaubsfahreten in den Süden sind kein Problem.
      Wenn man was kritisieren kann sind es hauptsächlich 2 Dinge:

      1. die undurchsichtigen Ladepreise und Ladekartendschungel der Anbieter. Hier bewegen wir uns leider auf dem Niveau der Mobilfunkverträge von vor 20 Jahren..

      2. Die Ladeleistung an Schnelladern im Winter + Reichweite im Winter. Hier gibt´s aufholbedarf, wobei die Reichweitenreduktion bei Kälte vernachlässigbar wäre, wenn die Ladeleistung der Autos an den DC Säulen auch die Max Leistung bei Kälte erreichen würde.

      Das alles ist aber eine „Kleinigkeit“ die sich hoffentlich mit der weiterenticklung der Autos erledigt. Ansonsten hat man auch als „heavy user“ keinerlei Probleme oder Reichweitenangst mit einem aktuellen E-Auto.

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