Besuchen Sie uns auf LinkedIn
Donnerstag, 25. Juli 2024
Telekom-Kommentar E&W 7-8/2024

Bremsklötze bei der Digitalisierung

Telekom | Dominik Schebach | 07.07.2024 | Bilder | | 3  Meinung
Es gibt sie noch. Wie eine Studie des deutschen Digitalverbandes BITKOM von Mitte Juni zeigt, wird in drei Viertel der deutschen Unternehmen noch gefaxt. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie, für die 604 deutsche Unternehmen befragt wurden. In einem Viertel der Betriebe wird nach eigenen Angaben sogar noch häufig bzw. sehr häufig gefaxt. Die Zahlen gehen demnach Jahr für Jahr nur leicht zurück.

Die Gründe, warum die Unternehmen noch immer am Fax festhalten, sind vielfältig. 56 Prozent der Unternehmen, die noch faxen, geben an, dies sei in der Kommunikation mit Behörden unumgänglich. 43 Prozent faxen, weil es aus ihrer Sicht sicherer als der Postweg sei und 35 Prozent halten daran fest, weil sie gut funktionierende und etablierte Faxprozesse haben. Jeweils 27 Prozent faxen aus Gewohnheit beziehungsweise weil sie in der Regel einen Zustellungsnachweis benötigen.

Jetzt kann man über diese Kommunikationsgewohnheiten schmunzeln. Andererseits sind die Voraussetzungen in der Bundesrepublik etwas andere als in Österreich. So ist z.B. das „digitale Amt“ in Österreich etwas weiter verbreitet als in Deutschland, der Druck in Richtung Digitalisierung hier zu Lande ein wenig höher. Aber auf diesem Lorbeerkranz sollte man sich nicht ausruhen. Ein Blick auf den Desi-Index zeigt, dass sich Österreich in vielen Bereichen nur im EU-Durchschnitt bewegt, wenn es um den Einsatz von digitalen Tools geht. Trotzdem schreitet auch hier zu Lande die Digitalisierung voran, wie die jüngste Erhebung der Statistik Austria gezeigt hat. Langsam, aber doch. Damit komme ich nochmals zurück zu den Zahlen aus Deutschland. Wenn die Hälfte der Unternehmen angibt, dass Faxe für die Behördenkommunikation unerlässlich seien, wenn vier von zehn Faxe als sicherer einstufen als den Postweg und wenn etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen etablierte Faxprozesse vorschieben, dann deutet das für mich eher auf Beharrungsvermögen in den Betrieben hin, als auf ernsthafte Argumente. (Insofern sind die 27 %, welche sich als Gewohnheits-Faxer outen, zumindest ehrlich.) Ein Grund mag sein, dass manche Mitarbeiter sich nicht (mehr) umstellen wollen, und die Betriebsführung die Digitalisierung nicht als Hauptanliegen betrachten. Wenn allerdings der Wille fehlt, dann hängt das Fortschreiten der Digitalisierung im Betrieb von der natürlichen Fluktuation im Unternehmen ab.

Der andere Grund ist allerdings, dass viele Anwendungen einfach schlecht sind. Die Abfolge der notwendigen Arbeitsschritte ist für viele nicht intuitiv. Der Online-Slang ist nicht einheitlich. Bezeichnungen von Menüpunkten ändern sich mit Versionssprüngen usw. usf. Wer seine älteren Verwandten bei diversen Online-Anmeldungsprozessen unterstützt hat, weiß davon ein Lied zu singen. Dass in diesem Fall viele User auf diesen Frust mit Totalverweigerung reagieren, anstatt sich nach einem Kaffee und mit viel Ruhe nochmals hinzusetzen und das Problem zu lösen, ist verständlich. Und natürlich verstärken sich diese beiden Bremsklötze der Digitalisierung gegenseitig. Wer einfach nicht will, kann immer auf schlampig programmierte Anwendungen als Grund seiner Inaktivität verweisen. Wenn man aber aus der Erfahrung heraus so oder so von der App torpediert wird, wieso soll man dann seine knappe Zeit und Energie dafür aufwenden?

Bilder
Diesen Beitrag teilen

Kommentare (3)

  1. „Wer hat das wo, bei wem unter wie vielen erhoben, wo sind diese Zahlen im ersten Absatz her?“ fragt man sich vielleicht. Da fehlt doch was, hat man ständig das Gefühl …
    Würde also anregen, den Teaser auch mit dem Feed mitsenden.

    1. Sehr geehrter Herr Wurbala

      Sie haben Recht: Ein Bericht – vor allem in einem schnellen Medium – sollte den Tugenden einer Agenturmeldung gehorchen. Im Lead und ersten Absatz sollten deswegen die klassischen Fragen W-Fragen beantwortet sein: Wer hat was, wann, wo, wie, warum getan und welche Quelle gibt es dafür.
      In diesem Fall handelt es sich um einen Kommentar. Da sind die Regeln nicht ganz so streng. Das Ziel ist auch nicht die unmittelbare Information. Hier wollen wir Ihnen einen Einblick zu den Gedanken geben, die wir uns über diverse Themen im Zusammenhang mit der Branche machen.
      Zur weiteren Information: Die Ergebnisse beziehen sich auf eine Studie, die im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom durchgeführt wurde. Für die Studie wurde laut Angaben von Bitkom 604 repräsentative Unternehmen in Deutschland mit mehr als 20 Mitarbeitern befragt. Die Presseaussendung zu der Studie wurde am 17. Juni 2024 auf der Seite des Verbandes bitkom.de veröffentlicht.

      Viele Grüße
      Dominik Schebach

      2
      1. Danke für die Rückmeldung.
        Naja, eigentlich wäre eh alles da. Doch da der erste Absatz im Feed fehlt, rätselt man einige Zeit lang: „um was geht es da?“ Sicher, ein Klick führt zur Website, aber ich lese gerne einfach im Thunderbird mit und da fehlt bei jedem Artikel, Kommentar oder wie auch immer der Beitrag genannt wird, der Anfang.

        Man sieht es z.B. an https://elektro.at/kategorie-i/meinung/feed/, das der erste Absatz gar nicht erst mit versandt wird.

        Ja, als Angehöriger der schreibenden Spezies mache ich mir um den ersten (Ab)Satz immer die intensivsten Gedanken. Die W-Fragen und doch ein bissl Spannung übrig lassen, usw.
        Das machen alle Autoren hier recht gut!

        Einzig fehlt eine Benachrichtigung, wenn eine Antwort kommt.

        1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden