WKÖ-Gewerbe und Handwerk: „Die Richtung stimmt, es geht bergauf“
„Die Richtung stimmt, es geht bergauf. Aber wir sind noch nicht über den Berg“, betont Scheichelbauer-Schuster. (© WKÖ)
Das Umfeld ist nach wie vor schwierig, aber die Stimmung verbessert sich. So lautet das Fazit zum zweiten Quartal 2024 im Gewerbe und Handwerk. Die konsumnahen Branchen sind optimistischer - die Betriebe, die Umsatzsteigerungen erwarten, überwiegen um einen Prozentpunkt. „Die Richtung stimmt, es geht bergauf. Aber wir sind noch nicht über den Berg“, sagt Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster.Wie eine aktuelle Befragung der KMU Forschung Austria im Auftrag der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zeigt, klagen 70,9 Prozent der Betriebe im Gewerbe und Handwerk, dass die Belastungen durch Bürokratie in den vergangenen drei Jahren zugenommen haben. Für 28,7 Prozent blieb alles unverändert, eine Entlastung spüren nur verschwindende 0,4 Prozent. Der durch bürokratische Auflagen verursachte Aufwand sei beträchtlich: Die Gesamtkosten für das Gewerbe und Handwerk belaufen sich auf 4,3 Milliarden Euro pro Jahr.„Die große Stärke unserer Betriebe ist der Servicegedanke und die Nähe zu den Kundinnen und Kunden: Wir möchten unsere Arbeit machen und uns um die Menschen kümmern können, nicht um Formulare. Wir fordern deshalb einen Bürokratie-Stopp“, so Scheichelbauer-Schuster.
Minus im ersten Quartal 2024
Die Konjunkturbeobachtung von KMU Forschung Austria zeigt außerdem, dass im ersten Quartal 2024 im Gewerbe und Handwerk ein Auftrags- bzw. Umsatzminus von nominell -3,6 Prozent erwirtschaftet wurde. Unter Einrechnung der gestiegenen Preise ergibt das einen realen (mengenmäßigen) Rückgang von -8,1 Prozent. Besonders groß fiel das Minus in stark von der Baukonjunktur abhängigen, investitionsgüternahen Branchen aus, etwa im Holzbau oder der Metalltechnik. Im Plus waren hingegen primär konsumnahe Branchen wie Mode und Bekleidungstechnik oder das Lebensmittelgewerbe.
Auch im zweiten Quartal (April bis Juni) 2024 sind die Auftragsbestände in nahezu allen investitionsgüternahen Branchen gesunken. Besonders stark spürten das die Hafner, Platten- und Fliesenleger (-19 Prozent), Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker (-16 Prozent) sowie die Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker (-13 Prozent). Geringfügige Zuwächse hatten Dachdecker, Glaser und Spengler (+2,3 Prozent). Bei den konsumnahen Betrieben hält sich die Zahl der Betriebe, die im zweiten Quartal Umsatzsteigerungen (21 Prozent) hatten, nun fast die Waage mit jenen, die Rückgänge verzeichneten (22 Prozent). Mehr Betriebe mit Umsatzsteigerungen gibt es in der Mode und Bekleidungstechnik, bei Fußpflegern, Kosmetikern und Masseuren sowie im Lebensmittelgewerbe. Einen Überhang an Betrieben mit Umsatzverlusten gibt es hingegen bei Personaldienstleistern und Sicherheitsgewerbe, Berufsfotografen und Mechatronikern.
Stimmung bessert sich
Die Erwartungen haben sich im zweiten Quartal aufgehellt. Die konsumnahen Branchen sind laut Befragung optimistischer – die Betriebe, die Umsatzsteigerungen erwarten, überwiegen um einen Prozentpunkt. Bei den investitionsgüternahen Betrieben ist dieser Saldo noch negativ (-15 Prozentpunkte), allerdings besser als im Vorquartal (-23 Prozentpunkte). „Die Richtung stimmt, es geht bergauf. Aber wir sind noch nicht über den Berg“, betont Scheichelbauer-Schuster. Sie appelliert an die Bundesländer, das Wohnbaupaket der Regierung rasch umzusetzen, sodass die Förderungen und Zuschüsse noch heuer bei Bauwerbern und Wohnbaugesellschaften ankommen.
Große Erwartungen setzen die Betriebe in den Handwerkerbonus, der rückwirkend für Arbeitsleistungen ab 1. März 2024 beantragt werden kann. Ab nächster Woche, 15. Juli 2024, können nun die Anträge gestellt werden. Das Interesse sei groß: Laut Umfrage sehen drei Viertel der Österreicher:innen (74 Prozent) den Handwerkerbonus als „attraktives Angebot“. 37 Prozent wollen ihn sicher nutzen, weitere 27 Prozent überlegen es sich noch. „Der Handwerkerbonus ist ein Gewinn für die Konsument:innen, die sich Geld ersparen und auf Top-Qualität vertrauen können. Er hilft den Betrieben, weil Investitionen vorgezogen werden. Und er rechnet sich auch für den Staat, weil Schwarzarbeit verhindert wird und sich die Maßnahme selbst finanziert“, betont Scheichelbauer-Schuster.
Meistertitel
Besonders groß ist die Freude in der Sparte, dass künftig 14 weitere Gewerbe den Meistertitel als Namensbestandteil führen und in Dokumente und Urkunden eintragen lassen dürfen. Das wurde durch eine Gewerberechtsnovelle möglich, die noch vor der Sommerpause im Parlament beschlossen wurde. Der eintragungsfähige Meistertitel betrifft 14 handwerksähnliche Gewerbe, konkret sind das: Elektrotechnik, Gas- und Sanitärtechnik, Kontaktlinsenoptik, Kosmetik/Schönheitspflege bzw. Piercen und Tätowieren, Fußpflege, Massage, Bestattung, Vulkaniseur, Waffengewerbe/Büchsenmacher, Sprengungsunternehmen sowie Baumeister, Brunnenmeister, Steinmetzmeister, Holzbau-Meister. „Damit werden meisterliche Leistungen und höchste Qualifikationen noch besser sichtbar“, freut sich Scheichelbauer-Schuster und sie fügt hinzu: „Der Meistertitel ist gleichwertig mit dem akademischen Bachelor eingestuft. Das ist ein Signal für junge Menschen, dass sich mit dem Einstieg über eine Lehre großartige berufliche Perspektiven eröffnen.“

Kommentare