Fluch, Segen oder beides?
Im Hausgeräte-Ressort der E&W 11 berichten wir u.a. über die EFHT-Auftritte der Hausgerätehersteller. Dabei fiel mir auf: Lange Zeit wurde über KI gesprochen, um- bzw. eingesetzt wurde die Technologie in unserer Branche bis jetzt allerdings kaum bis nicht. Das ändert sich gerade.KI wohin man schaut – ob ChatGPT, Gemini oder der Kühlschrank Zuhause. Die Verbreitung dieser Technologie geht allerdings mit Unsicherheit und Vorbehalten in der Bevölkerung einher, immerhin jeder zweite Österreicher denkt kritisch darüber. Es wird befürchtet, dass KI eine Bedrohung und zusätzlichen Aufwand darstellt, dass der Job und somit die Lebensgrundlage verloren gehen. Befürworter der Technologie meinen allerdings, dass KI keine Bedrohung darstellt, sondern eher mehr Freiraum verschafft; dass KI nicht als Ersatz, sondern als ergänzendes Werkzeug zu sehen ist.
Das Science-Fiction-Genre lebt ja recht gut von der Idee, dass intelligente Maschinen irgendwann die Weltherrschaft erringen könnten. Für düstere Zukunftsvisionen besteht aber kein Anlass. Denn auch wenn sie so heißen: Intelligent im menschlichen Sinne sind KI-Systeme nicht. Sie lösen bestimmte Aufgaben selbstständig und das wirkt wie echtes Denken, basiert im Grunde aber nur auf Daten und antrainiertem Wissen, das den KI-Systemen von Menschen eingetrichtert wird. Je mehr Daten die KI bekommt, desto „schlauer“ ist sie. Sie lernt – auch Unterschiede und Zusammenhänge festzustellen, und sie optimiert sich selbst.
Auch immer mehr Hausgeräte sind mit KI ausgestattet, zB. Waschmaschinen, Kühlschränke oder Backöfen. Manche Gerätekategorien, wie zB. Haushaltsroboter, wären ohne maschinelles Lernen kaum denkbar. KI-Funktionen in Waschmaschinen ermitteln mit Sensoren das Gewicht der Wäsche und die Wassermenge. Sie prüfen, wie trüb die Lauge ist und dosieren das Waschmittel automatisch. Sie überwachen den laufenden Betrieb, können Fehler feststellen und auch gleich Tipps zur Behebung vorschlagen. Wasch-Programme müssen nicht mehr von Hand eingestellt werden. Es reicht die Textilien mit dem Smartphone zu fotografieren und dank gut trainierter Bilderkennung in der Waschmaschinen-App weiß das Gerät anschließend selbst, was zu tun ist. Der Kühlschrank mit integrierter Sprachsteuerung erkennt Familienmitglieder an der Stimme und schlägt Rezepte, abgestimmt auf den persönlichen Geschmack, vor. KI analysiert auch Online-Rezepte und übermittelt dem Backofen Zuhause die optimalen Einstellungen. Dank KI erkennen Backöfen mittlerweile auch welches Gericht in ihnen zubereitet wird und informieren laufend über den Garfortschritt. Und sogar beim Zähneputzen profitiert man von KI. Die Hersteller lassen nämliche tausende Testpersonen Probe putzen, entwickeln aus den Sensordaten aller Bürsten einen Algorithmus, und darauf basierend analysiert die Zahnbürste Zuhause später das Putzverhalten ihres Nutzers und gibt Tipps zur Optimierung.
Auch im Handel unterstützt KI. Ob automatische Artikelerkennung, dynamische Preisoptimierung, Bestands- und Energie-Management, Personalplanung, Kundendatenanalyse oder die Auslieferung von Waren. Ob die Entlastung von Routine- und Kontrollaufgaben, die Unterstützung bei Entscheidungen oder die Schaffung innovativer Geschäftsmodelle und damit neuer Marktchancen. Für die Kunden bedeutet das künftig u.a. ein personalisiertes und ultraflexibles Einkaufserlebnis. Klingt doch im Grunde positiv. Diverse Unsicherheiten und Sorgen darf man dennoch nicht außer Acht lassen. Wichtig wäre, dass alle Aktivitäten rund um KI transparent gestaltet und kommuniziert werden. Die Herausforderung besteht darin, eine produktive Symbiose aus den Fähigkeiten von KI und den Kompetenzen der Menschen zu entwickeln – wobei die Menschen IMMER die Kontrolle behalten müssen.

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