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Dienstag, 17. Februar 2026
Haben wir das Zuhören verlernt?

Die Kunst des Zuhörens

Über den Rand | Julia Jamy | 25.05.2025 | Bilder | |  Meinung
(© Pixabay) In einer Zeit, in der jeder seine Meinung lauter denn je kundtut, geht eine essentielle Fähigkeit verloren: echtes Zuhören. Warum wir uns diese Kunst dringend zurückerobern müssen und was dabei auf dem Spiel steht.

Ernest Heminway sagte einmal „Ich höre gerne zu. Ich habe viel vom Zuhören gelernt. Die meisten Menschen hören nicht zu.“ Ein schöner Satz und leider aktueller denn je, wie ich neulich feststellen musste. Vor kurzem verabredete ich mich nämlich mit zwei Freundinnen zum Gassi gehen. Drei Frauen, drei Hunde und ein Ziel: „einfach mal wieder quatschen“. So weit, so gut. Wir redeten darauf los, wie man das eben so macht, wenn man sich eine Weile nicht gesehen hat. Die eine schimpfte über ihre lauten Nachbarn, die andere erzählte von ihrem chaotischen Arztbesuch und ich versuchte auch irgendwo dazwischen, meinen Senf dazuzugeben. Es hat nur keiner gehört. Um ehrlich zu sein: Auch ich habe irgendwann nur noch geredet, aber nicht mehr zugehört.Wir redeten durcheinander, unterbrachen uns, verloren den Faden und irgendwann realisierte ich: Wir führten keine Gespräche mehr, sondern jede von uns hielt quasi einen Monolog. Und so witzig sich das vielleicht anhören mag, ist es aber auch ein bisschen traurig.

Seit diesem Treffen lässt mich eine Frage nicht mehr los: Haben wir das Zuhören verlernt? Bevor Sie jetzt denken: „Was genau meint sie damit?“, lassen Sie mich es kurz erklären. Ich rede nicht vom Hören an sich, sondern ich meine: echtes Zuhören. Das, bei dem man präsent ist, und zwar mit seiner ganzen Aufmerksamkeit. Doch wer macht das heute noch? Also so richtig? In einer Welt, die sich gefühlt immer schneller dreht, ist Zuhören immer mehr zur Nebensache geworden. Doch warum ist das so? Forscher der Harvard University haben herausgefunden, dass unser Gehirn uns dafür belohnt, wenn wir selbst sprechen, und zwar am liebsten über uns selbst. Kein Wunder also, dass viele lieber reden, statt wirklich zuzuhören.Dabei ist aktives Zuhören alles andere als unwichtig. Es kann sogar entscheidend sein. Harvard-Professor William Ury hat etwa untersucht, wie sich gutes Zuhören vorteilhaft in Verhandlungssituationen auswirkt. Demnach kommen gute Zuhörer schneller und effizienter zu einem guten Verhandlungserfolg als Menschen, die sich vor allem auf ihre eigenen Argumente fokussieren.

Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, wieder mehr zuzuhören. So richtig. Mit Ausreden-lassen, Nachfragen und Pausen aushalten (auch wenn sie vielleicht unangenehm sind). Denn Zuhören ist kein Trend oder kein Hype. Aber vielleicht ist es genau das, was uns fehlt. Nicht nur für entspanntere Gespräche, sondern für ein echtes Miteinander. Und wenn alles nicht funktioniert, probieren Sie es mal mit einem Hund. Die hören immer zu. Also zumindest, wenn man ein Leckerli in der Hand hat 😉

Bilder
(© Pixabay)
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