Tesla in Trouble?
Nachzulesen in der E&W 7-8/2011: Mein erstes (und einziges) Mal mit dem Tesla – eine dauerhafte Beziehung ist daraus nicht geworden.
Tesla und ich – das ist eine Geschichte mit Licht und Schatten. Seit meiner ersten Probefahrt im Model S steht für mich fest: Tesla-Fahren ist geil! Auf der anderen Seite wollte sich mir der Hype um das Unternehmen nie so recht erschließen – und mittlerweile ist wirtschaftlich gehörig Sand im Getriebe, wie der massive Wertverlust und der Einbruch der globalen Verkaufszahlen zeigen. Neuerdings braucht man sich zudem nicht mehr nur über den Firmenchef zu wundern, sondern auch über „kreative” Geschäftspraktiken des Unternehmens, wie eine Sammelklage in den USA zeigt: Demnach soll Tesla den Kilometerstand seiner Fahrzeuge manipuliert haben – allerdings nicht nach unten (wie früher von zwielichtigen Gebrauchtwagenverkäufern gerne getan), sondern nach oben…Ziemlich genau 14 Jahre ist meine eingangs erwähnte Tesla-Probefahrt nun her (und sogar bestens dokumentiert, wie der Ausschnitt aus der E&W 7-8/2011 zeigt). An meiner damals gewonnenen positiven Einstellung zur E-Mobilität hat sich seither nicht viel verändert – an meiner Einstellung gegenüber Tesla hingegen schon.
Was mich immer schon gestört hat, war (und ist) die meines Erachtens eklatante Überbewertung des Unternehmens an den Börsen – ein Paradebeispiel für die Abkopplung von der Realwirtschaft. Dazu kommen einige Ideen von Firmengründer Elon Musk, die von vielen als visionär eingestuft werden, mir jedoch ziemlich abstrus erscheinen: Beispielsweise das Projekt Hyperloop, jenes 2013 vorgestellte Verkehrssystem, bei dem man sich in Kapseln mit Highspeed durch Röhren von A nach B „schießen” lassen sollte. Oder SpaceX, die Raumfahrtsparte in Musks Business-Portfolio, die heute nicht nur der US-Raumfahrtbehörde NASA zuarbeitet und mit der Starlink-Satellitenplattform kriegsentscheidende Telekommunikations-Infrastruktur bereitstellt, sondern vor ein paar Jahren auch den Weltraumtourismus etabliert hat. Und da kommt mir – in Anbetracht der unzähligen irdischen Probleme, zu deren Lösung es nur einen Teil des Geldes bräuchte, das da aus Jux und Tollerei verbrannt wird – das sprichwörtliche Kotzen.
In den letzten Wochen und Monaten ist es für Tesla allerdings gar nicht mehr so rund gelaufen: Laut Statista ist die Marktkapitalisierung nach einem rasanten Anstieg rund um die US-Wahl auf rund 1,4 Billionen US-Dollar (1,23 Mrd. Euro) bis Ende des ersten Quartals 2025 wieder deutlich gefallen – und lag am 31. März mit knapp 850 Mrd. Euro fast 40 Prozent unter dem Wert zu Jahresende 2024.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Absatzzahlen: Laut dem europäischen Autoherstellerverband ACEA sind die Tesla-Neuzulassungen in Europa im Jänner und Februar 2025 um 49% eingebrochen (was rund 19.000 verkauften Fahrzeugen und einem Marktanteil von 1,1% entspricht). Zum Vergleich: Insgesamt legten die Neuzulassungen von E-Autos in diesem Zeitraum in Europa um über ein Viertel auf rund 255.000 zu, in Österreich sogar um fast ein Drittel auf gut 8.000. Anfang April bestätigte Tesla selbst die schwachen Verkaufszahlen: Mit ca. 337.000 Fahrzeugen lagen diese rund 13% unter dem Vorjahreszeitraum. Von Analysten werden die Rückgänge v.a. mit Musks kontroversiellem politischen Engagement begründet. Dessen ungeachtet ist Musk mit einem aktuellen Vermögen rund 420 Mrd. US-Dollar der reichste Mensch der Welt (seine beiden ersten Verfolger Jeff Bezos und Mark Zuckerberg bringen es jeweils „nur” etwa auf die Hälfte).
Nichts mit der US-Politik, dafür umso mehr mit Musks Firmenpolitik haben jene Vorwürfe zu tun, die Mitte April in den Medien kursierten: In einer Sammelklage gegen den Hersteller wird der Vorwurf erhoben, dass die Kilometerzähler manipuliert worden seien. Und es klingt im ersten Moment wahrlich skurril: Musste man früher fürchten, dass Autoverkäufer den Kilometerstand illegalerweise „zurückdrehen”, um den Wert des Fahrzeugs zu steigern, so soll Tesla genau das Gegenteil gemacht haben – damit die Fahrzeuge schneller aus der Garantie fallen.
„Indem Tesla die Garantie- und Leasingkilometergrenzen an überhöhte Kilometerstände bindet, steigert das Unternehmen seine Reparatureinnahmen, reduziert die Garantieverpflichtungen und zwingt die Verbraucher, vorzeitig verlängerte Garantien zu kaufen”, wird in der Anklageschrift festgehalten. Der Hauptkläger behauptet, dass die Kilometerzähler bei Tesla (sog. softwarebasierte Odometer) nicht die tatsächlich gefahrene Strecke anzeigen, sondern vielmehr den Energieverbrauch, das Fahrverhalten und „vorausschauende Algorithmen“ widerspiegeln. Der Kilometerzähler seines Model Y zeige mindestens 15% zu viel an, bei seiner täglichen Strecke von 20 Meilen seien es z.T. sogar 72 Meilen gewesen. Die Kläger fordern Schadensersatz und Strafschadenersatz für Tesla-Fahrer in Kalifornien – was mehr als eine Million Fahrzeuge betreffen könnte. Tesla hat alle wesentlichen Behauptungen der Klage bestritten, und auch im Netz scheiden sich die Geister, ob an den Vorwürfen tatsächlich etwas dran sein kann.
Ich persönlich kann und will über die Vorwürfe nicht urteilen, bemerkenswert finde ich aber, wie tief Autobauer – dank immer mehr Elektronik und Software – mittlerweile in die Trickkiste greifen können. Malt man sich diese Möglichkeiten aus, wirkt der VW Abgasskandel beinahe wie ein Kindergeburtstag…


Musk hat den Investoren seit vielen Jahren immer eine neue Karotte (E-LKW, E-Taxi,..) vor die Nase gehalten und man hat ihm geglaubt und zu teure Aktien gekauft. Irgendwann wird diese Masche aber nicht mehr funktionieren und man wird Tesla nach den Zahlen beurteilen, bei einem fairen KGV von 15 – 20 würde der Aktienkurs traurig aussehen.
Tesla hat sich durch die schrägen politischen Ambitionen seines Musks schlichtweg disqualifiziert.
Nicht nur in den USA, sondern auch in EU, dank AfD-Förderung und anderer Rechtsaußen-Vertreter.
Kleiner Tipp zur Recherche: Das Tesla Model S gibt es frühestens seit 2012 – es könnte vielleicht für einen erlauchten Kreis Probefahrten früher gegeben haben, aber diese erwähnte und „bestens dokumentierte“ Probefahrt im E&W 7-8/2011 kann es nicht gewesen sein – noch dazu wenn sie als erstes und einziges Mal mit dem Tesla in der Bildunterschrift genannt wird. Das Bild zeigt und die Probefahrt war wohl mit einem Tesla Roadster – ein foliertes A1 Promofahrzeug der damaligen Zeit.
Lieber User Unklar,
vielen Dank für den Hinweis – da hat mir meine Erinnerung offensichtlich ein Schnippchen geschlagen und die dürftige Beschriftung meines Foto-Archivs aus der damaligen Zeit hat die Verwirrung wohl komplett gemacht. Ändert aber nichts daran, dass die Probefahrt geil war 🙂
Beste Grüße,
Wolfgang Schalko
Also wenn ich mir ein Auto kaufe dann eines mit dem ich dann vermutlich auch zufrieden bin und nicht nach dem Hirngespinst von einem Chef dieser Marke.
Ich meine auch das über die Qualität von einem Tesla nicht diskutiert werden muß.
Und der Abgasskandal ist bei Gott kein Kindergeburtstag, wobei die Probleme bei VW sind gerade auch nicht ohne.
Den MUSK kann man ruhig schimpfen aber die Autos sind Top.
Ich habe keinen Tesla.
Ist halt meine Meinung.