Geste oder Pflicht?
(© Pixabay)
Trinkgeld gehört für viele zum guten Ton. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung und der Dankbarkeit. Doch genau diese scheinbar einfache Geste wirft in letzter immer mehr Fragen auf- auch bei mir.Vor kurzem war ich im Urlaub auf der griechischen Insel Kefalonia. Es war traumhaft schön: Glasklares Wasser, freundliche Menschen und den ganzen Tag Sonnenschein. Was will man mehr? Ein echtes Highlight war die Melissani-Höhle. Dabei handelt es sich um eine Tropfsteinhöhle, in deren Mitte sich ein See befindet – der Melissani-See. Durch ein großes Loch in der Decke scheint das Tageslicht und je nach Sonneneinstrahlung leuchtet das Wasser in den verschiedensten Farben. Um auf das Wasser zu gelangen und die Höhle zu erkunden, werden kurze Touren in kleinen Ruderbooten angeboten, jeweils mit einem Bootsführer. Unser Fahrer machte ein paar Witze auf Englisch und schoss Fotos für das Urlaubsalbum mit den Touristen. Die Stimmung war gut und da wir zur Mittagszeit dort waren, wo die Sonne am höchsten steht, zeigte sich das Wasser in den allerschönsten Farben. Doch so schnell konnten wir gar nicht schauen, war das Spektakel auch schon wieder vorbei. Die gesamte Fahrt dauerte kaum fünf Minuten. Am Ende streckte uns der Bootsfahrer demonstrativ die Hand aus und natürlich wussten alle im Boot sofort Bescheid, was das bedeutet: Trinkgeld, bitte. Die Reaktionen darauf fielen sehr unterschiedlich aus. Wir waren ungefähr zehn Leute im Boot. Etwa die Hälfte griff direkt in die Tasche und suchte nach Kleingeld. Die anderen – darunter auch ich – verzichteten. Aber warum? Nicht etwa aus Geiz, sondern es gab eigentlich zwei Gründe: Erstens habe ich unterwegs selten Bargeld dabei, weil ich fast alles mit Karte bezahle. Und zweitens: Für fünf Minuten einmal im Kreis fahren und ein paar Witze – da braucht es meiner Meinung nach schon ein bisschen mehr. Zumal wir für den Eintritt in die Höhle ja bereits gezahlt hatten.
Die Situation hat mich dennoch zum Nachdenken gebracht. Denn egal, wie man es macht – man kann eigentlich nur verlieren. Gibt man zu wenig Trinkgeld, gilt man schnell als geizig. Gibt man zu viel, wirkt man vielleicht naiv oder gar protzig. Und manchmal – wie in meinem Fall – stellt man sich die Frage: Wofür eigentlich? Generell fällt mir auf, dass sich die Diskussion um Trinkgeld in letzter Zeit zunehmend zuspitzt. Immer mehr Politiker fordern gänzlich abgabenfreies Trinkgeld. Denn durch den Trend zur Kartenzahlung tauchen Trinkgelder heute logischerweise immer häufiger in der Registrierkassa auf und sind damit auch leichter kontrollierbar. Dies wiederum führt zu teils hohen Nachforderungen seitens der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), wie aus mehreren Medienberichten hervorgeht. Die Abgaben werden teils pauschal erhoben, doch diese Pauschale variiert je nach Branche und Bundesland. Das ganze System ist meiner Meinung nach unnötig kompliziert.
Vielleicht sollten wir das Ganze wieder „entkomplizieren“. Ich glaube jeder von uns ist bereit, ein angemessenes Trinkgeld zu geben, wenn die Leistung stimmt. Denn für viele gehört es noch immer zum guten Ton. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung und der Dankbarkeit und man darf nicht vergessen, dass Trinkgeld für viele einen wesentlichen Teil des Einkommens ausmacht. Vielleicht sollte man den Beschäftigten mehr Vertrauen entgegenzubringen und ihnen selbst zu überlassen, wie sie mit Trinkgeld umgehen wollen. Die schwarz-rot-pinke Koalition hat im Regierungsprogramm jedenfalls angekündigt, die komplexen, bundesländerspezifischen Regelungen zu evaluieren und praxistauglich zu gestalten. Es bleibt also spannend…

Wer Trinkgeld mit Karte gibt, ist selber schuld, wenn Wien und Brüssel einen
Teil davon abkassieren
Der Staat, ein Fass ohne Boden.
Auch Trinkgeld muß man sich verdienen. So wie bei dir wurde die Gruppe nur abgefertigt und aus. Also eher kein Trinkgeld. Man erwartet sich ja wenigstens einen Standart als Leistung und gibt ja dann schon etwas. Besondere Aufmerksamkeit, gute Bedinung, nette Worte oder sich einfach mehr Zeit für den kunden zu nehmen und schon wird es höher. Freundlichkeit zahlt sich immer aus 🙂