Rekordhoch an Firmeninsolvenzen
Im ersten Halbjahr 2025 stiegen die Firmeninsolvenzen um 8,9% auf 3.662 Verfahren an. (© Creditreform)
Wie der Gläubigerschutzverband Creditreform informiert, steuert Österreich bei den Firmenpleiten auf ein weiteres Rekordjahr zu. So stiegen die Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr um 8,9% auf 3.662 Verfahren an. Die Zahl der eröffneten Verfahren stieg dabei um 3,4% auf rund 2.170.„So viele Insolvenzen gab es noch nie in der Geschichte der 2. Republik. Die Stimmung bei den Unternehmen ist am Tiefpunkt und immer weniger meistern die Herausforderungen. Nun sind rasche Lösungen gefragt, die den Wirtschaftsstandort und die Wettbewerbsfähigkeit stärken“, sagt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des bevorrechteten Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform. Laut einer Creditreform Umfrage vom Frühjahr unter 1.400 österreichischen Unternehmen ist das Geschäftsklima der heimischen Unternehmen das zweite Mal in Folge sogar negativer als am Höhepunkt der Pandemie. Die Mehrzahl der Unternehmen berichtet von rückläufigen Aufträgen, sinkenden Erträgen und einer sehr geringen Investitionsbereitschaft. Die Insolvenzpassiva beliefen sich auf rund 5 Mrd. Euro. 8.000 Arbeitsplätze sind betroffen.
Bundesländervergleich
Den stärksten Zuwachs verzeichneten Tirol (+29,4%), Salzburg (+24,2%) und Wien (+14,6%). Hingegen sanken die Insolvenzen in Vorarlberg (-20,2%), im Burgenland (-15,0%) und in Niederösterreich (-4,4%). Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in der Bundeshauptstadt mit fast 17 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen, die geringste in Vorarlberg mit 5 von 1.000 Unternehmen. Generell sind Unternehmen laut Creditreform im Osten stärker insolvenzgefährdet. Österreichweit müssen rund 10 von 1.000 Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen.
Wie Creditreform weiter informiert, dürften die beiden wichtigsten Branchen für die allgemeine Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung Sachgütererzeugung/Industrie und Bauwesen das Schlimmste überstanden haben. In der Sachgütererzeugung sanken die Insolvenzen um 2,7%, im Bau sogar um fast 10%, auch wenn dieser mit 22 Insolvenzen je 1.000 Branchenunternehmen nach wie zu den Top 3 der am stärksten betroffenen Branchen zählt.
Handel am stärksten betroffen
Die meisten Insolvenzen wurden im Handel (642), in den Unternehmensbezogenen Dienstleistungen (617) und im Bauwesen (539) angemeldet. Die größte relative Insolvenzbetroffenheit herrschte im Transportwesen mit jeweils 26 Insolvenzen von 1.000 Branchenunternehmen, gefolgt von der Branche Kredit- und Versicherungsvermittlung mit knapp 25 von 1.000 Branchenunternehmen. „Seit dem Ende der Corona-Pandemie ist eine Insolvenzwelle über Österreich hereingebrochen und dauert weiter an. Jeden Tag verlieren immer mehr Unternehmen den Kampf gegen die Wirtschaftslage mit hohen Preisen und rückläufiger Nachfrage“, so Weinhofer. Für 2025 rechnet Weinhofer mit einem Rekordjahr mit mehr als 7.500 Firmeninsolvenzen – so viele wie noch nie in der 2. Republik.
Privatinsolvenzen sinken weiter
Die Situation bei den Privatinsolvenzen hat sich hingegen etwas verbessert. So sank die Gesamtzahl der Privatinsolvenzen im ersten Halbjahr weiter um 0,6% auf 4.975 Verfahren. Das sind um rund 740 Insolvenzverfahren weniger als im Vor-Pandemie-Jahr 2019. Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ging sogar um 2,5% auf rund 4.500 zurück, während die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzen um 21,7% auf 477 Verfahren ansteigen. „Trotz zahlreicher Unternehmensschließungen und Firmeninsolvenzen und weiterhin steigender Preise des täglichen Bedarfs haben sinken die Privatinsolvenzen. Die Österreicherinnen und Österreicher erweisen sich als weniger insolvenzgefährdet als vor der Pandemie“, so Weinhofer abschließend.



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