Temu und die Post vertiefen Zusammenarbeit. WKW warnt.
Bereits seit 2023 arbeiten die österreichische Post und Temu zusammen. Gemeinsam soll nun ein „ein praktischer Abhol- und Zustelldienst“ eingeführt werden, „um das Einkaufserlebnis für Verbraucher weiter zu verbessern“, wie es heißt, und während Temu immer mehr Fuß fasst in Europa, warnt die Wiener Wirtschaftskammer vor Einkäufen auf der China-Plattform...Temu, der China-Billig-Online-Marktplatz, wird heuer gemeinsam mit der österreichischen Post „einen praktischen Abhol- und Zustelldienst (PUDO) einführen und damit das Einkaufserlebnis für Verbraucher weiter verbessern“, wie die beiden Unternehmen in einer Aussendung informieren. Temu und die Österreichische Post arbeiten bereits seit 2023 „eng zusammen“ und planen zudem, ihre Partnerschaft auf neue Märkte wie Ungarn und Bulgarien sowie weitere Länder auszuweiten.
„Wir freuen uns, unseren PUDO-Service nun auch weiteren Temu-Kunden anbieten zu können“, so ein Sprecher der Österreichischen Post. „Neben der Bereitstellung zuverlässiger und flexibler Zustelldienste in Österreich freuen wir uns darauf, unsere Zusammenarbeit auf andere Regionen auszuweiten.“
Die Österreichische Post ist ein internationaler Post-, Logistik- und Dienstleistungsanbieter mit mehr als 27.000 Beschäftigten in Eurasien. Temu ist seit seiner Gründung im September 2022 auf über 90 Märkte weltweit expandiert und bietet, wie der Onlinehändler selbst formuliert, „eine große Auswahl an Produkten zu wettbewerbsfähigen Preisen“. Nur zur Erklärung: Temu zählt seit zu den weltweit am häufigsten heruntergeladenen Apps und ist die zweitmeistbesuchte E-Commerce-Website.
Europäische Händler eingeladen
Temu hat kürzlich damit begonnen, lokale Verkäufer aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien auf seine Plattform einzuladen. Die Abwicklung soll dabei „über lokale Lagerhäuser“ erfolgen. Das Unternehmen erwartet, dass künftig bis zu 80% des Umsatzes aus diesem Local-to-Local-Modell stammen werden. „Dadurch erhalten Kunden eine größere Auswahl und schnellere Lieferungen und lokale Unternehmen werden unterstützt. Europäische Verkäufer haben zudem die Möglichkeit, globale Märkte zu erreichen“, wirbt Temu und ergänzt: „Eine zuverlässige und flexible Logistik ist entscheidend für das Kundenerlebnis. Durch die Zusammenarbeit mit der Österreichischen Post erweitern wir unsere Fulfillment-Kapazitäten in Eurasien und können unseren Kunden noch mehr Lieferoptionen bieten“, so ein Sprecher der China-Plattform.
Wiener Handel warnt vor Einkäufen bei Billig-Online-Shops
Während Temu immer mehr Fuß fasst in Europa und auch Österreich, warnt die Wirtschaftskammer Wien vor Einkäufen bei Billig-Online-Shops.
Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft im Auftrag der Wirtschaftskammer kaufen sieben von zehn Wienern (68 %) regelmäßig online ein. Besorgniserregend ist dabei aus Sicht der Wirtschaftskammer Wien die wachsende Dominanz asiatischer Online-Plattformen.
Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien, verweist darauf, dass von den knapp zwei Milliarden Euro, die im Vorjahr online ausgegeben wurden, rund 65 % an ausländische Anbieter flossen. Nur 35 % blieben bei heimischen Shops – eine Entwicklung, die sich fortsetzt: „Online-Shopping ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, doch jedes Paket, das aus dem Ausland kommt, ist auch eine verpasste Chance für unsere heimischen Händler. Der Großteil der Online-Umsätze fließt nahezu ohne Wertschöpfung ins Ausland. Dadurch verlieren wir hierzulande tausende Arbeitsplätze sowie Steuereinnahmen in Millionenhöhe.“
Vier von zehn Wienern haben im letzten Jahr bei asiatischen Billig-Online-Shops gekauft
Amazon ist mit einem Marktanteil von 57 % zwar weiterhin klarer Spitzenreiter im Onlinehandel, doch insbesondere chinesische Plattformen holen rasant auf. Bereits 42 % der Wiener haben in den letzten zwölf Monaten bei einem Anbieter aus China bestellt. Temu liegt mit einem Nutzeranteil von 31 % an der Spitze, gefolgt von Shein mit 20 %, AliExpress mit 13 % und Wish mit 10 %. Hochrechnungen zufolge wurden allein im vergangenen Jahr sieben bis neun Prozent der gesamten Online-Ausgaben bei diesen Plattformen getätigt.
Besonders stark betroffen ist der Bereich Kleidung, Schuhe und Accessoires: Fast jede zweite Person kauft diese Produkte online. Auch Möbel, Gartenartikel, Bücher sowie Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel werden zunehmend digital bestellt. Selbst im Lebensmittelbereich zeigt sich mit 19 % eine wachsende Online-Affinität.
Achtung bei billiger China-Waren
Ein zentrales Problem sei die aggressive Bewerbung dieser Billig-Plattformen über Social Media, insbesondere an eine junge Zielgruppe. „Gerade junge Menschen werden mit vermeintlichen Schnäppchen geködert, dabei sind viele dieser Produkte alles andere als harmlos“, warnt Gumprecht. „Die vermeintlich günstigen Preise täuschen: Oft werden gesetzliche Vorgaben gezielt umgangen. Viele der angebotenen Produkte entsprechen weder europäischen Sicherheitsanforderungen noch sind sie ausreichend gekennzeichnet.
Ein wesentlicher Kritikpunkt ist auch die schwierige Rückabwicklung: Auf vielen Plattformen sind Retouren entweder gar nicht möglich oder nur gegen hohe Zusatzkosten. In der Folge werden unpassende oder mangelhafte Produkte häufig entsorgt, anstatt sie zurückzusenden. Das führt in Österreich jedes Jahr zu mehreren tausend Tonnen zusätzlichem Müll – mit erheblichen Umweltauswirkungen und Belastungen für die Allgemeinheit. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass billig automatisch günstig ist“, betont Gumprecht. „Was auf den ersten Blick wie ein Schnäppchen wirkt, kann langfristig hohe Kosten verursachen – für Konsumenten, für die Umwelt und für die Gesellschaft insgesamt.“
Die günstigen Preise entstehen meist durch den Direktversand aus China ohne Zwischenlager. Zwar bedeute das oft deutlich längere Lieferzeiten, so Gumprecht, doch viele nehmen diese Verzögerung zugunsten eines niedrigeren Preises in Kauf.
Gumprecht appelliert an die Konsumenten, beim Online-Einkauf auf seriöse, faire und möglichst regionale Anbieter zu achten: „Der heimische Handel steht für Qualität, Transparenz, faire Arbeitsbedingungen und Steuerleistung vor Ort. Wer lokal kauft, stärkt nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern profitiert auch von persönlicher Beratung, zuverlässigem Rückgaberecht und geprüfter Produktsicherheit.“
Verstärkte Marktüberwachung und einheitliche Produktsicherheitsstandards gefordert
Neben der vorzeitigen Abschaffung der EU-Zollfreigrenze von 150 Euro spricht sich die Wiener Handelsobfrau auch für eine verstärkte Marktüberwachung, einheitliche Produktsicherheitsstandards und verpflichtende Berichtspflichten für ausländische Online-Marktplätze aus. „Die Konsumentensicherheit darf nicht an nationalen Grenzen enden. Wer in Europa verkaufen will, muss sich auch an europäische Regeln halten“, so Gumprecht.
Wirksame Regulierungen für geplante Temu-Lebensmittelverkäufe
Die Handelsobfrau verweist zudem auf einen wachsenden Trend, der aus ihrer Sicht höchst kritisch zu sehen ist: Temu plant künftig auch Lebensmittel nach Europa zu liefern. Angesichts der bislang niedrigen Standards bei Produktqualität, Sicherheit und Kennzeichnung wäre dies aus Sicht der Konsumentensicherheit höchst bedenklich. „Wenn Plattformen, die bereits bei Textilien durch gefährliche Chemikalien auffallen, nun auch in den sensiblen Lebensmittelbereich vordringen, dann ist das ein klares Alarmsignal“, so Gumprecht. Hier brauche es dringend wirksame Regulierungen zum Schutz der Verbraucher.



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