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Montag, 16. Februar 2026
Hintergrund-Kommentar E&W 09/2025

Die hässliche Fratze des schönen Scheins

Wolfgang Schalko | 31.08.2025 | Bilder | | 1  Meinung
Herbstzeit ist Messezeit. Und so wie die Blätter an den Bäumen erstrahlen die Produktbeschreibungen und Marketingtexte in diesen Tagen besonders bunt. Was – ebenfalls alle Jahre wieder – die Frage aufwirft, ob das zielführend ist. Unsäglicherweise zieht diese übertriebene Form der Schönfärberei leider immer weitere Kreise.

Das Ganze funktioniert in zwei Richtungen: Die eine ist das aus diversen Marketing- und PR-Schmieden stammende Herumschleudern mit immer hochtrabenderen Superlativen, mit der die Besonderheit oder herausragende – besser: überragende – Qualität von Produkten verdeutlicht – besser: völlig außer Zweifel – gestellt werden soll. Rund um die IFA-Neuheiten – bahnbrechende Innovationen, versteht sich – ist diesbezüglich wieder mit jeder Menge Nachschub zu rechnen. Randnotiz: Der Einsatz von KI macht’s (noch) nicht besser.

Die andere Richtung macht seit einiger Zeit in diversen Diskursen u.a. als „Framing” Schule, kann in übersteigerter Form sehr schnell wie Realitätsverweigerung wirken und ist im Grunde das Gegenteil von Tacheles reden. Es wird „herumgeeiert” in bekannten Phrasen wie: Es gibt keine Probleme, höchstens eine Herausforderung oder ein Thema, noch besser eine Challenge oder ein To-do – die Verwendung diverser Anglizismen soll hier noch zusätzlich verharmlosend wirken. Allerdings kann dieser Schuss auch ganz schnell nach hinten los gehen – nämlich dann, wenn sich das Gegenüber nicht für voll genommen oder gar verarscht vorkommt.

NATÜRLICH GIBT ES PROBLEME AUF DIESER WELT!! SEHR VIELE UND SEHR MASSIVE SOGAR!! Die Endung „–chen” irgendwo hinten dranzuhängen bzw. die Aussage in eine Fremdsprache zu übersetzen macht Probleme nicht weniger schlimm – ebenso wenig wie diese verschwinden, nur weil man nicht darüber spricht. Was es braucht – und vielen Unternehmen leider abhanden gekommen ist – ist eine Fehlerkultur. Sprich, dazu zu stehen, dass nicht immer alles glatt laufen kann – aber dann im Fall der Fälle rasch und ernsthaft an einer für alle Seiten befriedigenden Lösung zu arbeiten. Noch eine Randnotiz: Das bedeutet auch, für entsprechende Kompetenzen bei den Mitarbeitern (und natürlich ebenso bei den Führungskräften) zu sorgen und diesen eine entsprechende Selbstbestimmung – in diesem Fall gleichbedeutend mit Verantwortung und Wirkmacht – zuzugestehen. Etwas weiter gesponnen – und gerade Medien betreffend – geht es auch um Gesprächskultur. Man darf – da wie dort – getrost davon ausgehen, dass nicht immer alles lustig oder angenehm ist. Aber das (Berufs-)Leben ist bekanntlich kein Ponyhof.

Das sind Messebesuche auch nicht, dafür jedoch umso mehr eine Gelegenheit, auf direktem Wege Dinge an- und auszusprechen. Das ist vielleicht nicht schön, aber gut. Und es soll ja nicht hässlich werden.

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Kommentare (1)

  1. Ui, da ist jemand sauer! Und das scheinbar zu Recht. Freilich: Um wirklich Tacheles zu reden resp. zu schreiben, hätte man vielleicht mehr in die Tiefe gehen müssen, indem man auch die Namen jener nennt, die angeblich Schönfärberei betreiben. Aber klar: Sogar eine E&W kann sich’s nicht ohne Weiteres leisten, womöglich potenzielle Inserenten zu vergrämen. Trotzdem seid Ihr mit solchen Kommentaren auf dem richtigen Weg, quasi wieder im Fahrwasser des seligen HJR. Schließlich hat sie ja damals auch funktioniert, die Quadratur des Kreises – nämlich Missstände aufzudecken, den EFH durch Klartext zu unterstützen und von den Lieferanten dennoch respektiert zu werden. Woran das wohl gelegen sein mag…? 😉

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