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Dienstag, 10. März 2026
Telekom-Kommentar E&W 9/2025

Leistungssprünge

Telekom | Dominik Schebach | 31.08.2025 | Bilder | | 1  Meinung
Die Tonfolge Ding-ding-ding-dong samt nachfolgenden Gepfeife war für viele von uns der erste Zugang ins Internet mit dem Home-PC. Heimlich schnell ins Internet einzusteigen, während die Freundin nebenan die neueste Serie am TV sah, war da nicht möglich. Einerseits, weil die Modems einen Riesenkrach machten, andererseits, weil schnell ging da gar nichts.

Die angepriesenen 56 kbit / s waren eher ein ambitioniertes Ziel, denn eine reale Größe. Angesichts dieser nostalgischen Erinnerungen war ich ob eines Blog-Beitrags aus den USA sehr verwundert. Dort schrieb ein Tech-Blogger vom anstehenden Ende des Einwahldienstes bei AOL – ebenfalls eine Institution aus den Frühzeiten des Webs. Ende September will der US-Provider seinen Einwahldienst abschalten. Ich war eigentlich überzeugt davon, dass es so ein Angebot gar nicht mehr gibt. Aber offensichtlich wird dies in dünnbesiedelten Gebieten der USA, wo weder ein vernünftiges Mobilfunknetz noch ein DSL-Angebot verfügbar und Satellit zu teuer ist, noch immer benutzt. Noch größer war meine Überraschung, als ich eine Anfrage an A1 richtete, ob es denn in Österreich noch Derartiges gebe. Wie mir mitgeteilt wurde, gibt es bei A1 tatsächlich noch einen Einwahldienst. Der allerdings kaum mehr genutzt und dessen Einstellung evaluiert werde.

Wie mir mitgeteilt wurde, gibt es bei A1 tatsächlich noch einen Einwahldienst. Der allerdings kaum mehr genutzt und dessen Einstellung evaluiert werde.

D.h. die Masse der User hat diese Technologie längst hinter sich gelassen. Der Grund für das Verschwinden der Einwahldienste liegt auf der Hand. In den vergangenen 30 Jahren hat sich einiges getan. So hat sich die Übertragungsrate um das 18.000-fache beschleunigt – und wir sind in dieser Hinsicht sicher noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt. Das Zeitalter der allgemein verfügbaren 1 GB-Anschlüsse z.B. via Glasfaser ist schon da und die Entwickler reden bereits über 10 GB-Technologien. Damit hat sich auch die Internet-Erfahrung geändert. Was mit grob gepixelten Grafiken und textlastigen Seiten begonnen hat, präsentiert sich heute als Multimedia-Erfahrung. Und dank der immer fetteren Daten-Pipeline werden auch immer anspruchsvollere Anwendungen praktikabel. VR/AR-Applikationen, welche bisher an den verfügbaren Daten scheiterten, sind damit ebenso greifbar wie immer leistungsfähigere KI-Assistenten. Doch manchmal drängt sich mir der Gedanke auf, ob immer mehr auch immer besser heißt.

Viele IT-Probleme werden heute mit Rechenleistung und Datenmenge erschlagen. Dass mehr möglich ist, haben ausgerechnet die US-Sanktionen gegen China gezeigt. Nachdem die USA die Ausfuhr der neuesten KI-Chips in die Volksrepublik verboten hatten, waren die chinesischen Entwickler gezwungen, bei ihren KI-Modellen mehr auf Effizienz und Effektivität zu achten. Das Ergebnis ist bekannt. Das KI-Modell von DeepSeek kann trotz des geringeren Ressourceneinsatzes mit den führenden US-Modellen mithalten. Dass nach dieser Erfahrung von chinesischer Seite die Bitte vorgetragen worden sei, doch auch die Fußballnationalmannschaft der Herren zwecks Leistungsverbesserung zu sanktionieren, ist eine unbelegte Anekdote – zeigt aber: Man kann auf dem potenziell größten Spielerpool der Welt sitzen und trotzdem nichts weiterbringen, wenn man nicht das notwendige Hirnschmalz investiert und die richtigen Prioritäten setzt. Dagegen lässt sich mit der richtigen Motivation und einem intelligenten Ansatz mehr aus den verfügbaren Ressourcen herausholen. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, sonst werden die nächsten Leistungssprünge bei der Übertragungstechnologie in der Praxis deutlich kürzer ausfallen, als uns auf dem Papier versprochen wird.

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