FEEI: Wettbewerbsfähigkeit muss wiederhergestellt werden
FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun und FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch sehen die heimischen Industrie wegen hoher Zinsen, teurer Energie und steigenden Lohnkosten weiter unter Druck.
Bei seiner heutigen Jahrespressekonferenz hat der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie eine zentrale Botschaft. Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie muss wiederhergestellt werden. Nach einem schwierigen Jahr 2024 steht die Branche auch 2025 unter Druck.Die Rezession hat sich 2024 auch in der EEI fortgesetzt. Neben den schwierigen internationalen Rahmenbedingungen sorgten allerdings auch die schon bekannten Standortfaktoren wie hohe Energiepreise, hohe Lohnkosten sowie eine überbordenden Bürokratie für Rückgänge in der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie. „Erstmals seit dem Jahr 2020 hatten wir negative Vorzeichen vor allem Kennzahlen“, erklärte dazu FEEI-GF Marion Mitsch.
So sank im Vergleich zum Jahr 2023 der Produktionswert um 4,4% auf 23,43 Mrd. Euro. Die Auftragseingänge brachen 2024 das zweite Mal in Folge ein, und zwar um 5,0%. Besonders deutlich zeigte sich laut Mitsch die angespannte Lage bei der Beschäftigung: Gab es 2023 noch ein Beschäftigungsplus, sank die Anzahl der Mitarbeiter:innen 2024 um 2,2% (Eigenpersonal) – das sind rund 1.600 Beschäftigte weniger als im Vorjahr. Werden Eigen- und Fremdpersonal gemeinsam betrachtet, beträgt die Zahl der 2024 abgebauten Stellen mehr als 2.800.
Die Zahlen für das Q1/2025 belegen die anhaltend schwierige Situation. Im März 2025 lag der Produktionswert weiterhin 4,0% unter dem Vorjahreswert. Der Gesamtumsatz ging um 3,5% zurück – besonders im Bereich der Auslandsumsätze. Auch die Zahl der Beschäftigten sank nochmals um 2,8% im Vergleich zum Vorjahr. Einzig die kumulierten Auftragseingänge verzeichneten in den ersten 3 Monaten des Jahres 2025 erstmals steigende Werte (März 2025: +8,0 %).
Regierung gefordert
Trotz dieses positiven Signals erscheint eine langfristige Trendwende vorerst unwahrscheinlich. Dazu seien die Rahmenbedingungen am Weltmarkt derzeit zu wechselhaft, wie auch FEEI-Obmann Wolfgang Hesounergänzt: „2024 sehen wir die Auswirkungen der vergangenen Jahre deutlich. Die Arbeitskosten liegen in Österreich EU-weit an der dritten Stelle. In Kombination mit äußeren Faktoren wie den kürzlich verhängten US-Zöllen zieht sich die Schlinge weiter zu. Es darf nicht verwundern, dass immer mehr Betriebe aus Österreich abwandern.“
Er sieht deswegen die österreichische Regierung gefordert, mit einer entsprechenden Industriestrategie gegenzusteuern. Dazu brauche es eine rasche Entlastung der heimischen Unternehmen im Bereich der Energiekosten, den Abbau der Bürokratie und gezielter Investitionsanreize. In diesem Zusammenhang hofft Hesoun auch, dass die Bundesregierung nun die lange Pause bis zu den nächsten Wahlgängen in Österreich nutze, um tiefgreifende Strukturreformen anzugehen – bis hin zu einer Reform der föderalen Strukturen.
Europe first
Dass die Zusammenarbeit zwischen EEI und Politik gelingen kann, machen Erfolge der letzten Jahre rund um den European Chips Act und den „Made in Europe“-Bonus deutlich. Letzterer zielt nicht nur darauf ab, dass die Energiewende gelingt, sondern setzt auch den Fokus auf europäische Produkte und damit auf europäische Wertschöpfung. Das wiederum stärkt die strategische Autonomie und reduziert Abhängigkeiten von anderen Machträumen. „Die Fokussierung auf den Wirtschaftsstandort Österreich bzw. Europa wird in Zeiten fragiler werdender Handelsbeziehungen und weiter andauernder Konflikte und Kriege immer bedeutender. Auf unseren bisherigen Allianzpartner USA ist kein Verlass mehr – im Gegenteil: Die US-Regierung treibt ihre Handelspartner mit ständig neuen Vorgaben und Androhungen vor sich her. Für die Unternehmen in Europa wird das wirtschaftliche Handeln zunehmend unsicher, unplanbar und unzuverlässig – und damit zeit- und kostenintensiver“, so Hesoun. Er verweist deswegen auf die Notwendigkeit der Vertiefung des EU-Binnenmarkts.
Fachkräftemangel
Die derzeitigen Rahmenbedingungen führen allerdings auch zu einer paradoxen Situation. Trotz des punktuellen Stellenabbaus in der Branche bleibt der Mangel an Fachkräften bestehen. FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch begründet dies vor allem damit, mit der Zukunftsorientierung der Branche: „Die Elektro- und Elektronikindustrie liefert Technologien und Produkte, um die Digitalisierung und Dekarbonisierung voranzutreiben. Sie sichert die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur. Sie liefert Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen. Deswegen ist ein konstanter Aufbau qualifizierte Arbeitskräfte mit fundiertem Knowhow essenziell.“
Um die Fülle der spannenden Ausbildungen und Jobs in dem Bereich an die Jugend zu vermitteln, hat der FEEI gemeinsam mit Branchenpartnern bereits im Herbst 2023 die Kampagne #JoinTheFuture ins Leben gerufen. Steigende Lehrlingszahlen belegen, dass Aktivitäten wie diese sehr erfolgreich sind und Wirkung zeigen. Gab es 2022 in der Elektro- und Elektronikindustrie 1.156 Lehrlinge, so stieg diese Zahl 2024 bereits auf 1.327, was einer Steigerung von fast 15% entspricht.

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