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Montag, 16. Februar 2026
Stimmen aus der Branche

CECONOMY-Übernahme: „Stehen überwältigende Umwälzungen bevor“

Hintergrund | Dominik Schebach | 05.09.2025 | |  
JD.com drängt nach Europa. Der chinesische Online-Konzern will mehr als zwei Milliarden Euro für MediaMarkt-Mutter CECONOMY locker machen. JD.com drängt nach Europa. Der chinesische Online-Konzern will mehr als zwei Milliarden Euro für MediaMarkt-Mutter CECONOMY locker machen. Das Übernahmeangebot von JD.com an die MediaMarkt-Mutter CECONOMY sorgt für Aufsehen. Wir haben dazu auch Vertreter der heimischen Branche befragt. Lesen Sie hier einige Statements, die es nicht mehr in die Cover-Story der E&W 9/2025 geschafft haben.

Man muss sagen, dass sich viele Unternehmen derzeit noch nicht zu einer möglichen Übernahme von MediaMarkt-Mutter CECONOMY durch den chinesischen Online- und Logistikkonzern JD.com äußern wollen. Derzeit warten die meisten Vertreter der Hersteller in dieser Hinsicht noch ab. Sehr häufig erhielten wir für unsere Frage eine Antwort gemäß dem Motto: „bei dieser Anfrage unten bitten wir um Verständnis, dass wir diesen Vorgang nicht kommentieren.“

Kein Blatt vor den Mund nimmt sich dagegen Christoph Lang, VL und Prokurist Witt: „Ich denke, es wird sich vorläufig nichts ändern. Sobald sich die Chinesen jedoch einen Überblick gemacht haben, wird Marktanteil das Thema Nr. 1 sein – koste es was es wolle. Das wird der Fachhandel in Österreich spüren. Aber in Österreich wird es nicht ganz so schlimm werden – sie werden versuchen (und das um jeden Preis – wir kennen doch bereits alle wie Chinesen einen Markteintritt machen – jahrelang investieren, Marktanteil schaffen und dann verdienen) Online speziell dem großen A…. so viel wie möglich abzugraben – das werden dann auch die österreichischen Onliner spüren.

In den Ländern, in denen MediaMarkt nicht ohnehin schon Nr. 1 ist (nicht in Österreich, aber in Holland, Belgien) werden sie den Markt torpedieren. Wir als Witt werden in Österreich weitermachen wie bisher, mit dem Fokus auf den Fachhandel. MediaMarkt ist ja jetzt schon immer mehr auf chinesische Marken konzentriert – TCL / Dreame / Roborock, um nur ein paar zu nennen.“

Mario Bauer, M. Bauer ElektrovertriebsgmbH sieht ebenfalls eine gewaltige Umwälzung auf den Markt zukommen: „In einer globalisierten Welt ist diese Übernahme ein einwandfreier Vorgang. Die Fragen dahinter sind sehr groß und könnten ausschließlich von einer kompetenten, politischen EU-Führung beantwortet werden (welche wir nicht haben). Ich persönlich finde es nicht gut, dass europäische Vorzeigeunternehmen ohne Not ihr Familiensilber verkaufen. Aber die Chinesen zeigen uns wie „Kolonialisierung“ im 21. Jahrhundert funktioniert…. so dreht sich Geschichte um. Noch 1900 standen die Europäer in Peking und es wurde geschossen – die Chinesen machen es nun schlauer. Ich denke, hier stehen überwältigende Umwälzungen bevor.“

Ein treuer E&W-Leser, der namentlich nicht genannt werden möchte, sieht allerdings auch Chancen für die heimische Branche: „Ich finde das ganz ehrlich gut! JD.com ist ein TOP Weltkonzern, am absoluten letzten Stand der Technik, mit viel Knowhow im Supply Chain Management und digitalen Plattformen. Mit Ausnahme von Amazon und ansatzweise der Unito haben wir so einen Player nicht in unserem Markt.

Unabhängig davon habe ich große Hochachtung vor der Gründungsgeschichte! 1998 von einem 25-jährigen als Multimedia-Einzelhändler gegründet, fünf Jahre später bereits 12 Standorte und 2023 153 Mrd. USD Umsatz!“

Der Branchen-Insider stellt dann auch die Bereitschaft von JD.com, in den europäischen Markt zu investieren, in den Vordergrund und betont die Vorteile, die ein starker Online-Konzern mit regionalen Touchpoints bieten könnte: „JD.com investiert über 2 Mrd. in den Ankauf von Ceconomy und sicher nochmals einen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau der Supply Chain und der Digitalisierung. Das ist selbst für JD.com kein Kleingeld. Wir dürfen davon ausgehen, dass dies ein wohl überlegter Schritt, mit dementsprechendem paneuropäischen Expansionsplan ist.

Ohne die hier ansässige Industrie bzw. die in Europa etablierten Marken kann kein Händler reüssieren. Ich freue mich sehr über die Stärkung einer europäischen Handelskette mit Flächenpräsenz, denn die Alternative wäre gelb und kommt aus den USA ist das besser? Der onlineaffine Kunde ist nicht mehr wegzudiskutieren und wir können entscheiden, ob wir den österreichischen Online-Umsatz selbst machen, oder von außen nach AT beliefern lassen

Eine lokale Repräsentanz stärkt damit auch unsere lokale Niederlassung mit österreichischen Ansprechpartnern. Der Verbleib der Gründerfamilie Kellerhals mit 25,4% ist für mich ebenfalls ein sehr positives Signal und die Garantie einer langfristig orientierten, partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die auf den Erhalt von stationären Flächen setzt.

Dieser Touchpoint ist gut und wichtig für alle Endverbraucher und auch für einen innovativen Markenhersteller. Eine zweite treibende Kraft im digitalen Plattformbereich, die nicht Amazon oder Google heißt, tut uns Konsumenten wie auch Herstellern ganz gut, denke ich.“

Mehr zur geplanten Übernahme von MediaMarkt-Mutter CECONOMY durch JD.com lesen in der Cover-Story der aktuellen Ausgabe unter dem Titel „Übernahmeziel MediaMarkt“.

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