Wie verrückt ist die Welt!
Die moderne Menschheit: Jeder lebt sein Leben, hat seinen Alltag, wurschtelt sich durch. Kaum jemand hinterfragt die Dinge, die wir tun. Jeder akzeptiert, was uns andere, aber auch wir uns selbst oktroyieren. Doch tritt man einen Schritt zurück und betrachtet uns von außen, dann sieht man, wie verrückt unsere Gesellschaft geworden ist …Es beginnt mit den alltäglichen kleinen Widersprüchen. So reden wir alle vom CO₂-Fußabdruck, aber für 19,99 Euro fliegen dann doch alle nach Mallorca. Wir streben nach Minimalismus und sagen „Ich brauche nichts“ – außer natürlich die 17 Amazon- und Temu-Pakete von letzter Woche. Die Menschen wollen weniger online sein, reden von Digital Detox, aber tragen Geräte, die jede Sekunde vibrieren und uns an etwas erinnern. Die Menschen fahren ins Kloster, um „digital zu entgiften,“ und posten es dann live auf Instagram. Wir reden von einem selbstbestimmten Leben, lassen uns jedoch von Körperwaagen und Fitnessuhren geißeln.
Von Netflix über Amazon und JOYN – wir haben zehn Streaming-Abos gleichzeitig, und trotzdem finden wir „nichts zum Schauen“. Wir kaufen Billigmode, aber tragen T-Shirts mit dem Aufdruck „Save the Planet“. Um Ruhe und Abstand zu finden, nutzen wir Meditations-Apps, die uns dann Push-Benachrichtigungen senden: „Entspann dich JETZT!“ Apps sagen uns auch, wann wir schlafen, und Kühlschränke was wir essen sollen.
Essen wird heute zuerst fotografiert und auf diversen Kanälen geteilt, um es dann kalt runterzuwürgen. Chia, Matcha, Goji – wir kaufen exotisches Superfood, das weiter gereist ist, als wir jemals selbst, und das alles kann. Dass ein Apfel aus dem Garten dasselbe bringt, weiß keiner. Wir kaufen Wasser mit „natürlichem Geschmack“ um 2,50 Euro – also eigentlich Leitungswasser mit Marketing. Wir kaufen Multi-Gemüseschneider und Foodprozessoren, um Zeit zu sparen, und verbringen dann Stunden damit, die passenden Aufsätze und Klingen zu suchen und das Gerät richtig zusammenzubauen. 
Alle haben Echtzeit-Verkehrsinfos und trotzdem stehen wir gemeinsam im Stau. Wir quälen uns 30 Minuten im Fitnessstudio auf dem Laufband, um dann mit dem SUV die 500 Meter nach Hause zu fahren. Wir sind extrem „unbeweglich“ geworden und haben dadurch ein schlechtes Gewissen, aber anstatt das zu ändern und täglich eine Runde im Freien zu drehen, tragen wir Fitness-Tracker, die stolz jeden Schritt ins Bad und in die Küche zählen.
Menschen verkaufen ihre großzügige Wohnung samt Inventar und ziehen in ein „Tiny House“, um dann tonnenweise Stauraum-Lösungen bei IKEA zu bestellen. Apropos Haus – dieses wird durch und durch smart, egal ob sinnvoll oder nicht. „Alexa, mach das Licht aus!“ – „Ich habe dich nicht verstanden“ – „Alexa, mach …!“ – schlussendlich steht man im Dunkeln und schreit ein Kasterl an, anstatt einfach selbst den Lichtschalter zu betätigen.
Man meldet sich irgendwo für 10% Rabatt an und erhält dafür 365 Tage Spam. Wir vertrauen wildfremden Sternchen-Bewertungen mehr als dem Rat von Freunden. Tiere werden zum Lifestyle. So ist ein Hund kein Hund mehr, sondern „mein pelziger Mitbewohner“, mit GPS-Tracker und eigenem Instagram-Account, während wir selbst unsere Passwörter noch immer handschriftlich auf Zettel schreiben.
Alle wollen in die unberührte Natur, regen sich dann aber auf, wenn es im alpinen Gelände keine befestigten Wege gibt, die wir mit unseren zum restlichen Outfit passenden FlipFlops beschreiten können. Wir wollen Plätze, die noch keiner vor uns gesehen hat, einsame Buchten und leere Strände, wissen aber nicht wo wir sie finden und suchen nach Tipps auf Instagramm und Facebook. Haben wir solche Plätze schließlich gefunden, sind wir einzig damit beschäftigt den schönsten „Shot“ für unser Internetprofil zu schießen, ohne die wahre Schönheit und Kraft dieser Plätze mit eigenen Augen (nicht durch die Linse) zu sehen und zu spüren. Ist das Bild gemacht, wissen die Leute nicht mehr was sie dort tun sollen und gehen wieder. Ich traue mich wetten: Es dauert nicht mehr lange und wir lassen uns Sonnenuntergänge, frische Luft und Vogelgezwitscher nach Hause liefern.
24-Stunden-Selbstversuchslabor
Ich könnte diese Aufzählung noch lange fortsetzen, aber ich glaube es ist klar, worauf ich hinaus will. Wir haben es geschafft, unseren Alltag so effizient, digital und optimiert zu machen, dass er gleichzeitig teils völlig absurd geworden ist. Wir erfinden Lösungen für Probleme, die wir nie hatten bzw. erfinden Probleme, die wir ohne die Lösung nie gehabt hätten.
Das Internet hat uns mittlerweile zum 24-Stunden-Selbstversuchslabor gemacht und wir sollten davon wegkommen. Dabei helfen wird uns am Ende aber wahrscheinlich nicht eine App und auch nicht das neueste Smart-Device, sondern einfach ein Spaziergang in der Natur. Ohne Handy. Sofern wir den Weg noch finden …

Zeitgeist, Zeitgeist, sehr gut getroffen der Artikel Frau Bruckbauer!🤭
Ich habe kein Smartphone aber dafür sehr viel Zeit für wichtige Dinge!
Bester Beitrag ever! Bitte, wie in meiner Kindheit, per (handgeschriebenem) Kettenbrief an die gesamte Menschheit versenden 😉. Danke.
👌Genau!
Der Beitrag des Jahres!