Giftige Chemikalien in Ware von Temu und Shein
Immer mehr Untersuchungen europäischer Institute zeigen den Gift- und Müllwahnsinn auf, der durch das übermäßige Bestellen bei den chinesischen Billigst-Onlineplattformen Temu, Shein & Co entsteht. (Bild: OpenClipart-Vectors, Pixabay.com)
Ein aktueller Test der Arbeiterkammer Oberösterreich gemeinsam mit GLOBAL 2000 zeigt: Billigmode der chinesischen Online-Plattformen Temu und Shein gefährdet Gesundheit und Umwelt. Von 20 untersuchten, bei einem der beiden Anbieter bestellten Kleidungsstücken wurden sieben als nicht verkehrsfähig eingestuft. Die Grenzwerte wurden teils tausendfach überschritten. Sie dürften in der EU nicht verkauft werden. Der Handelsverband, der schon lange auf das Problem hinweist, sieht sich bestätigt: „Die Online-Ramschhändler aus Fernost unterlaufen de facto systematisch europäische Umwelt-, Verbraucher- und Sicherheitsstandards“, sagt GF Rainer Will.Was die Tester von AK Oberösterreich und GLOBAL 2000 als besonders alarmierend bezeichnen: Eine Damenjacke von Temu überschritt den EU-Grenzwert für die „Ewigkeitschemikalie“ Perfluorcarbonsäuren (PFCA) um das 4.154-Fache. Dieser Stoff wurde in die EU-REACH-Kandidatenliste „besonders besorgniserregender Stoffe“ (SVHC) aufgenommen, da er langlebig, giftig, im Körper anreicherbar und schädlich für die Fortpflanzung ist. Auch der Grenzwert für Perfluoroctansäure (PFOA) lag 770-mal über dem erlaubten Wert. Diese gelten als extrem stabil und sind in der Umwelt kaum abbaubar. Zudem ist PFCA potenziell giftig, fortpflanzungsschädlich (z.B. Fehlbildungen bei Embryonen) und krebserregend. In insgesamt 4 Kleidungsstücken wurden Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) nachgewiesen.
Weichmacher und Schwermetalle in Schuhen
In drei Paar Schuhen fanden die Prüfer hohe Mengen an Phthalaten, sogenannten Weichmachern. Sie wirken hormonähnlich und können die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. In einem Shein-Winterstiefel wurde zudem eine stark erhöhte Bleikonzentration in der Sohle festgestellt. Blei kann sich im Körper anreichern und zu chronischen Vergiftungen führen.
Kunststoffflut und Mikroplastik
Ein weiteres Problem betrifft das Material selbst: 85% der untersuchten Artikel bestehen aus PVC, Polyester, Elasthan oder EVA – allesamt Kunststoffe auf Erdölbasis. Beim Waschen und Entsorgen setzen sie Mikroplastik frei, das in Umwelt und Nahrungsketten landet.
„In Österreich werden jährlich 23 Kilogramm Kleidung pro Person weggeworfen – fast doppelt so viel wie im EU-Durchschnitt. Gleichzeitig wachsen Plattformen wie Temu und Shein rasant weiter – um 63 bzw. 19% im Vergleich zum Vorjahr“, so AK Oberösterreich und Global2000.
Der Test zeigt deutlich: „Ultra-Fast-Fashion ist kein harmloser Trend, sondern ein globales Gesundheits- und Umweltproblem. Billigpreise werden durch Chemie, Plastik und Ausbeutung erkauft – bezahlen müssen am Ende die Menschen und die Umwelt.“

AK fordert strengere Kontrollen
Die Herstellung von Billigmode belastet Umwelt und Menschen massiv: Hoher Wasserverbrauch, Pestizideinsatz, Chemikalien und schlechte Arbeitsbedingungen sind die Regel. EU-Märkte dürfen nicht mehr länger mit gesundheitsschädlichen und gefährlichen Billigprodukten überschwemmt werden. Dafür müssen rechtliche Lücken für Online-Anbieter unbedingt geschlossen werden.“
Die Arbeiterkammer Oberösterreich und GLOBAL 2000 raten Konsumenten:
- Weniger kaufen, bewusster tragen.
- Fair produzierte oder Second-Hand-Mode bevorzugen.
- Informationen zu nachhaltiger Kleidung gibt es im AK Fair Fashion Guide.
Verbraucherschutz, Nachhaltigkeit & Arbeitsrechte bei chinesischen Marktplätzen? Fehlanzeige!
Der Handelsverband reagierte sofort auf die heute veröffentlichten Ergebnisse der AK OÖ/ GLOBAL2000-Untersuchung: „Das bestätigt einmal mehr, was der Handelsverband seit vielen Jahren aufzeigt: Die Online-Ramschhändler aus Fernost unterlaufen de facto systematisch europäische Umwelt-, Verbraucher- und Sicherheitsstandards.“
„Wenn eine Damenjacke von Temu den EU-Grenzwert für Ewigkeits-Chemikalien um das 4.154-Fache überschreitet, zeigt das die dramatische Schieflage im Onlinehandel auf. Diese Billigstprodukte gefährden die Gesundheit der heimischen Konsumenten, insbesondere unserer Kinder“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. „Der Kern des Problems ist ein tiefes regulatorisches Ungleichgewicht. Während österreichische Händler jede Vorschrift penibel einhalten müssen, umgehen viele Fernost-Plattformen systematisch Sicherheitsauflagen, Zölle und Steuern. Wir reden hier nicht von Einzelfällen, sondern von einem kriminellen Massenphänomen.“
Dadurch entstehen massive Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen. Die Folge? „Allein im Vorjahr strömten 4,6 Milliarden Kleinstpakete unter 150 Euro Warenwert fast ungeprüft in den EU-Binnenmarkt. Laut EU-Spielzeugverband sind beispielsweise 95% der auf Temu gekauften Kinderspielzeuge unsicher“, berichtet Will.

Haushalte voller Ramschware: Temu im Österreich-Marktplatzranking auf Rang 4, Shein auf Platz 7
Abgesehen von Amazon kommen die größten globalen E-Commerce-Plattformen Alibaba, JD.com und Temu alle aus China. Gemeinsam kontrollieren sie inzwischen fast zwei Drittel des weltweiten Onlinehandelsvolumens. In Österreich liegt Temu im Marktplatzranking mit einem Umsatz von 341 Mio. EUR bereits auf Rang 4, Shein erreicht mit 217 Mio. EUR den 7. Platz.
„Jeder zweite Österreicher hat bereits mindestens einmal bei einer chinesischen Shopping-Plattform wie Temu, Shein oder AliExpress eingekauft“, bestätigt Handelsverband GF Will, der schon im August 2024 eine UWG-Beschwerde gegen Temu bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) eingereicht hat. Die Ermittlungen der BWB laufen noch.
„Der scheinbar günstige Warenbezug über Fernost-Plattformen kommt uns letztlich teuer zu stehen. Millionen falsch deklarierter Pakete entziehen unseren Städten und Gemeinden wichtige Kommunalsteuereinnahmen – weniger lokale Jobs bedeuten weniger Steueraufkommen. Die Müllflut gefährdet nicht nur unseren Planeten, sondern auch unsere Innenstädte“, erklärt Will, der eine Lösung hätte: Eine nationale Plattform-Haftung für die korrekte Warendeklaration. Er sagt: „Fernost-Plattformen müssen haften – so wie jeder europäische Händler auch. Wenn der Kunde 50 Euro zahlt, dürfen nicht 20 auf der Rechnung stehen. Und schon gar keine giftigen Chemikalien im Produkt stecken. Wer als Marktplatz Milliarden Produkte durchschleust, darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen.“
Genau das habe Österreich bei der Verpackungsentpflichtung schon gezeigt: Seit Plattformen für eine korrekte Entsorgung von Verpackungen ihrer Händler haften, funktioniere das System fairer. „Es zahlen nicht mehr nur Händler mit heimischer Betriebsstätte, während die anderen das Geschäft machen, sondern alle Marktteilnehmer“, sagt Will, der dasselbe Haftungsprinzip für die korrekte Warendeklaration und Versteuerung vorschlägt: „Es braucht auch hier auf nationaler Ebene eine Plattformhaftung. Wenn wiederholte Verstöße festgestellt werden, sollten als ultima ratio auch temporäre Plattform-Sperren umgesetzt werden“, so der HV GF.
Temu & Shein hinter Amazon bald unter den Top 3 der umsatzstärksten Webshops in Österreich
„Es ist völlig absurd, dass viele E-Commerce-Plattformen aus Drittstaaten zurzeit keinerlei Verantwortung für ihre Produkte tragen, während heimische Händler für jedes einzelne CE-Zeichen geradestehen müssen. Wir brauchen endlich eine rechtliche Gleichstellung in Form einer Plattformhaftung. Die Politik muss zum Schutz der Bevölkerung und der 615.000 Jobs im Handel sofort handeln. Wenn nichts passiert, werden Temu und Shein bald hinter Amazon unter den Top 3 der größten Webshops in Österreich liegen“, so Rainer Will abschließend.
