Ein ganz mieses Gefühl
Während ich diese Zeilen schreibe, laufen am anderen Ende der Welt gerade die letzten Vorbereitung auf die bevorstehende Weltklimakonferenz COP30. Ab 10. November kommen im brasilianischen Belem die Staatschefs und zahlreiche weitere Vertreter der Länder dieser Erde (mit einigen wenigen Ausnahmen, dafür ergänzt um eine erkleckliche Zahl geldgeifernder Fossil- und Atom-Lobbyisten) zusammen, um dort knapp zwei Wochen lang nach Perspektiven und Kompromissen zu suchen. Angesichts dessen, dass sich die EU-Repräsentanten sogar bei vermeintlichen Minimalzielen im Vorfeld noch selbst unterboten haben, lässt mir schon jetzt Übles schwanen.Man kann von derartigen Veranstaltungen halten was man will, aber – da halte ich mich an die Worte unseres Bundespräsidenten – die Weltklimakonferenz ist „die einzige internationale Plattform zur Bewältigung der Klimakrise”. Ob es dafür tatsächlich die 50.000 (!!) erwarteten Teilnehmer braucht, steht auf einem anderen Blatt und darf sicher (sachlich!) diskutiert werden. Wo sich der Spaß auf jeden Fall aufhört, sind die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die im diesjährigen UNO-Bericht veröffentlicht wurden. Demnach dürfte mit der aktuellen weltweiten Klimapolitik die Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 2,8 Grad ansteigen. Das ursprünglich international vereinbarte 1,5-Grad-Ziel wird wahrscheinlich schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts überschritten. Die Zeichen stünden derzeit weiterhin auf „Klimakollaps”, erklärte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. Um das 1,5-Grad-Ziel erreichen zu können, müssten die Emissionen in den nächsten zehn Jahren um 55 Prozent verringert werden, um zumindest unter 2 Grad zu bleiben um 35 Prozent. Tatsächlich würde die vollständige Umsetzung aller für 2035 angekündigten nationalen Klimapläne aber nur eine Verringerung von rund 15 Prozent bewirken – und selbst diese Zahl stehe durch den US-Rückzug unter Vorbehalt.
Nach heftigem Tauziehen im Vorfeld und einem finalen Verhandlungsmarathon legte kurz vor Beginn der Welklimakonferenz auch noch die EU ihr Klimaziel für 204o – und damit die Verhandlungsposition in Brasilien –vor. Erzielt wurde aber lediglich eine Einigung auf ein abgeschwächtes Klimaziel für 2040: Der Kompromiss der Umweltministerinnen und -minister der EU-Mitgliedsstaaten sieht zwar weiterhin eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 90% bis 2040 (im Vergleich zu 1990) vor, jedoch dürfen nun bis zu fünf Prozentpunkte der Einsparungen über den Zukauf von Klimazertifikaten in Drittstaaten erfolgen – was bedeutet, dass die Emissionen in der EU faktisch nur um 85 Prozent sinken müssen. Außerdem wird der Start des neuen Emissionshandels für Verkehr und Gebäude (ETS2) ein Jahr nach hinten (auf 2028) verschoben. Naturgemäß wurde der Kompromiss vom dänischen Ratsvorsitzenden schöngeredet (als „das Beste, was wir gemeinsam erreichen konnten“) und von Klimaschutzorganisationen heftig kritisiert. In Hinblick auf die COP30 gilt es nämlich zu bedenken, dass aus dem EU-Kompromiss erst noch ein globaler werden muss. Und was dann noch übrig bleibt, braucht wahrscheinlich keine ganze Kuhhaut…



Kommentare