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Sonntag, 7. Dezember 2025
Hausgerätekommentar E&W 11/ 2025

Für den Schrott produziert

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 09.11.2025 | Bilder | | 5  Meinung
(Bild: dokumol, pixabay.com) (Bild: dokumol, pixabay.com) Am Kleingerätemarkt zeichnet sich ein Trend hin zu Billigstgeräten ab, der ua. von den chinesischen Schrottplattformen Temu & Co stark befeuert wird. Das Ergebnis: Immer mehr Gifte und Müll landen in den europäischen Haushalten. Diese Entwicklung wird von vielen mit Sorge beobachtet – auch von mir.

PFAS ist gerade in aller Munde – im wahrsten Sinne des Wortes. Allerdings verzichten immer mehr etablierte Kleingerätemarken auf diese „per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“. Es handelt sich dabei um industriell hergestellte Chemikalien, die sich u.a. in Antihaft-Beschichtungen von Küchenutensilien finden. Aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit werden sie auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Sie bauen sich in der Umwelt kaum ab, reichern sich im Körper an und stehen im Verdacht, krank zu machen.

Das Thema platzt in eine Zeit, in der immer mehr Menschen Schrott aus China bestellen. Jeder zweite (!) Österreicher hat bereits mindestens einmal bei einer chinesischen Shopping-Plattform wie Temu oder Shein eingekauft. Und die Unternehmen wachsen und wachsen immer weiter und immer noch mehr Österreicher lassen sich von den (zugegebenermaßen wirklich gut gemachten) bunten Werbebildern und „unschlagbaren“ Angeboten einkochen. Dabei hat eine Untersuchung der Stiftung Warentest unlängst ergeben, dass von 162 testweise bestellten Produkten bei Temu und Shein, 110 NICHT den europäischen Standards entsprechen. Die AK OÖ und Global2000 kamen in einer anderen Analyse zu ähnlichen Ergebnissen. Es wurden giftige Schwermetalle wie Blei und Cadmium, Schadstoffe wie Formaldehyd, PFCA, PFOA, Phthalate (Weichmacher), unzählige Stoffe, die Mikroplastik verursachen, und mangelhafte Elektroteile, wie zu heiße Ladegeräte, entdeckt – also alles, was schädlich ist für den menschlichen Körper und die Umwelt und aus gutem Grund in Europa längst verboten ist. Die StiWa-Tester urteilten: „Diese vermeintlichen Schnäppchen sind bisweilen giftig, brandgefährlich und erfüllen geltende EU-Sicherheitsstandards nicht. Wir raten Käufern, die betroffenen Produkte zu entsorgen!“

Wasserkocher, Multicooker, Handmixer, Toaster, Stabmixer, Waffeleisen, Sandwichmaker und Raclette – alle diese Geräte kosten bei Action unter 10 Euro. (Bild: Screenshot: Action)

Ich finde es irgendwie krank: Auf der einen Seite haben wir in Europa Gesetze, die es den hier ansässigen Herstellern verbieten irgendeinen Mist in ihre Produkte zu mischen. Marken investieren wirklich viel in Forschung und Entwicklung, um Materialien zu entwickeln, die Mensch und Umwelt nicht krank machen – so wie aktuell eben die PFAS-Thematik. Die Konsumenten hätten also die Möglichkeit, auf nachhaltige, nicht schädliche Produkte mit hoher Qualität (wonach übrigens auch jeder schreit) zuzugreifen. Aber was tun sie stattdessen? Sie kaufen in Unmengen das giftige Klump aus China und riskieren damit, ihren Kindern und sich selbst zu schaden.

Ich frage mich: Ist es wirklich die Gier und die nicht enden wollende Jagd nach dem besten Schnäppchen? … was zu kurz gedacht wäre, denn in den allermeisten Fällen, haben die Billigstgeräte eine Lebensdauer, die nicht einmal annähernd an die 2 Jahre Gewährleistung herankommt. Eher sind sie nach kurzer Zeit Schrott (wenn sie überhaupt jemals funktioniert haben). Dann muss man wieder so ein Gerät bestellen und wieder und unterm Strich fährt man teurer, als hätte man gleich etwas G’scheites gekauft.

Dieser Trend ist äußerst bedenklich. Und nicht nur auf den Chinaplattformen wird das Klumpat verkauft, sondern auch hierzulande stationär – so zB. bei Action, Tedi, Kik oder anderen bekannten Handelsketten: Wasserkocher um 9 Euro, Elektrogriller und AirFryer um 19 Euro. Erwarten die Käufer dieser Geräte wirklich, dass sie um diesen Spottpreis etwas Wertiges kriegen? Auch Lukas Pelikan von De’Longhi, den ich auf den EFHT traf, betrachtet den Trend am Markt hin zu Billigstgeräten, mit Sorge: „Es wird zum Teil nur mehr Klumpat zum Wegschmeißen produziert. Das geht so nicht weiter. Es muss endlich jemand ‚Stopp‘ sagen! Und dann wird in manchen Vertriebskanälen auch noch auf teils grenzwertige Art und Weise dafür geworben. Wir finden das gar nicht gut und sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Qualität ausschlaggebend ist und nicht der billigste Preis.“ Ich schließe mich dem an. Das Produzieren von Schrott muss endlich ein Ende finden!

 

 

 

 

Bilder
(Bild: dokumol, pixabay.com)
(Bild: dokumol, pixabay.com)
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Kommentare (5)

  1. Als Händler, der schon Jahrzehnte hinter der Budel steht – besser ist es nicht geworden: Ich tausche oft Anschlusskabel von Geräten, die ich vor 40 Jahren verkauft habe, das wird bei der momentanen Qualität leider nicht mehr passieren. ICh werde es zumindest nicht mehr erleben. Meine Mitbewerber der absoluten Diskontschiene verkaufen die Küchengeräte mittlerweile schon um weniger als 9,90 pro Kaffeemaschine, Kleinkocher, Wasserkocher, Bügeleisen, etc.. Da kann und will ich auch nicht mehr mit. Jetzt wo Inflation und Arbeitslosigkeit noch steigen treibt man die Konsumenten durch exorbitante Mieten, Energiepreise, Lebensmittel- und Lebenserhaltungspreise in die Hände dieser Diskonter. Der Personenkreis derer, die sich noch einen Filterautomat oder Plattengriller und anderer Kleingeräte über 50,- oder 100,- kaufen wird immer kleiner. Dies schlägt sich leider auch bei den Großgeräten nieder, da ist dann bald Lieferung, Anschluss und Altgeräteabtransport teurer als das Gerät. Die Zeiten werden noch härter und vermutlich nicht mehr besser.

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  2. Auch westliche Markenartikel enttäuschen inzwischen oft.
    Wie oft musste ich schon teuere Marken-Pürierstäbe (statt aus deutscher nun chinesische „Wertarbeit“) wegwerfen, weil Plastik-Getriebe oder -Zubehöradapter trotz seltener und widmungsgemäßer Verwendung zerbröselt sind.
    Da war zwischenzeitlich eine Diskonter-Hausmarke eine wesentlich langlebigere Sache.
    Auch sonst wurde aus robuster „Verlässlichkeit für viele Jahre“ ein nichtssagendes „immer besser“-Marketinggewäsch – uvam.

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  3. Wie wäre es wenn unsere Industrie so richtig wertige Produkte produzieren würde, wo nicht unten draufsteht Made in CN.
    Oder das eine vernünftige Reparaturhilfe zur Verfügung steht und natürlich Ersatzteile zu einem Preis die eine Reparatur erst ermöglichen bzw. sinnvoll machen.
    Nur einen hohen Preis machen und über die Anderen herziehen wird das Problem nicht lösen.

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