Gleiche Spielregeln für alle?
(© Pixabay)
Podcasts erfreuen sich immer größerer Beliebtheit - besonders bei jungen Menschen. Sie informieren sich darüber und lassen sich sogar in ihrer Wahlentscheidung beeinflussen. Doch mit wachsender Bedeutung stellt sich eine heikle Frage: Wenn Podcasts längst zu relevanten Informationsmedien geworden sind, sollten sie dann auch denselben Regeln wie dem klassischen Radio unterliegen?Ob beim Putzen, Kochen oder Autofahren. Ich höre gerne Podcasts – und offenbar bin ich damit nicht allein. Laut dem „Online-Audio-Monitor 2025“ der RTR Medien nutzen gut zwei Drittel (67 %) der jungen Österreicher im Alter zwischen 15 und 29 Jahren Podcasts oder Radiosendungen zum Nachhören. Unter den 30- bis 49-Jährigen ist es die Hälfte (50 %). In der jungen Zielgruppe ist die Podcast-Nutzung innerhalb eines Jahres sogar um zehn Prozentpunkte gestiegen (2024: 57 %), bei den 30- bis 49-Jährigen um fünf (2024: 45 %). Auch in der Gesamtbevölkerung wuchs der Anteil der Hörer von 40 % auf 43 %. (Mehr dazu lesen Sie auf Seite 68 in der E&W-Novemberausgabe)
Eine Entwicklung hat mich dabei aber besonders überrascht: Schon die Hälfte der 15- bis 29-Jährigen misst Podcasts eine wichtige oder zumindest ergänzende Rolle als Informationsquelle zum aktuellen Zeitgeschehen bei. Unter den wahlberechtigten 18- bis 29-Jährigen sagen sogar 45 %, dass Podcasts für sie bei den Nationalratswahlen 2024 eine sehr wichtige oder wichtige Rolle spielten. Genau diese wachsende Relevanz hat auch die Politik erkannt. Seit August 2024 bietet die RTR – nach einem entsprechenden Nationalratsbeschluss – erstmals eine eigene Podcast-Förderung an. Für tägliche oder wöchentliche Formate können bis zu 50.000 Euro im Jahr beantragt werden, für sogenannte „Feature Podcasts“ mit mindestens sechs Episoden zu je 30 Minuten 25.000 Euro. Insgesamt stehen jährlich 500.000 Euro zur Verfügung. Doch bisher wurde diese Summe nicht ausgeschöpft – viele Einreicher erfüllten die gesetzlichen Kriterien nicht. Denn Themen wie Sport, Unterhaltung oder True Crime sind von der Förderung ausgeschlossen. Hier beginnt die Diskussion: Wenn der Staat Podcasts fördert, sie zugleich jedoch strenger reguliert als bisher, steht eine grundsätzliche Frage im Raum: Sollten Podcasts, die sich immer stärker als Informations- und Meinungsmedien etablieren, denselben Spielregeln wie klassische Radiosender folgen? Es geht dabei nicht nur um Fördergelder, sondern auch um journalistische Standards, Werberegeln und Jugendschutz. Einerseits würde gleiche Regulierung für Fairness sorgen: Radiosender müssen strenge Auflagen erfüllen, während Podcasts weitgehend unreguliert agieren. Andererseits ist gerade diese Freiheit das Erfolgsgeheimnis vieler Podcast. Wie Michael Ogris, Vorsitzender der Medienbehörde KommAustria, betont, sei das Privatradiogesetz derzeit veraltet: „Podcasts oder andere Online-Audioformate fallen völlig heraus. Die Konkurrenz für Radios kommt heute von internationalen Plattformen.“
Ich möchte klarstellen: Es geht mir nicht darum, Inhalte zu beschränken. Denn Meinungsfreiheit ist (und muss es auch immer bleiben) ein zentrales Gut. Aber gerade weil Podcasts zunehmend Informationen und Nachrichten verbreiten, müssen meiner Meinung nachdieselben Regeln gelten wie im linearen Bereich, auch was z.B. Kennzeichnung von Werbung geht. Vielleicht liegt die Lösung in einem Mittelweg: klare Transparenz- und Qualitätsstandards für journalistische Podcasts, aber weiterhin kreative Freiheit für alle, die Geschichten erzählen wollen. Denn eines ist sicher: Podcasts sind längst kein Nischenphänomen mehr, sondern ein fixer Bestandteil unserer Medienlandschaft.



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