OHB übernimmt TechniSat-Werk
(© TechniSat)
Vergangenen August hatte TechniSat angekündigt, sein Werk im vogtländischen Schöneck spätestens bis Ende 2025 zu schließen. Nun steht ein neuer Eigentümer fest: Das Technologie- und Raumfahrtunternehmen OHB übernimmt die Produktionsstätte des Elektronikherstellers.Seit Anfang der 1990er-Jahre produziert der Hersteller in Schöneck unter anderem Digitalreceiver, Digitalradios, Multischalter und Einkabellösungen. Vergangenen August gab TechniSat bekannt, sein Werk im vogtländischen Schöneck spätestens bis Ende 2025 schließen zu wollen (elektro.at berichtete). Begründet wurde dieser Schritt mit hohen Energie- und Personalkosten sowie komplexen regulatorischen Anforderungen. Zudem habe sich laut Geschäftsführer Stefan Kön der Preisdruck im Markt für Unterhaltungselektronik deutlich verschärft. Nun wurde ein Investor gefunden, was neue Perspektiven für den Standort eröffnen soll. „Wir haben den Standort in Schöneck vor 33 Jahren übernommen, stetig ausgebaut und hier erfolgreich Unterhaltungs- und Empfangselektronik für unsere Kunden gefertigt. Leider haben sich die Rahmenbedingungen für die Fertigung unserer Produkte in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht zu unseren Gunsten entwickelt. Daher haben wir uns im Sommer entschieden, die Produktion in unsere Werke nach Polen zu verlagern.Umso mehr freut es uns, dass wir mit OHB einen Käufer gefunden haben, der den Standort fortführen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit bieten wird, weiterhin in Schöneck tätig zu sein. Dieser Aspekt war uns bei der Suche nach einem Käufer und in den Verhandlungen besonders wichtig. Wir sind überzeugt, dass OHB das Werk mit Erfolg und Weitblick weiterführen wird“, so Kön.
„In neuen Stückzahlen denken“
OHB sieht in der geplanten Übernahme des neuen Standortes einen wichtigen Schritt hin zur industriellen Fertigung von Satelliten und deren Komponenten. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Satelliten für zivile wie militärische Anwendungen will das Unternehmen seine Kapazitäten für die Serienproduktion weltraumtauglicher Elektronikbauteile ausbauen.
Mit der Entscheidung für einen Produktionsstandort in Deutschland verfolgt OHB nach eigenen Angaben das Ziel, souveräne und nationale Lieferketten für sicherheitsrelevante Satellitenkomponenten aufzubauen. Dabei fällt die Wahl bewusst auf Sachsen, da die Region als europäisches Zentrum der Mikroelektronik gilt. Dank ihrer starken Forschungslandschaft sowie der etablierten Industriekompetenz in Entwicklung und Produktion bietet sie laut OHB ideale Voraussetzungen für den Einstieg in die Serienfertigung von Raumfahrttechnologien und unterstützt zugleich den regionalen Strukturwandel„Wir freuen uns über die Möglichkeit, in Sachsen Fuß zu fassen. Für die moderne Raumfahrt, die vor allem aus Satellitenkonstellationen besteht, müssen wir in ganz neuen Stückzahlen denken. Das bedeutet, dass wir Fertigungskompetenz benötigen. Die Mitarbeiter von TechniSat in Schöneck verfügen über das Know-how, um ohne große Umschweife in die Serienproduktion für die Raumfahrt einzusteigen. Wir freuen uns drauf, dass wir zukünftig die Raumfahrttradition des Vogtlands ganz neu wieder aufleben lassen“, erläutert Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender der OHB SE.



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