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Freitag, 5. Dezember 2025
Keynote von Horst Brandlmaier

IEA Wind Task 51: Wetterbedingte Extremereignisse im Energiesystem

Photovoltaik Energiezukunft | Julia Jamy | 14.11.2025 | |  
(© Christina Pichler | OeMAG) Am 11. November 2025 wurde das Veranstaltungszentrum im Wiener Austro Tower zum Treffpunkt für jene, die sich mit einer der drängendsten Fragen der Energiewende befassen: Wie kann ein zunehmend wetterabhängiges Energiesystem mit immer häufigeren Extremereignissen umgehen? Beim zweiten österreichischen Workshop des IEA Wind Task 51 kamen Fachleute aus Forschung, Energiewirtschaft und Meteorologie zusammen, um genau darüber zu sprechen.

Das Energiesystem der Zukunft wird noch stärker durch Wetterextreme beeinflusst sein, waren sich die Experten einig. Schon heute würde die hohe Volatilität von Erzeugung und Verbrauch sowie der steigende Anteil erneuerbarer Energien zu neuen Herausforderungen führen – von schwankenden Einspeisemengen über steigende Ausgleichsenergiekosten bis hin zu Fragen der Versorgungssicherheit. Doch was sind Wetterextreme und wie beeinflussen sie den Energiemarkt genau? Je nach Energiequelle fällt die Antwort unterschiedlich aus, doch alle Akteure eint dasselbe Ziel: mehr Sicherheit und Präzision in der Prognoseberechnung.

Unbestritten sei, dass die erneuerbare Stromerzeugung das Rückgrat einer nachhaltigen Energiezukunft bildet und als unverzichtbar für das Erreichen der Klimaziele gilt. Laut den Experten ist es daher umso wichtiger, wetterbedingte Extremereignisse besser zu verstehen, vorherzusagen und in die Planung sowie den Betrieb unserer Energiesysteme zu integrieren. Nur so können wir die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems stärken und die Vorteile der erneuerbaren Energien voll ausschöpfen. Allerdings gebe es noch an vielen Stellen Verbesserungsbedarf: Insbesondere muss der Informationsaustausch gestärkt werden, um eine engere und nachhaltigere Zusammenarbeit zu ermöglichen. Genau dort hakten auch die Vortragenden ein – eine enge Kooperation zwischen Meteorologie, Energiewirtschaft und Forschung sei entscheidend, um Wissen in praxistaugliche Lösungen zu überführen.

Programm und Highlights

V.l.n.r.: Christina Pichler, Gerhard Röthlin und Horst Brandlmaier. (©Christina Pichler | OeMAG)

Der Vormittag widmete sich der wissenschaftlichen und methodischen Einordnung von Extremereignissen. Die Referenten gaben Einblicke in die neuesten Entwicklungen bei Wettermodellen und in die Analyse von Extremereignissen auf Energiemärkten.Am Nachmittag stand der Austausch zwischen Forschung und Praxis im Vordergrund. In interaktiven Sessions und thematischen Pitches präsentierten die Vortragenden ihre spezifischen Herausforderungen und diskutierten gemeinsam mit Branchenkollegen und Wetterexperten mögliche Lösungsansätze. Die anschließenden Workshops boten Raum für vertiefende Diskussionen zu aktuellen Forschungsprojekten und innovativen Prognosemethoden.

Ein Highlight war außerdem der Beitrag von OeMAG-Vorstandsmitglied Horst Brandlmaier, im Rahmen der Keynote Lectures. Er zeigte, wie sich Extremwetterlagen binnen kürzester Zeit auf den Strommarkt auswirken können und dass bereits einzelne, von der Prognose abweichende Viertelstundenmengen erhebliche Auswirkungen auf die Ausgleichsenergiekosten haben. Windböen, plötzliche Wetterumschwünge oder sogenannte „Dunkelflauten“ – wenn weder Sonne scheint noch Wind weht – stellen die Energiewirtschaft vor stetig neue Herausforderungen. Brandlmaier plädierte dafür, die Clearingspreisformel anzupassen, um die Marktmechanismen robuster gegenüber solchen Schwankungen zu gestalten – ein Vorschlag, der im Publikum auf breite Zustimmung stieß. Die Vielzahl an Nachfragen verdeutlichte die Relevanz des Themas und die anerkannte Expertise der OeMAG. Deutlich spürbar war im Publikum, wie entscheidend es für den Strommarkt ist, verlässliche und kompetente Marktakteure wie die OeMAG als Partner für Prognose, Vermarktung und Systemstabilität zu haben.

Fazit und Ausblick

Nach den Vorträgen entwickelten sich lebhafte Diskussionen an den Stehtischen. Zahlreiche Fragen und Beiträge zeigten, wie vielschichtig und dynamisch die Themen im Energiesektor derzeit sind. Aus Sicht der OeMAG war die Teilnahme besonders wertvoll: Extreme Wetterereignisse haben unmittelbare Auswirkungen auf die Vermarktung und Abwicklung von Strommengen. Die OeMAG steht täglich vor der Herausforderung, wetterbedingte Schwankungen in der Einspeisung aus Wind- und Photovoltaikanlagen zu berücksichtigen. Ein vertieftes Verständnis über Prognosemethoden, Risikobewertung und Systemresilienz ist daher essenziell, um auch in Phasen extremer Wetterlagen verlässlich agieren zu können.

Darüber hinaus bot der Workshop wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung von Marktmechanismen, die künftig noch stärker auf kurzfristige Veränderungen reagieren müssen, um Versorgungssicherheit und Kosteneffizienz im Sinne einer nachhaltigen Energiezukunft für alle Marktteilnehmenden sicherzustellen.

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