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Sonntag, 7. Dezember 2025
Nachfolger gesucht – Vizepräsidentin Martha Schultz übernimmt bis zur Nachwahl

WKÖ: Harald Mahrer tritt zurück

Hintergrund | Dominik Schebach | 15.11.2025 | |  
(© WKO / Peter Rigaud) Vergangene Woche haben die Präsidenten der Länderkammern ihm noch ihr Vertrauen ausgesprochen. Heute ist Harald Mahrer als Präsident der Wirtschaftskammer Österreich zurückgetreten. Ein Nachfolger wurde nicht bekannt gegeben.

Auslöser der Debatte um Mahrer und die WKO war die vorgesehene Gehaltserhöhung von 4,2% für die Mitarbeiter der Interessensvertretung. Bei der Diskussion rückte dann allerdings schnell die Entlohnung der Spitzenfunktionäre der Kammer in den Mittelpunkt. Mahrer hatte vergangene Woche noch versucht, die Wogen zu glätten. Dabei hatten ihm die Präsidenten der Länderkammern noch am 9. November einstimmig das Vertrauen ausgesprochen. Die Diskussion ließ sich allerdings nicht mehr einfangen und inzwischen stand die WKO selbst auf dem Prüfstand. In der Folge forderten u.a. die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, sowie der Landeshauptmann von Oberösterreich Thomas Stelzer, Mahrer öffentlich zum Rücktritt auf. Im Laufe des heutigen Tages verdichteten sich die Anzeichen für Mahrers Rücktritt, wobei konkrete Informationen allerdings nicht zu erhalten waren.

Heute Donnerstag um 17 Uhr wurde es schließlich offiziell: In einem zuvor aufgezeichneten Video bestätigte Mahrer seinen Rücktritt als Präsident der Wirtschaftskammer: „Ich sehe derzeit keine Möglichkeit verantwortungsvolle Beiträge für eine positive Zukunftsentwicklung zu leisten. Das ist nicht mein Spielfeld. Ich werde daher meine Funktion in der Wirtschaftskammer Österreich und im Wirtschaftsbund zurücklegen. Und ich werde in beiden Funktionen für einen geordneten zeitnahen Übergang sorgen“, so Mahrer in seiner Video-Botschaft.

Dabei bedankte er sich nochmals bei den Funktionären und Mitarbeitern der WKO, die sich für Österreichs Wirtschaft einsetzen. Außerdem wollte er sich ganz besonders bei allen Unternehmern bedanken, die derzeit unter schwierigen Rahmenbedingungen arbeiten.

SWV

Zuvor hatte der Sozialdemokratische Wirtschafsverband Österreich noch einen Neustart in der Wirtschaftskammer gefordert. „Es wurde zu viel Porzellan zerschlagen. Die Wirtschaftskammer muss sich endlich wieder auf die Interessen ihrer Mitglieder besinnen. Wir brauchen Reformen, die den Unternehmerinnen und Unternehmern nutzen – nicht interne Machtspiele“, betonte SWV-Präsident Bernd Hinteregger.

Der SWV hält fest, dass Funktionäre wichtige Arbeit für ihre Branchen leisten – gleichzeitig müsse die Entschädigung transparent, nachvollziehbar und angemessen sein, so Hinteregger: „Funktionärinnen und Funktionäre sind selbst Unternehmerinnen und Unternehmer. Sie investieren Zeit, Wissen und Energie, um die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen zu vertreten. Dieser Einsatz muss abgegolten werden – aber im richtigen Verhältnis zur tatsächlichen Verantwortung.“ Die Funktionsentschädigungen sollen künftig der Aufgabenlast entsprechen und an der Zahl der betreuten Mitglieder orientiert sein – ähnlich wie die Staffelung nach Einwohnerzahl bei Bürgermeistern.

Reaktionen

Der Rücktritt Mahrers löste vielfältige Reaktionen aus. So erklärte Bundeskanzler Christian Stocker in einer Aussendung: „Harald Mahrer hat in einer auch für ihn sehr schwierigen Situation eine persönliche Entscheidung getroffen, die zu respektieren ist. Ich bedanke mich bei ihm für seine Verdienste um die Republik als Staatssekretär, Bundesminister und Präsident der Österreichischen Wirtschaftskammer. Harald Mahrer hat in all diesen Funktionen großen Einsatz für Österreichs Wirtschaft und Standortpolitik bewiesen, zuletzt auch in der schwierigen Phase der Regierungsbildung. Für diesen langjährigen Einsatz gebührt ihm Dank und Anerkennung. Ich erwarte mir von der Wirtschaftskammer in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine rasche Neuaufstellung im Sinne der österreichischen Wirtschaft und des gesamten Staates, um bestmöglich für den Aufschwung arbeiten zu können.“

IV-Präsident Georg Knill im Namen der Industriellenvereinigung bedankte sich bei Mahrer, betonte aber gleichzeitig den Reformbedarf innerhalb der Kammer: „Harald Mahrer war stets eine starke Stimme für die Interessen der österreichischen Wirtschaft, sowohl an der Spitze der Wirtschaftskammer als auch in seiner gesamten politischen Laufbahn. Sein Einsatz und seine Leidenschaft für die Anliegen der österreichischen Unternehmen haben die wirtschaftspolitische Diskussion über viele Jahre hinweg geprägt. Die Zusammenarbeit mit der IV war stets vertrauensvoll und konstruktiv. Sein Rücktritt ist zu respektieren – er markiert zugleich einen Zeitpunkt, an dem es gilt, die notwendigen Konsequenzen in den Strukturen der WKO zu ziehen.“

Vizepräsidentin Martha Schultz wird aufgrund des bevorstehenden Rücktritts von Harald Mahrer zwischenzeitlich die Aufgaben des WKO-Präsidenten übernehmen. (Bild: © FIW/Barbara Nidetzky)

Angesichts der aktuellen Diskussionen betont Knill abschließend: „Der Wechsel an der Spitze darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass nun rasch tiefgreifende Reformen notwendig sind: die Modernisierung der Strukturen, eine effizientere Organisation und gezielte Entlastungen für Betriebe, um die Handlungsfähigkeit der Interessensvertretung zu sichern. Nur durch entschlossenes Handeln kann die Wirtschaftskammer ihre Rolle als glaubwürdige Partnerin in der Sozialpartnerschaft und als starke Stimme der Unternehmen festigen.“

[Update, 15.11.2025]

Wie die WKO in einer knappen Aussendung am Freitagnachmittag mitteilte, wird Vizepräsidentin Martha Schultz aufgrund des bevorstehenden Rücktritts von Präsident Harald Mahrer ab 15. November 2025 die Aufgaben des Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich übernehmen. Dies gilt bis zur Nachwahl einer neuen Präsidentin bzw. eines neuen Präsidenten.

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