Links oder rechts?
(Bild: Adrian, pixabay)
Ich möchte heute ein Thema ansprechen, das mich, wie soll ich sagen, ja ... zur Weißglut bringt – und zwar so richtig! Ich gehe davon aus, dass dieses Thema auch viele von Ihnen, liebe Leser, emotional berührt, und entweder vertreten Sie dabei dieselbe Ansicht wie ich oder eben die andere, gegenteilige Ansicht. Im Grunde gibt es hier nämlich nur zwei Standpunkte und die Frage, um die sich alles dreht: Links oder rechts?Ich bin im Grunde ein friedliebender Mensch. Versuche entspannt durchs Leben zu gehen, die Dinge locker zu nehmen und in Harmonie mit meiner Umwelt auszukommen. Doch da gibt es dieses eine Thema, das mich in die Höhe gehen lässt, wie einen lauwarmen Germteig. Ich kann mich derart darüber ärgern, dass sich meine Gesichtsfarbe ändert, mein Hals gefühlt Hulk-artig anschwillt, nur in rot, und ich fluche wie ein Rohrspatz – und zwar wenn folgende Situation eintritt: Ich fahre auf der Autobahn, es ist nicht all zu viel los, vor mir liegen drei Fahrspuren, die rechte leer soweit das Auge reicht, die mittlere leer soweit das Auge reicht und auf der dritten und linken Spur ein Fahrzeug, das mit 115 Kmh dahinzuckelt. Es gibt keinen ersichtlichen Grund links zu fahren: Kein LKW und kein langsameres Fahrzeug, die überholt werden müssten, kein Gefahrengut auf der Fahrbahn – nichts! Und dennoch fahren diese Leute in aller Seelenruhe so weit links wie möglich.
Normalerweise reihe ich mich hinter diesen Fahrzeugen ein, in der Hoffnung, dass sie nach rechts ausweichen, um mir (in dem Fall dem Schnelleren) Platz zu machen. Machen sie das nicht, gebe ich ein kurzes Zeichen mit der Lichthupe (vielleicht wurde ich ja nicht gesehen). Dann noch eines und noch eines. Nutzt das nichts, hupe ich ganz kurz und nutzt das auch nichts, schere ich nach rechts aus und überhole unerlaubterweise. Auf selber Höhe mit dem notorischen Linksfahrer hupe ich nochmals kurz, um auf mich aufmerksam zu machen: erstens, damit der andere nicht in mich reinfährt, wenn er plötzlich doch auf die Idee kommt, auf eine rechte Spur zu wechseln. Zweitens, um ihm zu deuten, dass er das Rechtsfahrgebot mißachtet und mich dazu nötigt, rechts zu überholen, wodurch ja ICH mich strafbar mache – aber nur deshalb, weil der andere die Straßenverkehrsordnung ignoriert ….

Natürlich könnte man jetzt sagen: Mein Gott, dann fährt man halt hinter dem Links-Schleicher hinterher, bis er die Fahrbahn freigibt. Darauf sage ich aber: Auf was hinauf? Wir haben auf Österreichs Autobahnen ein Rechtsfahrgebot! Dieses besagt, dass Fahrzeuglenker grundsätzlich so weit rechts fahren MÜSSEN, wie ihnen dies zumutbar und möglich ist.
Das lernt man in der Fahrschule und nachdem das scheinbar nicht ausreicht, steht es mittlerweile auch in regelmäßigen Abständen auf Autobahnschildern und auf Überkopfbalken. Nutzen tut es dennoch wenig, denn mir scheint, als würden immer noch mehr Leute glauben, sie würden verschluckt, versenkt, sich samt Auto in Luft auflösen oder was weiß ich, wenn sie die Spuren 1 und 2 benutzen.
Das ist übrigens nicht nur sehr ärgerlich für andere, sondern dadurch wird auch der Verkehrsfluss verschlechtert und (durch Bremsverzögerung, die sich nach hinten fortsetzt) die Staugefahr erhöht. Darüber hinaus führt das dauerhafte Linksfahren auch leicht zu gefährlichen Situationen, da bei anderen Verkehrsteilnehmern Aggressionen entstehen (Quod erat demonstrandum) und gefährliches Verhalten die Folge sein kann – etwa zu dichtes Auffahren oder eben Rechtsüberholen.

Ein Argument fürs hartnäckige Linksfahren ist ja: „Wenn ich am Horizont ein langsameres Fahrzeug auf der rechten Spur sehe, fahr ich gar nicht erst nach rechts, weil ich dann später ja eh überholen muss.“ Das klingt für mich wie: „Ich muss in St.Pölten links abbiegen, also fahre ich bereits ab Wien ganz links.“ So ein Blödsinn! Wobei: Ich verlange ja nicht, dass die linke Spur nach dem Überholen bei der kleinsten Lücke, die sich rechts auftut, geräumt wird. Aber ist länger als 20 Sekunden kein Fahrzeug zu überholen, dann ist es doch wohl nicht zu viel verlangt, sein Vehikel auf die ganz rechte Spur zu lenken. Diese sogenannte „20-Sekunden-Regel“ kommt in der StVO zwar nicht vor, ist meiner Meinung nach aber ein ganz guter Richtwert. Und gilt natürlich auch umgekehrt, sprich: Ist innerhalb von 20 Sekunden schon das nächste Fahrzeug zu überholen, kann man auf der linken Spur bleiben.
Die Frage nach dem Warum
Neben den aggressiven Rasern und Dränglern und den überforderten Langsamfahrern und Bremsern, zählen die notorischen Linksfahrer zu den größten Ärgernissen auf den heimischen Straßen. Zwei Drittel der österreichischen Autofahrer fühlen sich dadurch provoziert – so das Ergebnis einer Untersuchung des ÖAMTC aus 2024, die sich mit dem Phänomen „Linksfahrer“ befasste. Der Verkehrsclub befragte links- und mittigorientierte Autofahrer, warum sie das tun. Die häufigsten Antworten waren:
„Ich kann doch überall fahren, wenn wenig los ist.“
„Wenn mich einer überholen will, hat er eh noch die ganz linke Spur.“
„Bei starkem Verkehr bleibe ich gleich in der Mitte, damit ich nicht ständig die Spur wechseln muss.“ (Grenzt ja auch wahrlich an eine Zumutung … beim Fahren auf der Autobahn hie und da die Spur wechseln zu müssen …)
Unterhaltsam finde ich diejenigen, die die Fahrspuren für sich persönlich in Geschwindigkeitsbereiche einteilen. Gemäß dem Motto: „Rechts fahren die Langsamen, in der Mitte die Mittelschnellen und ganz links die Ur-Schnellen. Ich fahre mittelschnell, also in der Mitte.“ Was bei vielen Befragten außerdem hinzu kommt, ist das Gefühl, ohnehin nicht kontrolliert zu werden. Eine ÖAMTC-Verkehrspsychologin ortet die stärksten Gründe für Linksfahren in Unachtsamkeit, Bequemlichkeit sowie in einem subjektiven, vermeintlichen Sicherheitsgefühl a la „wenn was passiert, kann ich nach beiden Seiten ausweichen.“
Schließlich gibt es noch eine Gruppe unter den Linksfahrern und zwar sind das diejenigen, die meinen, sie müssten andere Verkehrsteilnehmer „erziehen“ – und das sind mir die Allerliebsten! Gemäß dem Motto „ich fahre ja eh 130 kmh, also braucht kein anderer schneller fahren als ich“, sind diese Personen bewusst mit der höchstzulässigen Geschwindigkeit auf der ganz linken Spur unterwegs, ohne jemanden zu überholen, nur um andere zu erziehen oder zu maßregeln. (Viele davon erkennt man daran, dass sie mit gestrecktem Mittelfinger und einem selbstgefälligen Grinsen auf Lichthupen reagieren.)
Die Folgen
Überwacht wird das Rechtsfahrgebot übrigens angeblich durch (zivile) Streifenfahrzeuge und bei der Videoüberwachung des Sicherheitsabstandes. Und wenn die Polizei unbegründetes Linksfahren ahndet, kann das richtig viel Geld kosten. Bis zu 726 Euro können laut einem ÖAMTC Juristen fällig werden – theoretisch. In der Praxis sind es dann doch oft nur Organstrafmandate in Höhe von rund 30 bis 50 Euro. Die Folgen für die Missachtung des Rechtsfahrgebotes beschränken sich allerdings nicht nur auf Strafen. Wie oben schon erwähnt, leidet auch der Verkehrsfluss und (jetzt appelliere ich an die Umweltschützer unter den Linksfahrern) das hat negative Folgen fürs Klima. Denn ständiges Abbremsen und Beschleunigen lässt den Verbrauch und auch die Schadstoff- sowie CO2-Emissionen in die Höhe klettern.
Was tun?

Nachdem mit hochrotem Kopf durch geschlossene Autoscheiben zu brüllen und wild fuchtelnd zu deuten nicht die gewünschte Wirkung zeigt, überlege ich schon länger, wie ich die notorischen Linksfahrer, die meine Wege kreuzen (bzw. blockieren), auf ihr „Untun“ aufmerksam machen kann. Und nachdem ein auf der Motorhaube montiertes Phasergeschütz nur schwer (bis nicht) mit dem mir innewohnenden, sehr ausgeprägten Pazifismus zu vereinbaren (und außerdem schwer aufzutreiben 😉 ) ist, hatte ich zuletzt die glorreiche Idee, breite Displays hinter meine Heckscheibe sowie die linke hintere Autoscheibe zu klemmen, auf denen in laufender Leuchtschrift „Bitte rechts fahren“ oder „Wir haben in Österreich ein Rechtsfahrgebot“ oder „Fahr‘ rechts, Du Ignorant“ oder ähnliches zu lesen ist. Nicht, dass ich davon ausgehe, dass das irgendetwas an der Situation ändern würde, aber ich persönlich wäre wahrscheinlich beruhigter, einfach nur weil ich meine Botschaft platziert habe. Aktuell scheitert das Projekt leider noch an der Hardware, der Software, der Installation, der Steuerung und der Sicherheit, dass mich die Polizei dann NICHT wegen Ablenkung, unerlaubter Maßregelung, Unzurechnungsfähigkeit oder what ever aus dem Verkehr zieht – also eigentlich an allem.
Wie Sie sehen können, habe ich noch keine zufriedenstellende Lösung für mich gefunden, halbwegs entspannt mit dem Thema umzugehen. Dabei wäre es im Grunde so einfach, denn: Würde auf unseren Straßen nicht nur ein aggressives Gegeneinander, sondern ein aufmerksames Miteinander herrschen, gäbe es diese Ärgernisse und Diskussionen nicht.
Und apropos Ärgernisse: Nach den penetranten Linksfahrern kann ich mich auch mächtig über jene Autofahrer ärgern, die das Reißverschlusssystem bei Spurverengungen nicht verstehen (oder schlicht ignorieren). Unterhaltsam finde ich hingegen jene, die vor dem bzw. beim EINfahren in einen Kreisverkehr blinken – im besten Fall links 😂 … Aber das ist ein Thema für einen anderen Kommentar 😉
Nachtrag (für alle, die es genau wissen wollen)
Ich habe einen interessanten Beitrag eines ÖAMTC-Rechtsexperten gefunden. Darin heißt es: „Befährt ein Lenker auf einer Autobahn den mittleren (oder linken) Fahrstreifen, obwohl der rechte frei ist, verstößt er gegen die StVO. Und zwar unabhängig davon, ob dadurch jemand behindert oder belästigt wird, präzisiert der VwGH. Auf den rechten Fahrstreifen muss immer dann gewechselt werden, wenn dieser über eine größere Distanz (ca. 300 bis 400 m) frei ist. Der mittlere bzw. linke Fahrstreifen darf auf Autobahnen überhaupt nur in zwei Fällen benützt werden: beim Überholen und beim ‚zulässigen‘ Nebeneinanderfahren. Letzteres liegt vor, ‚wenn es die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs fordert‘, also in der Regel nur bei dichtem Verkehr.“
Aber darf man nun an einem notorischen Mittel- bzw. Linksspurfahrer rechts vorbeifahren? „Nein“, sagt der Experte: „Vorbeifahren kann man laut StVO-Definition nur an stehenden Fahrzeugen. Somit liegt ein Überholen vor – und rechts darf nicht überholt werden!“
Und weiter (jetzt wird es interessant!): „Nicht als Überholen gilt das ‚Nebeneinanderfahren von Fahrzeugreihen‘, auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Das ‚Überholen‘ am rechten Fahrstreifen wäre also in einem einzigen Fall erlaubt: Wenn auf beiden Fahrstreifen mindestens je drei Fahrzeuge fahren. Dabei muss es sich nicht um eng geschlossene Fahrzeugreihen handeln, sie können auch ‚aufgelockert‘ sein.“ Ich bin ja gespannt, wie die Exekutive auf diese Erklärung reagiert, sollte sie mich mal auf Grund von Rechtsüberholen strafen wollen. 😂



Vielleicht habe ich den Artikel zu schnell überflogen und es dabei überlesen … aber schauen sie sich doch mal die Kennzeichen der notorischen „in der Mitte-Fahrer“ an. Da bringt es nix, wenn sie sich ein Taferl mit „Bitte rechts fahren“ in die Heckscheibe picken, wenn sie es nicht auch auf polnisch, slowakisch, tschechisch, ukrainisch, rumänisch, bulgarisch, usw. übersetzen. Mein Ansatz: Blick in den Rückspiegel, nach Polizei und Zivilstreife Ausschau halten und rechts vorbei. Dabei möglichst böse schauen 😉. Ich wechsle doch nicht wegen eines Autos in der Mitte, über sechs Fahrstreifen (nach ganz links und wieder zurück) meine Fahrspur. So und jetzt bitte wieder zurück zum Branchengeschehen 🙂
„Ich bin im Grunde ein friedliebender Mensch. Versuche entspannt durchs Leben zu gehen, die Dinge locker zu nehmen und in Harmonie mit meiner Umwelt auszukommen“
Sehr gut jetzt wissen Sie woran sie an sich arbeiten können um das beizubehalten
Bin zwar nicht viel auf Autobahnen unterwegs, aber das Problem kenne ich gar nicht.
Man muß aber bedenken das bei soo vielen Fahrzeugen wie heut zu Tage eben ein paar Deppen dabei sind.
PLATZHALTER,
bei den momentanen wirtschaftlichen und ANDEREN Problemen des Staates Österreich sehe ich den Beitrag zur Rechtsregel als Platzhalter! :-)🥰
Genau so denkt ein 130 kmh Linksfahrer.
Ärgert alle. Zeitlang daneben her fahren, gleiche Höhe, wenn eh frei ist. Mal rüberschauen. Wird sich sicher was tun. Paar PS helfen auch, um eine freie Platzwahl auf der Autobahn zu haben. So denken sicher viele, die 140, 150 fahren. Der größte Luxus ist doch, Idioten sich selbst überlassen zu können.