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Freitag, 5. Dezember 2025
Aus der E&W 11/2025: Vorstellung der neuen Landesgremien

Klarer Fokus beim Landesgremium Oberösterreich

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 28.11.2025 | |  Menschen, Wissen
Obmann Hubert Kastinger, GF Harald Wintersteiger und Obmann-Stv. Johann Wagner (v.l.n.r.) vertreten die Interessen des oberöstereichischen Elektro- und Einrichtungsfachhandels – und suchen wie dieser angesichts des bevorstehenden Generationswechsels nach engagierten Mitstreitern. Obmann Hubert Kastinger, GF Harald Wintersteiger und Obmann-Stv. Johann Wagner (v.l.n.r.) vertreten die Interessen des oberöstereichischen Elektro- und Einrichtungsfachhandels – und suchen wie dieser angesichts des bevorstehenden Generationswechsels nach engagierten Mitstreitern. Fachkräfte sind das A & O – gemäß dieser Devise steht beim Landesgremium Oberösterreich das Bemühen im Mittelpunkt, Menschen für den Fachhandel zu begeistern. Natürlich auf Seiten der Konsumenten, mehr aber noch in puncto Nachwuchskräfte bzw. Lehrlinge. Denn zuletzt hatte man im Ausbildungsbereich einen eklatanten Rückgang zu verzeichnen.

Während sich die Zahl der Mitgliedsbetriebe in den letzten Jahren ziemlich stabil entwickelt hat (Ende Q2/2025: knapp 2.000 aktive Mitglieder), kämpft man bei den Lehrlingen mit einem regelrechten Schwund. Dieser stellt zugleich auch die aktuell größte Herausforderung in Oberösterreich dar, zeigen sich Obmann Hubert Kastinger, sein Stellvertreter Johann Wagner und Fachgruppen-GF Harald Wintersteiger einig – und sind auch nicht um Vorschläge verlegen, wie der Nachwuchsmisere beizukommen wäre.

Kastinger: Mit Maßnahmen wie der HBB (Höhere Berufliche Bildung; schafft anerkannte höhere Abschlüsse für Berufspraktiker; Anm. d. Red.) versucht man ja gerade, die Lehre aufzuwerten, aber ich habe das Gefühl, dass hier falsch herangegangen wird: Man müsste „oben” beim Studium beginnen, das Niveau wieder zu steigern, und dann entsprechend auf allen folgenden Ausbildungsstufen nachziehen. Und da oft versucht wird, gewisse Zahlen oder Quoten zu erfüllen, bilden wir derzeit zu sehr in die Breite aus und nicht in die notwendige Tiefe. Das gilt auch für die Schwerpunkt-Ausbildung im Handel, die seit 2002 in Kraft ist und bis dato nicht ein einziges Mal adaptiert oder überarbeitet wurde.

E&W: Was bräuchte es, damit sich die Situation verbessert? Welche Strukturen wären notwendig?

Kastinger: Ich wäre für eine vierjährige Lehre, da sich die Branche enorm verändert hat und Themen dazugekommen sind, die vor ein paar Jahren noch gar nicht existiert haben, wie KI, Virtual Reality oder Smart Home.

Wagner: Zugleich müssen wir die vermeintlich einfachen Dinge angehen, d.h. dass einem Lehrling beigebracht wird, wie man eine Badarfsanalyse macht und ordentliche Verkaufsgespräche führt, aber auch, wie man einen Lieferschein kontrolliert, wie man eine Preiskalulation erstellt oder wie man ein Gerät beim Kunden vor Ort anschließt. Damit das Niveau der Ausbildung sichergestellt wird und Lehrlinge nicht nur als billige „Hilfsarbeiter” eingesetzt werden, braucht es entsprechende Qualitäts- bzw. Kompetenzchecks – z.B. nach der Häfte der Lehrzeit, sodass man sieht, wo der Lehrling gerade steht.

Kastinger: Egal in welcher Branche: Das wichtigste Thema in Zukunft wird der Fachkräftemangel, das ist das A & O: Worüber auch immer wir reden – wenn uns das Personal fehlt, wird unsere Branche sterben.

Das betrifft die Brancheneinsteiger ganz „unten”, am anderen Ende der Skala jedoch auch den Aspekt der Betriebsübergabe, vor der viele Händler stehen – aber keinen Nachfolger haben…

Kastinger: Wir dürfen uns grundsätzlich nicht von den aktuellen Mitgliederzahlen täuschen lassen, weil es viele EPUs gibt und viele kleine Betriebe, die nicht ausbilden. Von unseren rund 2.000 Mitgliedsbetrieben sollten in den nächsten 10 Jahren rund 30% übergeben werden – doch wenn man sich in der Branche umhört, kann Stand heute vielleicht ein Drittel dieser Betriebe weitergeführt werden. Viele Junge wollen einfach nicht mehr den Weg in die Selbstständigkeit einschlagen und man darf auch nicht unterschätzen, dass der öffenltliche Dienst zu einem Mitbewerber beim Ringen um Arbeitskräfte geworden ist – denn dieser bietet mehr Sicherheit, geringeren Leistungsdruck, etc. Außerdem fehlt es den Kunden heute oftmals an guten Umgangsformen und einer gewissen Wertschätzung gegenüber den Verkäufern, und das kann für diese extrem demoralisierend sein, wie ich meinem eigenen Betrieb feststellen musste.

Mit der Initiative #UmsEckBesser setzt sich die WK Oberösterreich für die Stärkung des regionalen Fachhandels ein. Die Kampagne läuft auf Social Media und wird vom Elektro- wie auch vom Einrichtungsfachhandel forciert.

Wagner: Ich bin überzeugt, dass eine Übergabe nur in der eigenen Firma gelingt, d.h. innerhalb der Familie oder des Mitarbeiterstammes. Ich selbst habe mein Unternehmen – mit drei Standorten und 12 Angestellten – an einen Mitarbeiter übergeben, der mit 19 Jahren bei mir angefangen und mit 33 Jahren übernommen hat. Er hat mir jahrelang über die Schulter geschaut, kannte alle Zahlen und als er sich fit dafür gefühlt hat, war das der logische nächste Schritt.

Gibt es noch weitere Herausforderungen?

Kastinger: Direktverkäufe der Hersteller sind nach wie ein Riesenthema und wenn die Eisenbahnverbindung über die Neue Seidenstraße fertig ist, ist mit einer noch größeren Flut an Geräten aus China zu rechnen. Das wirft die Frage der Altgeräteentsorgung auf – und das, wo wir ohnehin schon das Thema mit den Batterien haben. Auch deren Entsorgung – Stichwort neue Batterien-VO – ist ja ebenfalls ein Riesenthema. Und in Zukunft wird das Thema Energie natürlich zentral sein, allerdings ist Österreich energiepolitisch nicht gerade gut organisiert, z.B. wenn man die Abstiummung unter den einzelnen Landesenergieversorgern denkt.

Wagner: Ich kann mir gut vorstellen, dass der EFH zum Energiehändler wird – sofern die EVUs das zulassen oder z.B. über Energiegemeinschaften. Händler und Installateur in einer Person, das wäre dann die zentrale Anlaufstelle für den Kunden bei Energiefragen.

Wintersteiger: Es muss aber auch darauf geachtet werden, dass die bürokratischen Anforderungen und der damit verbundene Aufwand in einem vernünftigen und vertretbaren Rahmen bleibt.

Welche Maßnahmen werden zur Unterstützung der Händler ergriffen?

Wintersteiger: Es läuft weiterhin die gemeinsame Kampagne des Elektro- und Einrichtungsfachhandels „#UmsEckBesser” auf Social Media. Diese bringt auf unterhaltsame Weise die Vorzüge der Fachhändler „Ums Eck“ näher, wie etwa kompetente Beratung, exzellenten Service und sofortige Verfügbarkeit.

Wagner: Daneben soll es auch wieder TV-Beiträge auf TV1 geben, wo wir unseren Berufszweig dem Fernsehpublikum vorstellen. Außerdem wird unsere Initiative „TOP-Handelszertifikat” fortgesetzt. Das ist ein Gütesiegel für die teilnehmenden Betriebe und zeigt durch anonyme Testkäufe, Betriebsanalysen, etc. jedem Händler, wo er steht – dementsprechend wollen wir auch noch mehr Betriebe zur Teilnahme motivieren.

Wie ist es um die Kommunikation zu den Mitgliedern bestellt?

Wagner: Die funktioniert im oberösterreichischen Elektro- und Einrichtungsfachhandel sehr gut, auch weil wir zwei Großhandelsvertreter im Gremium haben und es grundsätzlich regen Kontakt zu den Händlern gibt. Funktionäre wie Hubert Kastinger oder ich sind ja schon seit Jahrzehnten im Handel und Großhandel tätig – und genau deshalb ist im Landesgremium aktive Mitarbiet erwünscht: Auch bei uns Funktionären steht ein Generationswechsel an und daher suchen wir Mitstreiter, die den Handel in Zukunft mitgestalten wollen. Ich lade jeden Interessierten herzlich ein, sich bei mir für ein unverbindliches Gespräch zu melden.

Das Landesgremium Oberösterreich im Überblick:

Obmann: Hubert Kastinger (GUPFINGER Einrichtungsstudio GmbH)
Stellvertreter: Johann Wagner (Exklusiv Elektrohandel & Service GmbH)
Stellvertreterin: Barbara Eckereder (Eckereder Tischlerei GmbH)

Geschäftsführer: Harald Wintersteiger
Assistentin: Elisabeth Riepl

Telefon: 05 90909 4121
Mail: elektroeinrichten@wkooe.at
Web: wko.at/ooe/elektroeinrichten

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