Landesgremium Tirol sucht die Nähe
Obmann Roman Eberharter will sich für den Tiroler Branchennachwuchs einsetzen … (© Die Fotografen)
Strukturell ähnelt die Entwicklung in Tirol jener der anderen Bundesländer: Einer stabilen Zahl von aktiven Mitgliedsbetrieben (ca. 1.300) steht ein merklicher Rückgang bei den Lehrlingen gegenüber. Stichtag Ende August 2024 gab es im Einrichtungshandel 46 Lehrlinge, heuer nur noch 37; im Elektronikbereich sank die Zahl im gleichen Zeitraum von 26 auf 17 Lehrlinge. „Das ist eine Tendenz, die uns natürlich nicht gefällt, und wo wir als Landesgremium versuchen, mit unseren Initiativen gegenzusteuern”, hielten Obmann Roman Eberharter, Stellvertreter Christian Mühlthaler und Fachgruppengeschäftsführer Christoph Hofmann im Gespräch mit E&W unisono fest.E&W: Mit welchen thematischen Schwerpunkten setzt man sich in Tirol auseinander?
Roman Eberharter: Speziell der Möbelhandel hat nach wie vor mit einem Umsatzrückgang zu kämpfen, auch wenn es uns dank dem Tourismus in Tirol noch besser geht als Regionen im Osten. Daneben haben wir uns seitens des Einrichtungsfachhandels das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen geheftet, d.h. wir greifen nachhaltige Entwicklungen – auch thematische und regulatorische – auf und versuchen, diese für unsere Mitglieder aufzubereiten bzw. im Gegenzug Infos unserer Mitglieder an das Bundesgremium weiterzuleiten. Das Thema Digitalisierung und KI haben wir ebenfalls aufgegriffen und stellen unseren Mitgliedern bestimmte Tools zur Verfügung. Und natürlich ist die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter ein großes Anliegen, wo wir mit der Schule Kuchl und neuen Initiativen versuchen, die Fachkräfte zu stärken, Lehrlinge zu finden und zudem Quereinsteiger in unsere Betriebe zu holen.
Christian Mühlthaler: Im Elektrobereich ist kein so einheitlicher Trend erkennbar, aber wir stellen dennoch fest, dass es der reine Elektrohandel – d.h. wenn man sich nicht irgendwie spezialisiert oder ein Gewerbe für Reparaturen, Elektroinstallationen u.Ä. mit angemeldet hat – zusehends schwerer hat.
Wie unterstützt das Landesgremium den einzelnen Händler?
Eberharter: Die Lehrlingsthematik betrifft die gesamte Sparte Handel und wir versuchen mit unserem Fachkräftekoordinator der WK Tirol zu informieren, zu sensibilisieren und die Lehre medial auf allen Kanälen zu bespielen. Hier bräuchten wir auch noch ein offenes Ohr der Politik, denn das Thema Lehre hat weder von den Mittelschulen noch vom Elternhaus her den Stellenwert, der notwendig wäre. Dabei hat man mit einer guten Lehre heute alle Möglichkeiten und dazu kommt noch die höhere berufliche Bildung, die auch im Handel nach dem Lehrabschluss eine zweite oder dritte Ebene bieten wird. Da wird sich also einiges tun.
Mühlthaler: Wir sind natürlich auch mit der Berufsschule in einem sehr engen Austausch und statten diese regelmäßig mit den neuesten Produkten und Geräten aus – das geht bei uns ziemlich unkompliziert.
Welche konkreten Perspektiven könnte bzw. sollte unsere Branche bieten?

Mühlthaler: Früher konnte man wirklich noch Karriere mit Lehre machen, d.h. mit einer „normalen“ Einzelhandelslehre und entsprechender Weiterqualifizierung bis in hohe Positionen vordringen. Das ist heute fast unmöglich. Auch im Bereich Nachfolge – Stichwort Bürokratismus – müssen sich die Rahmenbedingungen entsprechend verändern, damit das Unternehmertum wieder attraktiver wird. Als ich vor 35 Jahren begonnen habe, hat man in die Hände gespuckt und konnte richtig Geld verdienen. Das ist natürlich heute schon noch möglich, aber ungleich komplizierter.
Gibt es auch Kampagnen o.Ä.?
Christoph Hofmann: Im Lehrlingsbereich läuft weierhin die Kampagne „#träumweiter”, die Einblicke in die Welt der Lehre bietet und Interessierten beim Einstieg hilft. Auf Spartenebene wollen wir die Initiative „Ja zu Tirol“ weiterentwickeln und gemeinsam mit einer Tageszeitung auf neue Beine stellen, nachdem diese nach dem Hype zu Corona-Zeiten ein bisschen eingeschlafen ist.
Welche Rolle spielt hier die spezielle Organisationsstruktur im Tirol?
Hofmann: Wir haben das System der Branchenverbünde, d.h. basierend auf dem Grundgedanken des Netzwerkens können die Betriebe aus den unterschiedlichen Branchen bei Bedarf zusammenarbeiten – sodass Synergien genutzt werden können. Im Branchenverbund Einrichtung finden sich neben dem Elektro- und Einrichtungsfachhandel beispielsweise auch noch die Tischler und die Maler, weil hier branchenübergreifende Kommunikation bzw. der Austausch wirklich Sinn macht.
Wie beurteilen Sie die Kommunikation mit den Mitgliedsbetrieben?
Mühlthaler: Hier haben wir noch Luft nach oben, weil unsere Angebote – so wie wahrscheinlich in allen Regionen – zu wenig wahrgenommen werden. Daher haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Bindung zu den Mitgliedsbetrieben zu stärken, indem wir unsere Ausschussmitglieder mit den notwendigen Werkzeugen ausstatten, damit sie Mitgliedsbetriebe besuchen und die Leistungen der WK Tirol präsentieren können. So wollen wir die Zahl der Betriebsbesuche vervielfachen, denn wenn man ein Gesicht zu etwas hat, ist das immer die allerbeste Lösung – und wir sehen uns ja ganz klar als ersten Ansprechpartner für die Anliegen der Tiroler Mitgliedsbetriebe.
Das Landesgremium Tirol im Überblick:
Obmann: Roman Eberharter (Betten Eberharter GmbH)
Stellvertreter: Christian Mühlthaler (IQ-TEC Mühlthaler GmbH & Co KG)
Stellvertreter: Stephan Schlager (HGS Hausgeräteservice OG)
Geschäftsführer: Christoph Hofmann
Assistentin: Bettina Neuner
Assistentin: Beatrice Miklos
Telefon: 05 90905 1351
Mail: christoph.hofmann@wktirol.at
Web: www.wko.at/tirol/elektromoebelhandel



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