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Freitag, 16. Januar 2026
Editorial E&W 12/2025

Eine Runde „Wünsch-dir-was” – Edition 2025

Wolfgang Schalko | 07.12.2025 | Bilder | |  Meinung
Wenn sich das Jahr zu Ende neigt ist es immer auch an der Zeit, auf die vergangenen Monate zurück zu blicken, Bilanzen und Schlussstriche zu ziehen, neue Projekte und Vorhaben vorzubereiten sowie gute Vorsätze zu fassen. So willkürlich und künstlich gezogen solche Grenzen sind, so wichtig sind sie gleichermaßen für das psychische Wohlbefinden. In diesem Sinne wollen auch wir in dieser letzten Ausgabe des Jahres Gutes tun und bewegende Branchenthemen Revue passieren lassen und zugleich erste Ausblicke zu bieten, was 2026 bringen wird.

Und obwohl (hoffentlich) kein Erwachsener mehr ans Christkind glaubt, so werden wir alle gerade zur Weihnachtszeit in einem Punkt nur allzu gerne wieder zum Kind – nämlich dann, wenn es ums Wünschen geht. Bekanntlich heißt es ja, dass man vorsichtig mit seinen Wünschen sein soll, da sie in Erfüllung gehen könnten. Bei meiner diesjährigen Runde Wünsch-dir-was ist diese Gefahr – zumindest bei all dem, was die Elektrobranche betrifft – allerdings nicht gegeben, da die Verwirklichung durchwegs am politischen Willen hängt, und der wiederum scheint – aller vollmundigen Ankündigungen zum Trotz – nicht sehr ausgeprägt zu sein. Als Beispiel sei hier nur der Reparaturbonus neu aka Geräte-Retter-Prämie gennant, der seitens der Regierung für Dezember in Aussicht gestellt, aber dann wochenlang weder konkretisiert noch ansatzweise umgesetzt wurde. Oder das ElWG, das man kurzerhand zum Billigstromgesetz umtaufte, aber dabei zwei wesentliche Dinge vergaß: Erstens, dass ein Titel noch keinen Inhalt macht und zweitens, dass es verhandlungstechnisch nicht gerade klug ist, einen halbgaren Gesetzesentwurf auf den Tisch zu knallen, für den man noch die Zustimmung einer der beiden Oppositionsparteien braucht. Auch die selbstverordnete Entbürokratisierungskur will über homöopathische Ansätze (noch) nicht so recht hinwegkommen, und von den unzähligen weiteren Brocken will ich gar nicht reden. Ich will mir an dieser Stelle auch gar nicht wünschen, dass all das Angekündigte tatsächlich umgesetzt wird, sondern zunächst nur, dass man sich (ernsthafte!!) Gedanken darüber macht, was man überhaupt ankündigt bzw. in Aussicht stellt. Denn so ähnlich wie bei den selbsterfüllenden Prophezeiungen an der Börse bewirkt auch das bloße Publikmachen von Gesetzen, Projekten o.Ä., dass etwas passiert – noch bevor eigentlich etwas passiert.

Dahingehend sollten sich diverse Entscheidungsträger jene Presseaussendung der Österreichischen Marketing-Gesellschaft (ÖMG) zu Herzen nehmen, die kürzlich in mein Postfach flatterte. Darin ging es um die Frage, wie man Botschaften durchbringt, die unbequem sind, Ängste berühren oder scheinbar niemanden betreffen wollen? Die pointierte Antwort von ÖMG-Präsident Alexander Oswald lautete: „Beziehungsarbeit macht 80 Prozent des Erfolgs aus. Bevor wir über Inhalte sprechen, müssen wir Vertrauen schaffen.“ Vertrauen ist gerade dann wichtig, wenn man Unpopuläres kommunizieren will. „Drumherum reden“ zerstört Vertrauen, denn Menschen spüren Unehrlichkeit sofort. Wichtiger Zusatz: Rationale Botschaften allein reichen längst nicht mehr. Menschen öffnen sich, wenn sie abgeholt, nicht belehrt werden – Ideen und Realitäten müssen empathisch vermittelt werden, statt harte Maßnahmen nur anzukündigen. Das gilt in besonderem Maße für Themen wie Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Wandel oder Digitalisierung. „Wahrheit erreicht Menschen nur über Emotion. In Zeiten großer Veränderungen brauchen wir positive Narrative, eine große Vision und ganz klar: Weniger Orientierungslosigkeit“, ergänzte ÖMG-Vorständin Sabrina Oswald.

Vieles „Nur-so-Dahingesagte”, dem der Sender keine große Bedeutung zumisst, kommt beim Empfänger völlig anders an bzw. trifft einen Nerv, den der Sender gar nicht auf dem Radar hatte – das Ergebnis ist eine sich verschlechternde Beziehung oder der Verlust von Ansehen/Vertrauen, obwohl das nie die Intention einer der beiden Seiten war. Genau das ist aber heutzutage praktisch immer und über all zu beobachten, im politischen Diskurs ebenso wie im Geschäftsleben oder in der medialen Berichterstattung. Vielleicht liegt es am prominenten politischen Vorbild jenseits des Atlantiks, dass Menschen glauben oder vielmehr davon überzeugt sind, Aussagen hätten keine Konsequenzen bzw. nur die, die der Aussender beabsichtigt, und das genau zu dem Zeitpunkt und in dem Kontext, den er sich ausmalt. Ließe sich diese grassierende Unart zumindest eindämmen, wäre einer meiner persönlichen Wünsche für 2026 schon erfüllt.

Dass das schwer wird, ist mir ebenso klar, wie eine einigermaßen seriöse und faktenbasierte Diskussion zur Wirtschaftskammer. Natürlich haben wir auch dieses (leidige) Thema in dieser Ausgabe aufgegriffen, da eine kritische Auseinandersetzung mit der WKÖ und vor allem auch von der WKÖ mit sich selbst ohnehin schon überfällig war. Was ich nicht will und mir auch nicht wünsche, ist – bei aller berechtigten Kritik und allem evidenten Reformbedarf – stupides „Kammer-Bashing” um des Bashens Willen. Denn eine Gefahr ist den oben genannten Aussagen der ÖMG leider inhärent: Jene des überkontrollierten Überbordens, wenn die Emotionen hochgehen. Daher finden Sie in dieser E&W auch weder eine Schimpftirade noch eine Reformanleitung, sondern „nur” das, was die Basis – Bundesgremialobmann Robert Pfarrwaller und Bundesinnungsmeister Christin Bräuer – zu sagen hat. Schließlich haben diese gewählten Branchenvertreter etwas, das der Führungsetage gemeinhin abgesprochen wird und auch meines Erachtens weitgehend verloren gegangen ist: den Bezug zu den Mitgliedern. Das sind jene Menschen, die Ihnen und mir zuhören, unsere Anliegen auf- und ernst nehmen und versuchen, Dinge im positiven Sinn zu beeinflussen und zu verändern. Ich wünsche mir, dass diese Menschen den Respekt erhalten, den sie verdienen – und nicht die blöde Nachrede, die ihnen in den letzten Wochen ungerechtfertigterweise zuteil wurde. Ich erinnere mich gerade an einen Satz, den ich kürzlich im Zuge einer Kontaktaufnahme mit der Servicestelle eines großen Unternehmens gelesen habe: Man soll als Anrufer bitte bedenken, dass es sich beim Gegenüber ebenfalls um einen Menschen handelt. Ein schöner Gedanke, wie ich finde – und den man auch außerhalb von Servicehotlines nicht vergessen sollte.

In diesem Sinne noch ein letzte Runde Ich-wünsch-Ihnen-was: Eine besinnliche Weihnachtszeit, ein paar erholsame Tage rund um den Jahreswechsel und am wichtigsten – bleiben Sie gesund!

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